- 03.06.2009, 11:11:11
- /
- OTS0099 OTW0099
Prammer: Teilzeit schuld an Einkommensunterschieden
Tumpel und Marek bei Eröffnung des 16. ÖGB-Frauenkongresses
Wien (ÖGB) - "Diese verteufelte Teilzeit" sei die Erklärung für
die Einkommensunterschiede von Frauen und Männern in Österreich,
sagte die 1. Nationalratspräsidentin Barbara Prammer bei der
Eröffnung des 16. ÖGB-Frauenkongresses heute in Wien. ++++
Die Wirtschaftskrise sei in diesem Ausmaß nicht vorhersehbar
gewesen, und viele Menschen würden sich Sorgen um ihre Zukunft
machen, sagt Prammer. "Daher müssen wir alle Anstrengungen darauf
ausrichten, dass Menschen eine Beschäftigung mit menschenwürdigen
Arbeitsbedingungen haben, und da sind mir vor allem die
Arbeitsbedingungen der Frauen wichtig." Die überdurchschnittlich
große Einkommensschere in Österreich sei, so Prammer, "vollkommen
inakzeptabel". Die Erklärung sei einfach: "Diese verteufelte
Teilzeit", sagte Prammer. "Darauf brauchen wir andere Antworten als
bisher. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie darf kein Schlagwort
sein, Frauen müssen auch mit Kindern und auch mit kleinen Kindern
Vollzeit arbeiten können." Um die Einkommensschere effizient zu
schließen, müsse erkannt werden, dass Teilzeitarbeit für Frauen das
"Raus aus dem erlerntem Beruf und rein in schlechter bezahlte Arbeit
ist - darauf brauchen neue Antworten." Barbara Prammer würdigte in
ihrer Rede auch die scheidende ÖGB-Frauenvorsitzende Renate Csörgits
und dankte ihr für "die gute Zusammenarbeit in den nicht immer
einfachen zehn Jahren."
Staatssekretärin Christine Marek warnte davor, dass gerade in der
Krise die Gefahr bestünde, die Gleichstellungs- und
Chancengleichheitspolitik unter den Teppich zu kehren. "Wir müssen
gerade jetzt Gleichstellungspolitik einfordern, und die Krise kann
auch eine Chance sein, in diesem Bereich etwas zu tun." Die
Eigenständigkeit von Frauen müsse gefördert werden, und das könne nur
durch Erwerbsarbeit gänzlich erreicht werden. Marek: "Frauen müssen
für Eigenständigkeit und Alterssicherheit eigene Erwerbstätigkeit
haben." Nachholbedarf gebe es bei Frauen in Spitzenpositionen, so
Marek. Studien würden zeigen, dass Unternehmen erfolgreicher seien,
wenn Männer und Frauen gleichermaßen in Führungspositionen vertreten
seien, "das ist schlicht ökonomische Intelligenz."
"GewerkschafterInnen müssen sich tagtäglich mit gesellschaftlichen
Ungerechtigkeiten auseinandersetzen", sagte AK Präsident Herbert
Tumpel. "Für Frauen wurde durch den Einsatz der Gewerkschaften viel
Positives erreicht, Tatsache ist aber dass es immer noch gewaltige
Unterschiede in der wirtschaftlichen Stellung von Frauen und Männern
gibt." Tumpel kritisierte das Fehlen von "echter Wahlfreiheit für
Männer und Frauen, ob sie Teilzeit arbeiten wollen oder nicht." Neben
Teilzeitarbeit seien auch die Bildungsmöglichkeiten und die
Berufswahl Schuld an bestehenden Einkommensunterschieden. "Wir
brauchen Maßnahmen für eine gerechtere Gesellschaft für Frauen und
Männer, und brauchen daher den Mut, uns mit scheinbar unverrückbaren
gesellschaftlichen Gegebenheiten immer wieder auseinander zu setzen
und zum Programm und Thema zu machen."
Der ÖGB Frauenkongress wird mit einem Referat von Frauenministerin
Gabriele Heinisch-Hosek, der Wahl des neuen Frauenpräsidiums und dem
Beschluss des Grundsatzprogrammes fortgesetzt.
ÖGB, 3. Juni 2009 Nr. 341
Rückfragehinweis:
ÖGB Presse
Nani Kauer
0664 6145 915
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NGB






