- 03.07.2009, 10:00:00
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KfV-Studie: Kritischer Punkt Tunnelportal
Zu geringer Sicherheitsabstand und mangelnde Aufmerksamkeit sind Hauptunfallursachen in Autobahn- und Schnellstraßentunnels
Wien (OTS) - Die Urlauberwelle rollt wieder. Abgesehen von Staus
in glühender Hitze sind für viele Fahrzeuglenker Fahrten durch die
zahlreichen österreichischen Tunnels der eher unangenehme Teil der
Reise. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) hat sich das
Unfallgeschehen der Jahre 1999 bis 2007 in 111 österreichischen
Gegen- und Richtungsverkehrstunnels im Verlauf von Autobahnen und
Schnellstraßen angesehen. Die gute Nachricht: Die Wahrscheinlichkeit,
im Tunnel zu verunglücken, ist geringer als auf Autobahnen und
Schnellstraßen im Freiland. Wenn in einem Tunnel ein Unfall passiert,
fällt er allerdings wesentlich schwerer aus. Das Risiko, bei einem
Tunnelunfall getötet zu werden, ist etwa doppelt so hoch wie auf
Autobahnen insgesamt. Pro Jahr kommt es durchschnittlich zu 97
Tunnelunfällen im Verlauf von Autobahnen und Schnellstraßen, bei
denen im Schnitt neun Personen getötet und 147 verletzt werden. In
den meisten Fällen sind diese Unfälle auf ein Fehlverhalten der
Lenker - vor allem auf zu geringen Sicherheitsabstand -
zurückzuführen. Gemessen an der Unfallrate ist vor allem das
Tunnelportal die gefährlichste Stelle.
Am gefährlichsten: Das Tunnelportal
Sowohl bei Gegen- als auch Richtungsverkehrstunnels ist die
Unfallrate im Portalbereich am höchsten und bei beiden Tunnelarten
fällt auch der hohe Anteil der Alleinunfälle im Portalbereich auf.
Erfahrungsgemäß ist bei Alleinunfällen oft überhöhte Geschwindigkeit
im Spiel. Kritisch ist vor allem bei Tunnels mit Gegenverkehr auch
der "Vorportal- und Ausfahrtsbereich" - damit ist der etwa 250 Meter
lange Bereich vor dem Portal und nach der Tunnelausfahrt gemeint. Im
Vorportalbereich wird der Richtungsverkehr in den Gegenverkehr
übergeleitet. Die damit zusammenhängende Geschwindigkeitsreduktion
scheinen viele Autofahrer nicht im Griff zu haben, da rund 47 Prozent
der Unfälle, die an dieser Stelle passieren, Auffahrunfälle sind.
Auch in Richtungsverkehrtunnels kommen Auffahrunfälle aufgrund zu
geringer Sicherheitsabstände am häufigsten vor, wobei besonders im
Einfahrtsbereich und der Tunnelmitte der höchste Anteil verzeichnet
wird.
Hauptunfallursache: Fehlverhalten des Lenkers
Egal ob Tunnel mit Richtungs- oder Gegenverkehr: In 42 Prozent der
Fälle sind Tunnelunfälle auf ein Fehlverhalten des Lenkers
zurückzuführen, wobei der zu geringe Sicherheitsabstand die
unrühmliche Hauptrolle spielt. Bei weiteren 36 Prozent der
Tunnelunfälle liegt die Ursache in mangelnder Wachsamkeit, an der
wiederum Unaufmerksamkeit, Übermüdung und Ablenkung die größten
Anteile haben. Vor allem in der Tunnelmitte scheint die Konzentration
stark nachzulassen: Dort sowie im Vorportal- und Ausfahrtsbereich
häuft sich das Fehlverhalten der Lenker in Form von zu geringem
Sicherheitsabstand, Überholen oder Spurhaltung. Besonders in
Gegenverkehrtunnels ist Fehlverhalten ein besonders gravierendes
Problem, da hier zusätzlich die Gefahr von Frontalkollisionen gegeben
ist.
Sicherheitsrisiko Verkehrsmoral
"Die Analyse der Tunnelunfälle hat gezeigt, dass nicht der Tunnel an
sich, sondern die oft mangelnde Verkehrsmoral das Hauptproblem ist",
zieht Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für
Verkehrssicherheit (KfV), den Schluss aus der Untersuchung. "Jeder
zweite Tunnelunfall ist auf zu geringen Sicherheitsabstand zurück zu
führen und viele Unfälle ließen sich vermeiden, indem man einfach vom
Gas geht." Da zu hohe Geschwindigkeiten vor allem im Vorportal- und
Portalbereich ein Problem sind, würden sich - je nach spezifischen
Verkehrs- und Anlageverhältnissen - etwa 250 Meter vor dem Tunnel
beginnend Section Control Anlagen anbieten. Empfohlen wird auch der
Einsatz von automatischen Abstandsmessgeräten im Tunnel. Um die
Folgen von Alleinunfällen im Portalbereich abzuschwächen, sollte der
Einsatz von Anpralldämpfern ausgeweitet werden.
Weit schwieriger gestalten sich wahrscheinlich Maßnahmen gegen die
Hauptunfallursache "mangelnde Wachsamkeit". "Um hier gegen zu
steuern, müssten die Ruhezeiten von Lkw-Lenkern und die
Fahrtüchtigkeit von Pkw-Fahrern intensiver kontrolliert werden",
fordert Thann. "Parallel dazu müssen wir der Öffentlichkeit ins
Bewusstsein rufen, welche fatalen Folgen Übermüdung, Ablenkung oder
Alkoholisierung in einem Tunnel haben können." Dabei sollte auch
transportiert werden, wie man sich bei Unfällen, Pannen und Bränden
richtig verhält. Denn wie vergangene Tunnelunfälle gezeigt haben,
entscheidet das richtige Verhalten der Verkehrsteilnehmer in den
meisten Fällen über Leben und Tod.
Rückfragehinweis:
Kuratorium für Verkehrssicherheit
Mag. Dolores Omann
Marketing & Kommunikation
Tel.: 0577077-1904
E-Mail: [email protected]
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