- 17.06.2009, 10:31:35
- /
- OTS0088 OTW0088
Greenpeace: Grenznahe AKW in Deutschland nicht vor Terrorangriffen geschützt
Bei Super-GAU müssen auch österreichische Städte evakuiert werden
Berlin/Wien (OTS) - Viele deutsche Atomkraftwerke sind nicht
ausreichend vor Terrorangriffen geschützt. Darunter befindet sich
auch das grenznahe Atomkraftwerk Isar I bei Landshut, lediglich 100
Kilometer von Salzburg entfernt. Das geht aus einem vertraulichen
Bericht der Internationalen Länder Kommission (ILK) in Deutschland
hervor, der Greenpeace vorliegt. Die ILK wurde beauftragt nach den
Anschlägen am 11. September zu untersuchen, was passieren würde, wenn
ein Flugzeug ein Atomkraftwerk angreifen würde. "Die Ergebnisse
dieses Berichts sind derart brisant, dass sie als vertraulich
eingestuft wurden und bis heute der Öffentlichkeit vorenthalten
wurden. Die Informationen sind so explosiv, dass man den AKW umgehend
die Betriebsgenehmigung entziehen muss", stellt Niklas Schinerl,
Energiesprecher von Greenpeace, fest.
In dem Bericht heißt es, vor allem bei Kraftwerken aus frühen
Baujahren mit dünnen Stahlbetonwänden, wie das grenznahe AKW Isar I,
sei "bei einem Aufprall auf das Reaktorgebäude mit schweren bis
katastrophalen Freisetzungen radioaktiver Stoffe zu rechnen".
Wissenschaftliche Berechnungen von Greenpeace über die Ausbreitung
der Strahlung bei einem schweren Reaktorunfall, etwa für das
Atomkraftwerk Isar I in Landshut, zeigen, dass es nicht nur zu
erhöhter Lebensgefahr in der unmittelbaren Umgebung des Unglücks
kommt, es ergeben sich auch für weiter entfernte Orte erschreckende
Strahlenbelastungen für Mensch und Umwelt. "Wenn es zu einem
Terroranschlag beim AKW Isar I kommt, wird eine langfristige
Umsiedlung Salzburgs, aber auch großer Teile Oberösterreichs
möglicherweise unumgänglich sein", warnt Schinerl. "Um es zu
präzisieren, könnte Salzburg je nach Wetterlage innerhalb von fünf
Stunden betroffen sein und müsste sofort evakuiert werden", so
Schinerl weiter.
"Die Bevölkerung ist einem tödlichen Risiko ausgesetzt, dem sie
nicht entkommen kann", sagt Heinz Smital, Atomexperte von Greenpeace
Deutschland. "Die Aufsichtsbehörden kennen die Gefahr, aber sie
handeln nicht." Greenpeace liegen interne Dokumente unter anderem des
Bundeskriminalamtes vor, nach denen die deutschen Sicherheitsbehörden
das Risiko eines Terroranschlags aus der Luft auf ein Atomkraftwerk
nicht mehr ausschließen. Gleichzeitig ist die bisherige Abwehrtaktik,
das AKW im Falle eines Angriffs zu vernebeln, gescheitert. Dabei
erkennt selbst das Bundesumweltministerium "...keine wesentliche
Verbesserung der Sicherheit der Kernkraftwerke..." (Protokollentwurf
Bund-Länder Fachgespräch vom 23.4.2007).
Aufgrund dieser Gefährdungslage strengt Greenpeace in Deutschland
rechtliche Schritte gegen fünf AKW an: Biblis A und B, Brunsbüttel,
Isar I und Philippsburg I. Dies war erst nach einem Urteil des
dortigen Bundesverwaltungsgerichts vom 10.April 2008 möglich
geworden, nach dem das Gericht die persönliche Betroffenheit eines
Klägers als Klagevoraussetzung anerkannt hat.
Ein Abschalten der sieben ältesten AKW ist nach
Greenpeace-Berechnungen sofort möglich. Dass die Stromversorgung in
Deutschland trotzdem gesichert bleibt, beweist die aktuelle Netzlage.
Derzeit sind sieben AKW mit einer wesentlich höheren Stromleistung
aus technischen Gründen oder aufgrund der alljährlichen Revision
abgeschaltet, ohne dass die Versorgung beeinträchtigt wird.
Rückfragehinweis:
Niklas Schinerl Energiesprecher Greenpeace, +43 664 612 67 04 Heinz Smital Atomexperte Greenpeace Deutschland, +49 171 87 80 803 Melanie Beran Pressesprecherin Greenpeace, +43 664 612 67 18
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | GRP






