• 18.06.2009, 14:14:32
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Österreichs Milchbauern demonstrieren am 22. Juni in Luxemburg

LK Österreich: Milchmarkt braucht rasch EU-weite Entlastungsmaßnahmen

Wien (aiz.info) - Aufgrund der dramatischen Situation am
heimischen und internationalen Milchmarkt nehmen österreichische
Milchbauern am kommenden Montag, 22.06., an einer Großdemonstration
in Luxemburg teil. "An diesem Tag treffen sich auch die
EU-Agrarminister, an sie ergeht dabei die Botschaft, dass auf
EU-Ebene weitere Marktentlastungsmaßnahmen notwendig sind und dass
auch künftig auf Mengen steuernde Instrumente bei Milch nicht
verzichtet werden darf", erläuterte heute Josef Moosbrugger,
Vorsitzender des Ausschusses für Milchwirtschaft der
Landwirtschaftskammer Österreich und Präsident der LK Vorarlberg.
Moosbrugger wies erneut darauf hin, dass die aktuelle Lage
insbesondere auf einen spürbaren Absatzrückgang - auch im
Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise - zurückzuführen ist. Im
Zusammenhang mit der Diskussion über die Verwendung von Käseimitaten
sprach er sich für eine klare, eindeutige Lebensmittelkennzeichnung
aus, um zu verhindern, dass die Konsumenten getäuscht werden.

Absatzrückgang als Hauptursache

Moosbrugger stellte zur problematischen Situation am europäischen
beziehungsweise österreichischen Milchmarkt - geprägt von einem
Verfall der Erzeugerpreise - einmal mehr klar, dass es sich vor allem
um ein Absatzproblem handle: Die EU-Milchanlieferung habe sich im
abgelaufenen Quotenjahr (April 2008 bis März 2009) sogar um 0,9%
verringert, dementsprechend seien auch weniger Käse, Butter und
Joghurt erzeugt worden. Gleichzeitig sei allerdings der Absatz von
Molkereiprodukten spürbar gesunken. Ursachen dafür seien insbesondere
Konsumrückgänge, geänderte Rezepturen der Lebensmittelindustrie,
wobei Milchfett durch andere Rohstoffe ersetzt wird, sowie ein
Einbruch bei den Exporten von Butter, Käse, Magermilchpulver,
Kondensmilch und Molkenpulver.

Im besonders preissensiblen deutschen Lebensmittelhandel werden
zunehmend Markenerzeugnisse im Molkereibereich durch billigere
Handelsmarken ersetzt. Im österreichischen Handel kam es laut
Nielsen/AMA-Erhebungen in den ersten vier Monaten 2009 zu einem
Rückgang des Molkereiprodukte-Absatzes um 1 bis 3% (je nach Palette).
Aufgrund all dieser Umstände ist derzeit laut Experten für etwa 6 bis
8 Mio. t Milch EU-weit kein Absatz vorhanden.

Europäische Probleme verlangen europäische Lösungen

Wenn nun von mancher Seite gefordert werde, die österreichischen
Milchbauern müssten ihre Molkereianlieferungen verringern und die
Saldierung der Milchquoten sei zu beseitigen, so sei zu bedenken,
"dass es sich hier um ein europäisches Problem handelt, das
europäische Lösungen verlangt", unterstrich Moosbrugger.
Selbstverständlich sei in Österreich von den Milchbauern
Quotendisziplin zu fordern, und mit den von Minister Niki Berlakovich
vorgeschlagenen Instrumenten, wie etwa der Nichtzuteilung der
Quotenaufstockung oder der stärkeren Bestrafung hoher
Überlieferungen, würden auch national Anstrengungen unternommen, so
der LK-Präsident. Es könne aber nicht so sein, dass heimische
Milchbauern ihre Produktion verringern und in anderen EU-Ländern
werde die Anlieferung aufgestockt, wodurch Österreich an
Marktanteilen verliere. Immerhin mache die heimische Milcherzeugung
nur 2% der EU-Menge aus. Kleinräumige Maßnahmen wären daher nicht
wirklich preiswirksam.

Entlastungsmaßnahmen forcieren

"Nur eine rasche, wirksam gesetzte europaweite Entlastung kann
Besserung für den derzeit völlig darniederliegenden Milchmarkt
bringen. Es gilt daher, rasch auf EU-Ebene Instrumente einzusetzen,
die kurzfristig den Absatz ankurbeln. Solche können jedoch nur die
EU-Agrarminister gemeinsam mit der Kommission auf den Weg bringen.
Wir verlangen daher dringend massive Anreize für die Industrie, statt
pflanzlichen Ersatzprodukten wieder Milchprodukte in ihre Rezepturen
einzubauen. Die Entlastung des Marktes durch Exporterstattungen,
Intervention und private Lagerhaltung ist fortzuführen, so lange die
abnormalen Marktverhältnisse andauern. Darüber hinaus können auch
alternative Möglichkeiten, wie etwa die Verwertung für Kälberfutter,
Druck vom Markt nehmen", erklärte Moosbrugger als Sprecher der
österreichischen Milchbauern.

