• 25.06.2009, 11:46:26
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Gemeinnützige wirtschaften mit Langfrist-Perspektive

GBV verteidigen ihr Wirtschaftsmodell gegen Kritik des Rechnungshofes

Wien (OTS) - "Gerade die jüngste wirtschaftliche Entwicklung führt
uns drastisch vor Augen, dass eigenkapitalstarke Unternehmen
krisenresistenter sind als Unternehmen mit geringem Eigenkapital und
dementsprechend hohem Bedarf an einer Fremdfinanzierung", betont Mag.
Karl Wurm. Die starke Position der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft
erweise sich als ein wesentlicher Faktor dafür, dass der
österreichische Wohnungsmarkt von einer Immobilienkrise verschont
geblieben wäre. Der Obmann des Dachverbandes der gemeinnützigen
Bauvereinigungen (GBV) nimmt damit Bezug auf den Rechnungshof, der in
seinem jüngsten Bericht den Gemeinnützigen zu hoher Gewinne
vorgeworfen hat.

"Die GBV agieren unter strengen gesetzlichen Auflagen, die nur in
sehr beschränktem Maß Gewinne ermöglichen. Überdies bleibt der
weitaus größte Teil dieser Erträge im Unternehmen, wird nicht an die
Eigentümer ausgeschüttet und ist für den Einsatz im Wohnbau
zweckgebunden", streicht der GBV-Obmann hervor. Resultat dieser
Vorgangsweise seien Mieten, die deutlich unter dem Marktniveau liegen
sowie ein Bauzustand der Häuser, der weitaus besser sei, als der bei
privaten und gewerblichen Wohnbauträgern sowie den Eigenheimen: "Mit
einer jährlichen Sanierungsrate von mehr als 3 Prozent liegen die
Gemeinnützigen heute schon deutlich über den von der Bundesregierung
angepeilten Klimazielen und um Längen vor den Konkurrenten im
Wohnungssektor".

Der vom Rechnungshof für die rund 180 gemeinnützigen
Bauvereinigungen mit 410 Millionen bezifferte Jahresüberschuss für
2005 sei überdies nicht als bar zur Verfügung stehendes Kapital zu
sehen, da ein beachtlicher Teil davon für die Darlehensrückzahlungen
aufzuwenden sei, stellt Wurm klar. Tatsächlich seien es 200 Mio.
Euro. So wäre etwa der von Rechnungshof monierte Jahresüberschuss
eines Unternehmens von 18,7 Mio Euro zu mehr als zwei Drittel für
derartige Rückzahlungen gebunden.

Die GBV haben in den Jahrzehnten ihrer Tätigkeit ein Eigenkapital
von 3,8 Mrd. Euro erwirtschaftet, davon sind rd. 3,2 Mrd. langfristig
in Wohngebäuden, Grundstücken und Instandhaltungsmaßnahmen
eingesetzt, der Rest steht für Zwischenfinanzierungen zur Verfügung.
Diese "Eigenfinanzierungskraft" käme den Mieter zu Gute, da aus einem
- wie derzeit üblich - GBV-Eigenmittel-Anteil von 10 bis 15 % an den
Gesamtkosten einer Neubauwohnung eine Dämpfung der Miete zwischen 270
und 360 Euro pro Jahr resultiere.

"Und dieser Eigenmitteleinsatz der GBV wird" - so Wurm - "laufend
wichtiger, da sich der Anteil der Wohnbauförderungsdarlehen an der
Finanzierung von Wohnungen sukzessive von zwei Drittel der Baukosten
auf ein Drittel verringert hat. Die Gemeinnützigen konnten durch ihr
Kapital, das dem Gesetz entsprechend mit einem langfristig weit unter
dem Marktniveau liegenden Zinssatz eingesetzt wird, zumindest
teilweise diese Ausdünnung der öffentlichen Mittel kompensieren".
Die durch eine solide Kapitalbasis untermauerte hohe Bonität der
Gemeinnützigen würde sich besonders jetzt als enormer Vorteil
erweisen, da die Banken in ihrer Kreditvergabe für Wohnbauprojekte
sehr vorsichtig geworden sind. Wurm: "Wir merken es an den
Risikoaufschlägen, die für Wohnbaudarlehen verlangt werden. Hier
kommen die Gemeinnützigen weitaus besser weg als andere
Wohnbauträger, und von diesen Zinsenvorteil profitieren wieder unsere
Kunden."

"Wenn der Rechnungshof uns vorwirft, dass sich erhebliche stille
Reserven bei Gebäuden und Liegenschaften nicht in unseren Bilanzen
vorfinden so sei daran erinnert", meint der GBV-Obmann, "dass gerade
das spekulative Aufwerten in den Bilanzen vieler Immo-Bauträger zum
Platzen der Immobilienblase geführt hat. Die Gemeinnützigen
bilanzieren lieber mit großer kaufmännischer Vorsicht, mit
Realitätssinn und richten ihr Agieren nicht an Renditeerwartungen für
die Anleger aus, sondern an der Zielsetzung einer langfristigen
Bewirtschaftung sozial gebundenen und leistbaren Wohnraums."

Rückfragehinweis:
Mag. Karl Wurm
Österreichischer Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen
Tel. 1/ 401 09 / 10 DW

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