Neues Volksblatt: "Revolution" (von Werner Rohrhofer)

Ausgabe vom 19. März 2009

Linz (OTS) - Heute wage ich ein Gedankenexperiment. Es gibt in der Diözese Linz nach derzeitigem Stand 280 aktive Weltpriester, die in Pfarren oder kirchlichen Einrichtungen tätig sind. Einer von ihnen ist der Pfarrer von Ungenach, Josef Friedl, der dieser Tage öffentlich eingestand, dass er eine Lebenspartnerin hat. Möglicher Weise wird er deswegen gemäß dem Kirchenrecht als Pfarrer abgesetzt. Nun gibt es unterschiedlichste Vermutungen, wie groß der Anteil der Priester ist, die ebenfalls mehr oder minder offen in einer Partnerschaft leben. Ein Viertel? Ein Drittel? Die Hälfte? Nehmen wir einmal an, ein Drittel, also rund 90 Priester in der Diözese Linz. Und jetzt das Gedankenexperiment: Was wäre, wenn alle diese 90 dem Bischof offen erklären würden, dass Sie nicht zölibatär leben? Und was wäre, wenn sich die "Priester mit Frau" auch aus anderen Diözesen diesem Schritt des öffentlichen Bekenntnisses anschließen würden? Und in der Folge Priester auch aus anderen Ländern? Würden Sie alle ihres Amtes enthoben? Könnte sich die Kirche diesen personellen Aderlass leisten? Oder würde so etwas entstehen wie eine "sanfte Revolution" in der Zölibatsfrage? Mit der Konsequenz, dass Rom bereit wäre, diese Frage einmal ernsthaft anzugehen und nach Lösungen zu suchen?

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