Weiters forderte er klarere Etikettierungsvorschriften, um den
Konsumenten deutlich zu machen, wo Kunstkäse oder Pflanzenfett
verwendet wird. Der LK-Präsident rief alle Marktbeteiligten dazu auf,
Panikreaktionen zu vermeiden und sich von der nach wie vor
praktizierten "Geiz-ist-geil-Mentalität" zu verabschieden. An die
Adresse der Arbeiterkammer richtete er die Feststellung, dass
Lebensmittel schon lange nicht mehr zu den Preistreibern gehören und
der Anteil der agrarischen Erzeugerpreise an den Konsumentenpreisen
sehr gering sei.

EU-Instrumente auch nach Quoten-Ende notwendig

"Das Auslaufen der Milchquoten ab 2015 und die fortschreitende
Liberalisierung der EU-Landwirtschaft, nicht zuletzt auch als Folge
der WTO-Handelsregeln, sind Tatsachen, die sich nicht wegleugnen
lassen. Doch die jetzige Situation zeigt, dass es auch in Zukunft
nicht ohne ordnende Eingriffe in das Marktgeschehen gehen wird, will
man zum Schaden von Bauern, Handel und Konsumenten permanente
radikale Preissprünge nach oben und unten vermeiden. Daher sprechen
wir uns für die Beibehaltung der Marktordnungsinstrumente
Exporterstattungen, Intervention und private Lagerhaltung auch nach
2015 aus", stellte Moosbrugger klar.

Außerdem würden auch nach 2015 die Produktions-Nachteile der
Berggebiete, wie Entfernungen, Klima, Hangneigung etc. nicht geringer
werden. "Daher verlangen wir auch weiterhin Direktzahlungen für die
Landwirtschaft, wie die Milchkuhprämie", so der Präsident.

Milchkuh ist keine Maschine

Er warnte davor, die heimische Milchwirtschaft stets mit
unsachlichen Billigpreis-Vergleichen noch weiter unter Druck zu
bringen. Diese berücksichtigten weder die hohe Qualität heimischer
Milchprodukte noch die erschwerten Erzeugungsbedingungen, die einen
höheren Preis erforderten. "Eine Milchkuh ist keine Maschine und ein
Stall keine Fabrik. Man kann eine Kuh und einen Bauernhof nicht heute
abdrehen und morgen anwerfen, die Kuh lässt sich auch nicht auf
Kurzarbeit umprogrammieren. Die Landwirtschaft ist kein
Industriezweig wie jeder andere. Denn es geht immer noch um
Lebensmittel und die Grundversorgung an existenziellen Bedürfnissen
der Bevölkerung", gab Moosbrugger zu bedenken.

Die Frage sei, welche Milchwirtschaft und welche Molkereiprodukte
die Österreicher wollen. "Man könnte theoretisch auch den Weg der
Industrialisierung gehen. Es muss uns aber klar sein, dass so ein
Schritt zwar billige, aber anonyme Massenprodukte ohne jegliche
Spezialitäten bedeutet und die Produktion nur noch in wenigen
zentralen Großeinheiten durchgeführt wird. Außerdem würde nur noch
die Landschaft in den Gunstregionen gepflegt, was nicht ohne
Auswirkungen auf den Tourismus bliebe. So ein Weg wird daher sowohl
von den Landwirten als auch von den Konsumenten strikt abgelehnt",
betonte der Milchbauern-Sprecher.

Demonstration am Montag in Luxemburg

Um auf diese Umstände aufmerksam zu machen, beteiligen sich auch
österreichische Milchbauern an der Kundgebung, die in Luxemburg am
Montag, 22.06.2009, von 13.00 bis 15.00 Uhr stattfinden wird. "Bauern
in der Krise", "Ohne Bauern kein Essen" und "Für einen fairen Anteil
am Wert unserer Arbeit" lauten die Kernbotschaften, die mehrere
Tausend Demonstranten in Luxemburg den dort tagenden
EU-Agrarministern übermitteln wollen. Aus Österreich nehmen neben
LK-Präsident Gerhard Wlodkowski und Josef Moosbrugger auch weitere
Spitzenrepräsentanten der Bauernvertretung wie Präsident Fritz
Grillitsch teil.
(Schluss) kam

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