Weltmilchtag am 1. Juni im Zeichen der bäuerlichen Existenzsicherung

Berlakovich: Stabilisierung des Milchpreises als Ziel

Wien (aiz.info) - "Die Situation der heimischen Milchbäuerinnen
und -bauern ist dramatisch. Es geht daher am diesjährigen Weltmilchtag, der am 01.06. begangen wird, nicht nur um ein schmackhaftes und wertvolles Lebensmittel, sondern um die bäuerliche Existenzsicherung", unterstrich heute Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich vor Journalisten. "Neben der Frische ist die Herkunft eines der Hauptkriterien beim Kauf von Milchprodukten", berichtete AMA Marketing- Geschäftsführer Stephan Mikinovic. Anlässlich des Weltmilchtages solle besonders auch die Bedeutung der Milchviehhaltung für die Landschaftspflege hervorgehoben werden. "Ein Liter Milch entspricht einem Quadratmeter gepflegter Landschaft", veranschaulichte Mikinovic die Zusammenhänge. "Wir Milchbäuerinnen wissen um den hohen Wert der Milch als Nahrungsmittel und bemühen uns ganz besonders um beste Qualität unserer Produkte. Wir haben aber eine große Sorge, dass die Existenz unserer Betriebe beim derzeitigen Erzeugerpreisniveau gefährdet wird", wies die Salzburger Landesbäuerin Elisabeth Hölzl auf die schwierige Lage der Milcherzeuger hin.

Der Druck auf die heimische und europäische Milchwirtschaft hat in den vergangenen Monaten aufgrund der schlechten Preislage, von Export- und Konsumrückgängen und des Umstiegs auf Ersatzprodukte in der Lebensmittelproduktion und Gastronomie zugenommen. "Auf nationaler Ebene haben wir bereits wichtige Schritte gesetzt, um den Milchbauern zu helfen", berichtete Berlakovich. Die Lage sei dramatisch und in manchen Fällen sogar existenzbedrohend. Daher habe er für heuer und für kommendes Jahr ein Milchkonjunkturpaket geschnürt. Die heuer vorgesehene Milchquoten-Erhöhung um 1% wolle er in dieser schwierigen Phase aussetzen. Dafür sei allerdings der Beschluss des Marktordnungsgesetzes notwendig, erläuterte der Minister und appellierte in diesem Zusammenhang an die Abgeordneten im Parlament, dieser Gesetzesnovelle zuzustimmen.

Verbesserungen auf EU-Ebene erreicht

Im EU-Agrarministerrat in Brüssel sei es am Montag gelungen, gemeinsam mit Frankreich und Deutschland eine starke und überzeugende Achse zu bilden und von der Kommission ein EU-Paket für die Milchwirtschaft zu erreichen, informierte Berlakovich. Es gehe dabei unter anderem um das Vorziehen eines Großteils der Prämienauszahlung auf Oktober 2009 sowie um die Vorbereitung zusätzlicher Maßnahmen zur Stützung des europäischen Milchmarktes (Verlängerung von Intervention und privater Lagerhaltung, Ausweitung der Exporterstattungen auf Käse, Erweiterung des Schulmilchprogramms). "Unsere Hartnäckigkeit hat sich gelohnt. Schon zuvor habe ich EU-Kommissarin Mariann Fischer Boel nach Österreich auf einen Salzburger Milchbetrieb eingeladen, um ihr die schwierigen Bedingungen der heimischen Milchbauern vor Augen zu führen", so Berlakovich.

Marktpartner tragen Verantwortung

"In der jetzigen Situation ist es wichtig, dass alle Marktpartner an einem Strang ziehen, und zwar vom Produzenten über den Verarbeiter und Handel bis zum Konsumenten", stellte der Minister fest. So könnte etwa bei den Molkereien die Effizienz im Bereich der Milchsammlung verbessert werden. Den Handel rief er zu partnerschaftlichem Verhalten auf. Von der Bewerbung heimischer beziehungsweise regionaler Milchprodukte könnten auch die Supermärkte profitieren, gab Berlakovich zu bedenken.

Gegen "Geiz ist geil"-Mentalität

"Vor allem die Konsumenten sind entscheidende Partner für die Bauern. Ihnen müssen wir am Weltmilchtag verstärkt bewusst machen, dass sie mit dem Griff zu einem heimischen Produkt über den Bestand der Landwirtschaft in Österreich mitentscheiden," so der Minister. Wer gute und frische Lebensmittel konsumieren wolle und eine intakte Natur für die Freizeitgestaltung schätze, der müsse lokale Produkte kaufen, damit die heimischen Bäuerinnen und Bauern ein gerechtes Einkommen erhalten. In diesem Zusammenhang verwies Berlakovich auf die sinkenden Inflationszahlen und ersuchte die Arbeiterkammer darum, die ständigen Behauptungen, Lebensmittel und speziell Milchprodukte wären zu teuer, einzustellen. (Anmerkung: Laut jüngster Eurostat-Vorschätzung wird für Mai in der Eurozone eine Inflationsrate von 0,0% erwartet.) "Die 'Geiz ist geil'-Mentalität ist hier völlig fehl am Platz, der AK sollte bewusst sein, dass dadurch auch viele Arbeitsplätze in der Milchwirtschaft gefährdet werden können", gab der Ressortchef zu bedenken.

