Unternehmensübergaben und -nachfolgen in Österreich

Wien (OTS) -

  • Rd. ein Fünftel der Unternehmen der Gewerblichen Wirtschaft steht in der nächsten Dekade vor der Herausforderung der Unternehmensübergabe
  • Überdurchschnittliche Betroffenheit im Handel und Tourismus
  • Drei Fünftel der potenziellen Übergaben sind langfristig erfolgreich am Markt tätig

Bedeutung von Unternehmensnachfolgen für die Wirtschaft

Eine Unternehmensnachfolge stellt - wie auch die Gründung - eine wichtige Phase im Unternehmenslebenszyklus dar, die den nachhaltigen Erfolg des Betriebes wesentlich beeinflusst.

In der Dekade 2009 - 2018 stehen rd. 57.500 Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU inkl. Ein-Personen-Unternehmen, EPU), d. s. rd. 18 % der KMU (inkl. EPU) der Gewerb-lichen Wirtschaft, vor der Herausforderung, die Unternehmensübertragung erfolgreich zu meistern. Eine überdurchschnittliche Betroffenheit zeigt sich insbesondere in den Sparten Handel sowie Tourismus und Freizeitwirtschaft bzw. in den Bundesländern Tirol, Salzburg, Kärnten und Vorarlberg.

Sofern die Herausforderung der Unternehmensnachfolge in der nächsten Dekade ge-meistert wird, können dadurch die Arbeitsplätze von mindestens 259.000 selbstständig und unselbstständig Beschäftigten gesichert werden; d. s. 17 % der Arbeitsplätze der KMU innerhalb der Gewerblichen Wirtschaft. Im Durchschnitt ist von 502.000 be-troffenen Beschäftigten auszugehen. Dies entspricht fast einem Drittel der Arbeitsplätze.

Realisierte Unternehmensübergaben

Im Jahr 2007 wurden mehr als 6.500 Unternehmen übergeben, womit sich die steigen-de Dynamik der Vorjahre weiter fortsetzte. Im Durchschnitt beschäftigt jedes über-nommene Unternehmen rd. 5 Beschäftigte (inkl. UnternehmerIn), womit der Beschäf-tigungseffekt deutlich über den Neugründungen liegt.

Die NachfolgerInnen des Jahres 2006 sind im Durchschnitt 37,4 Jahre alt und verfügen über eine fundierte fachliche Ausbildung sowie Brachen- bzw. Berufserfahrung. Wesent-liche Motive für den Antritt der Nachfolge sind der Wunsch nach Selbstverwirklichung und das Erreichen einer flexiblen Zeiteinteilung. In Familienbetrieben spielt außerdem die Sicherung des Fortbestands des Unternehmens und der Arbeitsplätze sowie die Fortführung der Familientradition eine große Rolle.

In der letzten Dekade (Zeitraum ca. 1996 - 2006) ist eine sinkende Häufigkeit von Übergaben an Familienmitglieder sowie ein rückläufiger Trend der altersbedingten Übergaben zu beobachten.

Entwicklung der übergebenen Unternehmen

27 % der NachfolgerInnen konnten seit Antritt der Nachfolge ihre Umsätze steigern und haben gleichzeitig den Beschäftigungsstand erhöht. Dem gegenüber stehen 5 % der Unternehmen, die Umsatzeinbußen verzeichnen und MitarbeiterInnen frei gesetzt haben. Kritisch ist die Entwicklung jener 12 % der Betriebe zu sehen, die seit der Über¬gabe einen Umsatzrückgang realisiert haben, jedoch den Beschäftigtenstand konstant hielten oder erhöhten. Diese Unternehmen werden in naher Zukunft mit einem betriebs-wirtschaftlichen Problem konfrontiert sein, da die Personalkosten mit den rückläufigen Umsätzen nicht korrespondieren.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass rd. 62 % der potenziellen Übergabefälle als lang-fristig erfolgreich angesehen werden können; bezogen auf die realisierten Übergaben liegt dieser Anteil bei über 75 %!

Gründe für das Scheitern von Unternehmensübertragungen sind Spannungen im Ver-hältnis zwischen ÜbergeberIn und NachfolgerIn, die Nichteinbeziehung des/der Nach-folgerIn in die Nachfolgeplanung sowie die mangelnde Einbeziehung externer Unter-stützung zu nennen.

"Diese aktuellen Analysen belegen die Bedeutung der Nachfolgeplanung bei der Meis-terung der Unternehmensnachfolge", so Mag. Peter Voithofer, stellvertretender Direktor der KMU FORSCHUNG AUSTRIA. "Unternehmensnachfolgen können eine attraktive Alternative zur Unternehmensneugründung sein - die Unternehmens-nachfolger ver-stehen sich ja auch als GestalterInnen der Unternehmen (im Sinne der aktiven Unter-nehmensführung) und nicht als BewahrerInnen von mitunter überkommenen Strukturen".

Für Rückfragen steht Ihnen Herr Mag. Peter Voithofer zur Verfügung.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Peter Voithofer
KMU FORSCHUNG AUSTRIA
Gußhausstr. 8, 1040 Wien
p.voithofer@kmuforschung.ac.at
Tel:+43 1 5059761

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KMU0001