• 07.05.2009, 12:49:26
  • /
  • OTS0197 OTW0197

Rübenbauern gegen weitere Aushöhlung der EU-Zuckermarktordnung

Karpfinger: Stärkeres Öffnen des Marktes gefährdet Selbstversorgung

Wien (aiz.info) - Kritik an der Reform der EU-Zuckermarktordnung
und ihren Auswirkungen übte der Obmann des Rübenbauernbundes für NÖ
und Wien, Ernst Karpfinger, bei der heutigen Generalversammlung. Die
Reform habe die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt,
gleichzeitig aber die Zuckerwirtschaft massiv unter Druck gesetzt, so
Karpfinger. Er sprach sich gegen ein weiteres Öffnen des europäischen
Zuckermarktes aus und wies in seinem Bereicht auch auf die Bedeutung
des Bioethanolwerkes Pischelsdorf für die Marktentlastung im
Getreidebereich hin. Zur Diskussion über die künftige EU-Agrarpolitik
betonte er, dass "das historische Modell der Ausgleichszahlungen aus
meiner Sicht weiterhin seine Berechtigung hat, weil ja auch die
negativen Auswirkungen der radikalen Preissenkung in der Zeit nach
2013 bestehen bleiben". Dieses Modell dürfe daher nicht kampflos
aufgegeben werden. Karpfinger wurde heute bei der Neuwahl des
Vorstandes mit überwältigender Mehrheit (194 von 195 abgegebenen
gültigen Stimmen) in seiner Funktion bestätigt.

"Als ich vor vier Jahren zum Obmann gewählt wurde, standen wir
mitten in der Diskussion um die Reform der EU-Zuckermarktordnung. Wir
kämpften auf nationaler und europäischer Ebene mit Verbündeten gegen
die Reformvorschläge. Letztlich fiel die Reform in der Preissenkung
schwächer und bei der Ausgleichszahlung höher aus, als in den
ursprünglichen Vorschlägen, aber sie brachte trotzdem schmerzliche
Einschnitte mit sich", zog Karpfinger Bilanz. "Für Österreich konnten
wir noch ein EUR 9 Mio.-Investitionspaket aushandeln, welches wir für
die Anpassung unserer Logistik durch die Schließung der Zuckerfabrik
Hohenau dringend benötigten. Die Ausgleichszahlung konnten wir
gerecht und bezogen auf die aktuelle Quote umsetzen, mit der
Einbeziehung der Zuckerrübe im ÖPUL werden nun auch unsere
Umweltleistungen entsprechend abgegolten", so der Obmann.

Trotz dieser radikalen Reform sei es der Kommission nicht
gelungen, die gewünschten 6 Mio. t Zuckerquote auf freiwilliger Basis
aus dem Markt zu bekommen. Daher mussten sich vergangenes Jahr alle
europäischen Länder an der "Reform der Reform" beteiligen und
entsprechend Zuckerquote gegen Ausgleichszahlungen aufgeben, rief
Karpfinger in Erinnerung. Durch die Reformschritte sei die
Attraktivität der Zuckerrübe stark geschmälert und die
Zuckerwirtschaft massiv unter Druck gesetzt worden.

Branchenvereinbarung gewinnt bei schwankenden Rohstoffmärkten an
Bedeutung

"Da der zu verteilende Kuchen kleiner geworden ist, gestalten sich
die Verhandlungen über die Branchenvereinbarung entsprechend
schwierig. Zusätzliche Bedeutung bekommt diese Vereinbarung durch die
stark schwankenden Rohstoffmärkte, die auf Schnitzelpreis und
Industriezucker direkte Auswirkung haben", erläuterte der Obmann. In
der Branchenvereinbarung 2008 habe man von der Aufwärtsbewegung
profitiert und eine sehr hohe Rübenschnitzelvergütung erreicht. In
diesem Umfeld sei es dem Rübenbauernbund auch gelungen, einen im
europäischen Vergleich hohen Industriezuckerpreis für drei Jahre zu
fixieren. "Heuer haben sich die Märkte wieder nach unten bewegt,
wodurch wir einen niedrigeren Schnitzelpreis als Mindestpreis
akzeptieren mussten. Durch das neu vereinbarte Nachzahlungsmodell
profitieren wir aber bei einer besseren Marktentwicklung", berichtete
Karpfinger.

Beteiligung am Werk Pischelsdorf war strategisch sinnvoll

"Auch im Bereich erneuerbare Energie haben wir mit unserem
Bioethanolwerk in Pischelsdorf die Berg- und Talfahrt der
Rohstoffpreise hautnah miterlebt. Im Jahr 2008 hat sich dieses Werk
als sehr notwendig erwiesen, weil große Mengen an Futtergetreide vom
Markt genommen werden konnten und dadurch eine Marktentlastung und
Preisstabilisierung für Getreide möglich war. Insgesamt war die
Entscheidung für die Beteiligung am Werk Pischelsdorf strategisch
sinnvoll, weil bei der Reduzierung der Treibhausgas-Emission am
Verkehr kein Weg vorbeiführt und daher die Erzeugung von Bioethanol
aus heimischen Rohstoffen eine wichtige Produktionssparte geworden
ist. Wir Rübenbauern haben uns dabei als wichtige Rohstofflieferanten
etabliert", unterstrich der Obmann.

Damit nicht auch im Quotenzuckerbereich derart unkalkulierbare
Marktschwankungen wie in den letzten Jahren auf den Rohstoffmärkten
eintreten, dürfe die Zuckermarktordnung nicht weiter ausgehöhlt
werden. "Wir kämpfen ständig gegen Bestrebungen von großen
Zuckerverbrauchern, die immer noch billigeren Zucker haben wollen und
deshalb ein weiteres Öffnen des Zuckermarktes durch Billigimporte
verlangen. Das sind oft jene, die die bisherigen Preissenkungen nicht
an die Endverbraucher weitergegeben haben. Immerhin haben wir als
Zuckerwirtschaft mit der Reform jährlich EUR 3 Mrd. auf den Tisch
legen müssen, von denen der Konsument praktisch nichts gesehen hat",
gab Karpfinger zu bedenken. Je mehr der EU-Zuckermarkt geöffnet
werde, umso mehr gebe man die Selbstversorgung auf, und die
Abhängigkeit von Produzenten aus Drittländern nehme weiter zu. Wohin
das führt, habe man bei der Gaskrise gesehen.

Produktionsabgabe soll gestrichen werden

"Zusätzlich zu den ständigen Marktöffnungstendenzen kämpfen wir
gegen die Einhebung der Zuckersteuer in Form der Produktionsabgabe,
die nicht mehr widmungsgemäß verwendet wird und uns jetzt die
Erzeugung unnötig verteuert. Diese Abgabe gehört gestrichen,
andernfalls muss der Klagsweg beschritten werden. Außerdem wurde in
den Restrukturierungsfonds zu viel Geld einbezahlt, das auch wieder
in die Branche zurückgeführt werden muss", forderte der Obmann. Die
Auswirkungen der Zuckermarktreform seien nur dann verkraftbar, wenn
sich die Kommission auch an die Vereinbarungen halte.
(Schluss) kam

Rückfragehinweis:
aiz.info - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst
Tel.: 01/533 18 43
Fax: 01/535 04 38
Web: aiz.info
mailto: [email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AIZ

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel