"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Jedenfalls ein Etappensieg" (Von Michael Sprenger)

Ausgabe vom 5. Juni 2009

INNSBRUCK (OTS) - Barack Obama hat namens der USA die Mission seiner Präsidentschaft abgesteckt. Eine Herkulesarbeit.

Zweifelsohne. Barack Obama hat in Kairo eine große Rede gehalten. Soll sie doch den Neuanfang in der Beziehung zwischen der westlichen und der muslimischen Welt markieren und den Kreislauf der beidseitigen Verdächtigungen, Vorurteile und dem daraus entstehenden Misstrauen beenden. In der mit Koran-Zitaten gespickte Rede wurde die einstündige Rede zum Gegenentwurf der Bush-Jahre. Obama erinnerte die muslimische Welt bewusst an seine Wurzeln. Mit der Betonung des "gegenseitigen Respekts" reichte er der islamischen Welt beide Hände. Obama landete einen Etappensieg. Indem er es in seiner durchkomponierten Rede nicht versäumte, die Demütigungen zu beschreiben, die das palästinensische Volk erdulden musste (ohne dabei die Verbindung zwischen den USA und Israel in Frage zu stellen), und Fehler im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg benannte, löste er in weiten Teilen der muslimischen Welt Begeisterung aus. Aber eben nur in weiten Teilen. Es wäre naiv zu glauben, dass diese eine Rede die Welt verändern könnte. Denn diese beiden Hände, die Obama der muslimischen Welt entgegenstreckte, sind für Hardliner und Extremisten (auch in Israel) eine Provokation. Nähmen sie doch dieser Politik des geschürten Hasses ihre Daseinsberechtigung. Sollte Obamas große Rede im Nachhinein auch zu einer historischen werden, dann beginnt erst jetzt für Obama und die westliche Welt die Herkulesarbeit. Allen Akteuren muss klar sein, dass diese Arbeit voll von Rückschlägen sein wird. Aber sie ist ohne Alternative. Zweifelsohne.

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