Prammer: Teilzeit schuld an Einkommensunterschieden

Tumpel und Marek bei Eröffnung des 16. ÖGB-Frauenkongresses

Wien (ÖGB) - "Diese verteufelte Teilzeit" sei die Erklärung für die Einkommensunterschiede von Frauen und Männern in Österreich, sagte die 1. Nationalratspräsidentin Barbara Prammer bei der Eröffnung des 16. ÖGB-Frauenkongresses heute in Wien. ++++

Die Wirtschaftskrise sei in diesem Ausmaß nicht vorhersehbar gewesen, und viele Menschen würden sich Sorgen um ihre Zukunft machen, sagt Prammer. "Daher müssen wir alle Anstrengungen darauf ausrichten, dass Menschen eine Beschäftigung mit menschenwürdigen Arbeitsbedingungen haben, und da sind mir vor allem die Arbeitsbedingungen der Frauen wichtig." Die überdurchschnittlich große Einkommensschere in Österreich sei, so Prammer, "vollkommen inakzeptabel". Die Erklärung sei einfach: "Diese verteufelte Teilzeit", sagte Prammer. "Darauf brauchen wir andere Antworten als bisher. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie darf kein Schlagwort sein, Frauen müssen auch mit Kindern und auch mit kleinen Kindern Vollzeit arbeiten können." Um die Einkommensschere effizient zu schließen, müsse erkannt werden, dass Teilzeitarbeit für Frauen das "Raus aus dem erlerntem Beruf und rein in schlechter bezahlte Arbeit ist - darauf brauchen neue Antworten." Barbara Prammer würdigte in ihrer Rede auch die scheidende ÖGB-Frauenvorsitzende Renate Csörgits und dankte ihr für "die gute Zusammenarbeit in den nicht immer einfachen zehn Jahren."

Staatssekretärin Christine Marek warnte davor, dass gerade in der Krise die Gefahr bestünde, die Gleichstellungs- und Chancengleichheitspolitik unter den Teppich zu kehren. "Wir müssen gerade jetzt Gleichstellungspolitik einfordern, und die Krise kann auch eine Chance sein, in diesem Bereich etwas zu tun." Die Eigenständigkeit von Frauen müsse gefördert werden, und das könne nur durch Erwerbsarbeit gänzlich erreicht werden. Marek: "Frauen müssen für Eigenständigkeit und Alterssicherheit eigene Erwerbstätigkeit haben." Nachholbedarf gebe es bei Frauen in Spitzenpositionen, so Marek. Studien würden zeigen, dass Unternehmen erfolgreicher seien, wenn Männer und Frauen gleichermaßen in Führungspositionen vertreten seien, "das ist schlicht ökonomische Intelligenz."

"GewerkschafterInnen müssen sich tagtäglich mit gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten auseinandersetzen", sagte AK Präsident Herbert Tumpel. "Für Frauen wurde durch den Einsatz der Gewerkschaften viel Positives erreicht, Tatsache ist aber dass es immer noch gewaltige Unterschiede in der wirtschaftlichen Stellung von Frauen und Männern gibt." Tumpel kritisierte das Fehlen von "echter Wahlfreiheit für Männer und Frauen, ob sie Teilzeit arbeiten wollen oder nicht." Neben Teilzeitarbeit seien auch die Bildungsmöglichkeiten und die Berufswahl Schuld an bestehenden Einkommensunterschieden. "Wir brauchen Maßnahmen für eine gerechtere Gesellschaft für Frauen und Männer, und brauchen daher den Mut, uns mit scheinbar unverrückbaren gesellschaftlichen Gegebenheiten immer wieder auseinander zu setzen und zum Programm und Thema zu machen."

Der ÖGB Frauenkongress wird mit einem Referat von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, der Wahl des neuen Frauenpräsidiums und dem Beschluss des Grundsatzprogrammes fortgesetzt.

ÖGB, 3. Juni 2009 Nr. 341

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