Mikinovic: Österreich ist immer noch ein Frischeparadies

Die Menge der im heimischen Lebensmittelhandel verkauften Trinkmilch hat sich laut AMA in den vergangenen Jahren kaum verändert und lag 2008 bei rund 318.000 t. Was sich jedoch deutlich ändert, das sind die Mengenverhältnisse innerhalb dieses Segmentes. Die klassische Frischmilch hat stark verloren und hielt 2008 bei 53% Mengenanteil. Klarer Sieger ist die länger frische ESL-Milch (Extended Selflife), die in wenigen Jahren von Null auf rund 28% Marktanteil hinaufschnellte. Aber auch die Haltbarmilch konnte weiter zulegen und liegt jetzt bei rund 19% Anteil. "Im EU-Vergleich ist Österreich aber immer noch ein Frischeparadies, in anderen Ländern ist der Anteil von H-Milch weit höher", ergänzte Mikinovic.

Heimische Milchprodukte weiterhin im Exporthoch

Milchprodukte aus Österreich sind weiterhin in der Welt überaus gefragt. So konnte von 2007 auf 2008 wertmäßig ein weiteres Exportplus von mehr als 5% verzeichnet werden. "Der Exportmenge von insgesamt rund 1,08 Mio. t stehen EUR 938 Mio. an Wert gegenüber. Bei Käse gestaltet sich die Ausfuhr-Entwicklung weiterhin erfreulich und lag mit einem Plus von 6,6% sogar über dem Milchsegment-Durchschnitt. In den vergangenen Jahren war zu beobachten, dass der Kilo-Wert für österreichischen Käse höher liegt als für importierten, erläuterte der AMA Marketing-Geschäftsführer.

Milch muss frisch und heimisch sein

Das wichtigste Kaufkriterium bei Milch ist mit 73% Zustimmung die Frische, das zweitwichtigste mit 64% die heimische Herkunft. Nur die Hälfte der Konsumenten (54%) schaut nach eigenen Angaben auf den Preis. Dies ergab eine Umfrage von Fessel-GFK im November 2008. Milch ist gesund, das sagten 32% der Konsumenten, die im Dezember 2008 von Marketagent.com im Auftrag der AMA Marketing befragt wurden. Gesundheitliche Gründe sind für die meisten in Summe das Hauptargument für den Milchkonsum. Weitere Gründe sind: "weil Milch schmeckt" und "weil man Milch einfach im Haus hat". Rund zwei Drittel aller Konsumenten geben an, Milch täglich in irgendeiner Form zu verwenden. Hauptsächlich (30%) wird Milch als Kaffeebeigabe verwendet, 27% trinken sie in anderer Form und 20% brauchen sie zum Kochen und Backen.

Kunstkäse - Kritik an Täuschung der Konsumenten

Kritik wurde heute auch an der verstärkten Verwendung von "Kunstkäse" in Verarbeitungsprodukten geübt: Dieses Produkt ist kein Käse aus Milch, sondern nur ein Imitat, bestehend aus Palmöl, Stärke, Milch- oder Sojaeiweiß, Salz und Geschmacksverstärkern. Es ist rund 40% billiger als echter Käse, hitzebeständiger, besser standardisierbar und maschinengängig. Verwendung findet dieses künstliche Gemisch vorzugsweise in der Gastronomie und auf Fertiggerichten wie auf Pizza, Toasts und Baguettes, so Mikinovic.

"Die verarbeitende Lebensmittelindustrie, die in den vergangenen Jahren auf Ersatzprodukte, etwa in der Eis- und Süßwarenproduktion, umgestiegen ist, wird aufgerufen, wieder echte Milch und Milchprodukte zu verwenden", betonte Berlakovich. "Mir geht es vor allem auch darum, dass die Konsumenten nicht irregeführt werden. Sie müssen weiterhin Vertrauen in unsere heimischen Lebensmittel haben. Wo Käse draufsteht, muss Käse drinnen sein", betonte der Minister. Er forderte eine klare, eindeutige EU-weite Lebensmittelkennzeichnung bei der Verwendung von derartigen Imitaten.
(Schluss) kam

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