- 29.05.2009, 14:06:53
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Weltmilchtag am 1. Juni im Zeichen der bäuerlichen Existenzsicherung
Berlakovich: Stabilisierung des Milchpreises als Ziel
Wien (aiz.info) - "Die Situation der heimischen Milchbäuerinnen
und -bauern ist dramatisch. Es geht daher am diesjährigen
Weltmilchtag, der am 01.06. begangen wird, nicht nur um ein
schmackhaftes und wertvolles Lebensmittel, sondern um die bäuerliche
Existenzsicherung", unterstrich heute Landwirtschaftsminister Niki
Berlakovich vor Journalisten. "Neben der Frische ist die Herkunft
eines der Hauptkriterien beim Kauf von Milchprodukten", berichtete
AMA Marketing- Geschäftsführer Stephan Mikinovic. Anlässlich des
Weltmilchtages solle besonders auch die Bedeutung der
Milchviehhaltung für die Landschaftspflege hervorgehoben werden. "Ein
Liter Milch entspricht einem Quadratmeter gepflegter Landschaft",
veranschaulichte Mikinovic die Zusammenhänge. "Wir Milchbäuerinnen
wissen um den hohen Wert der Milch als Nahrungsmittel und bemühen uns
ganz besonders um beste Qualität unserer Produkte. Wir haben aber
eine große Sorge, dass die Existenz unserer Betriebe beim derzeitigen
Erzeugerpreisniveau gefährdet wird", wies die Salzburger
Landesbäuerin Elisabeth Hölzl auf die schwierige Lage der
Milcherzeuger hin.
Der Druck auf die heimische und europäische Milchwirtschaft hat in
den vergangenen Monaten aufgrund der schlechten Preislage, von
Export- und Konsumrückgängen und des Umstiegs auf Ersatzprodukte in
der Lebensmittelproduktion und Gastronomie zugenommen. "Auf
nationaler Ebene haben wir bereits wichtige Schritte gesetzt, um den
Milchbauern zu helfen", berichtete Berlakovich. Die Lage sei
dramatisch und in manchen Fällen sogar existenzbedrohend. Daher habe
er für heuer und für kommendes Jahr ein Milchkonjunkturpaket
geschnürt. Die heuer vorgesehene Milchquoten-Erhöhung um 1% wolle er
in dieser schwierigen Phase aussetzen. Dafür sei allerdings der
Beschluss des Marktordnungsgesetzes notwendig, erläuterte der
Minister und appellierte in diesem Zusammenhang an die Abgeordneten
im Parlament, dieser Gesetzesnovelle zuzustimmen.
Verbesserungen auf EU-Ebene erreicht
Im EU-Agrarministerrat in Brüssel sei es am Montag gelungen,
gemeinsam mit Frankreich und Deutschland eine starke und überzeugende
Achse zu bilden und von der Kommission ein EU-Paket für die
Milchwirtschaft zu erreichen, informierte Berlakovich. Es gehe dabei
unter anderem um das Vorziehen eines Großteils der Prämienauszahlung
auf Oktober 2009 sowie um die Vorbereitung zusätzlicher Maßnahmen zur
Stützung des europäischen Milchmarktes (Verlängerung von Intervention
und privater Lagerhaltung, Ausweitung der Exporterstattungen auf
Käse, Erweiterung des Schulmilchprogramms). "Unsere Hartnäckigkeit
hat sich gelohnt. Schon zuvor habe ich EU-Kommissarin Mariann Fischer
Boel nach Österreich auf einen Salzburger Milchbetrieb eingeladen, um
ihr die schwierigen Bedingungen der heimischen Milchbauern vor Augen
zu führen", so Berlakovich.
Marktpartner tragen Verantwortung
"In der jetzigen Situation ist es wichtig, dass alle Marktpartner
an einem Strang ziehen, und zwar vom Produzenten über den Verarbeiter
und Handel bis zum Konsumenten", stellte der Minister fest. So könnte
etwa bei den Molkereien die Effizienz im Bereich der Milchsammlung
verbessert werden. Den Handel rief er zu partnerschaftlichem
Verhalten auf. Von der Bewerbung heimischer beziehungsweise
regionaler Milchprodukte könnten auch die Supermärkte profitieren,
gab Berlakovich zu bedenken.
Gegen "Geiz ist geil"-Mentalität
"Vor allem die Konsumenten sind entscheidende Partner für die
Bauern. Ihnen müssen wir am Weltmilchtag verstärkt bewusst machen,
dass sie mit dem Griff zu einem heimischen Produkt über den Bestand
der Landwirtschaft in Österreich mitentscheiden," so der Minister.
Wer gute und frische Lebensmittel konsumieren wolle und eine intakte
Natur für die Freizeitgestaltung schätze, der müsse lokale Produkte
kaufen, damit die heimischen Bäuerinnen und Bauern ein gerechtes
Einkommen erhalten. In diesem Zusammenhang verwies Berlakovich auf
die sinkenden Inflationszahlen und ersuchte die Arbeiterkammer darum,
die ständigen Behauptungen, Lebensmittel und speziell Milchprodukte
wären zu teuer, einzustellen. (Anmerkung: Laut jüngster
Eurostat-Vorschätzung wird für Mai in der Eurozone eine
Inflationsrate von 0,0% erwartet.) "Die 'Geiz ist geil'-Mentalität
ist hier völlig fehl am Platz, der AK sollte bewusst sein, dass
dadurch auch viele Arbeitsplätze in der Milchwirtschaft gefährdet
werden können", gab der Ressortchef zu bedenken.
Mikinovic: Österreich ist immer noch ein Frischeparadies
Die Menge der im heimischen Lebensmittelhandel verkauften
Trinkmilch hat sich laut AMA in den vergangenen Jahren kaum verändert
und lag 2008 bei rund 318.000 t. Was sich jedoch deutlich ändert, das
sind die Mengenverhältnisse innerhalb dieses Segmentes. Die
klassische Frischmilch hat stark verloren und hielt 2008 bei 53%
Mengenanteil. Klarer Sieger ist die länger frische ESL-Milch
(Extended Selflife), die in wenigen Jahren von Null auf rund 28%
Marktanteil hinaufschnellte. Aber auch die Haltbarmilch konnte weiter
zulegen und liegt jetzt bei rund 19% Anteil. "Im EU-Vergleich ist
Österreich aber immer noch ein Frischeparadies, in anderen Ländern
ist der Anteil von H-Milch weit höher", ergänzte Mikinovic.
Heimische Milchprodukte weiterhin im Exporthoch
Milchprodukte aus Österreich sind weiterhin in der Welt überaus
gefragt. So konnte von 2007 auf 2008 wertmäßig ein weiteres
Exportplus von mehr als 5% verzeichnet werden. "Der Exportmenge von
insgesamt rund 1,08 Mio. t stehen EUR 938 Mio. an Wert gegenüber. Bei
Käse gestaltet sich die Ausfuhr-Entwicklung weiterhin erfreulich und
lag mit einem Plus von 6,6% sogar über dem Milchsegment-Durchschnitt.
In den vergangenen Jahren war zu beobachten, dass der Kilo-Wert für
österreichischen Käse höher liegt als für importierten, erläuterte
der AMA Marketing-Geschäftsführer.
Milch muss frisch und heimisch sein
Das wichtigste Kaufkriterium bei Milch ist mit 73% Zustimmung die
Frische, das zweitwichtigste mit 64% die heimische Herkunft. Nur die
Hälfte der Konsumenten (54%) schaut nach eigenen Angaben auf den
Preis. Dies ergab eine Umfrage von Fessel-GFK im November 2008. Milch
ist gesund, das sagten 32% der Konsumenten, die im Dezember 2008 von
Marketagent.com im Auftrag der AMA Marketing befragt wurden.
Gesundheitliche Gründe sind für die meisten in Summe das
Hauptargument für den Milchkonsum. Weitere Gründe sind: "weil Milch
schmeckt" und "weil man Milch einfach im Haus hat". Rund zwei Drittel
aller Konsumenten geben an, Milch täglich in irgendeiner Form zu
verwenden. Hauptsächlich (30%) wird Milch als Kaffeebeigabe
verwendet, 27% trinken sie in anderer Form und 20% brauchen sie zum
Kochen und Backen.
Kunstkäse - Kritik an Täuschung der Konsumenten
Kritik wurde heute auch an der verstärkten Verwendung von
"Kunstkäse" in Verarbeitungsprodukten geübt: Dieses Produkt ist kein
Käse aus Milch, sondern nur ein Imitat, bestehend aus Palmöl, Stärke,
Milch- oder Sojaeiweiß, Salz und Geschmacksverstärkern. Es ist rund
40% billiger als echter Käse, hitzebeständiger, besser
standardisierbar und maschinengängig. Verwendung findet dieses
künstliche Gemisch vorzugsweise in der Gastronomie und auf
Fertiggerichten wie auf Pizza, Toasts und Baguettes, so Mikinovic.
"Die verarbeitende Lebensmittelindustrie, die in den vergangenen
Jahren auf Ersatzprodukte, etwa in der Eis- und Süßwarenproduktion,
umgestiegen ist, wird aufgerufen, wieder echte Milch und
Milchprodukte zu verwenden", betonte Berlakovich. "Mir geht es vor
allem auch darum, dass die Konsumenten nicht irregeführt werden. Sie
müssen weiterhin Vertrauen in unsere heimischen Lebensmittel haben.
Wo Käse draufsteht, muss Käse drinnen sein", betonte der Minister. Er
forderte eine klare, eindeutige EU-weite Lebensmittelkennzeichnung
bei der Verwendung von derartigen Imitaten.
(Schluss) kam
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