• 12.03.2009, 11:05:27
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Baum der Hoffnung: WWF unterstützt Aubesetzer an der Mur

Breiter Widerstand gegen die Zerstörung der Murauen bei Graz

Wien (OTS) - Graz/Wien, Donnerstag, 12. März 2009 - Der WWF
Österreich unterstützt den Kampf gegen die Zerstörung der Murauen und
bekräftigt seine Solidarität mit den Besetzern der Au in Gössendorf
und Kalsdorf. Gemeinsam mit der Plattform zum Schutz der Murauen und
dem Naturschutzbund Steiermark pflanzten der WWF und die Verteidiger
der Au heute mit mehr als 20 Aktivisten, darunter mehrere Aktivisten
des WWF aus Wien, einen Baum der Hoffnung in den Murauen, genau dort,
wo die Kettensägen die einzigartige Naturlandschaft zerstören. "Die
Kraftwerke würden die ökologisch besonders wertvollen Murauen
vernichten. Wir werden uns mit allen uns zur Verfügung stehenden
Mitteln gegen die Zerstörung dieses einmaligen Gebietes zur Wehr
setzen", kündigte heute der WWF-Experte Arno Mohl breiten Widerstand
an. Der WWF ruft Landeshauptmann Franz Voves auf, die Zerstörung
eines der wertvollsten Schutzgebiete der Steiermark in seinem
Bundesland sofort zu stoppen.

In den Murauen, südlich von Graz bei Gössendorf und Kalsdorf, plant
die STEWEAG-STEG GmbH den Bau von zwei Wasserkraftwerken mit einer
durchschnittlichen Gesamtleistung von rund 20 Megawatt. Die
Kraftwerke sollen mitten in einem 1.480 Hektar großen
Landschaftsschutzgebiet mit höchster ökologischer Bedeutung errichtet
werden. Dazu muss die Mur auf einer Länge von rund acht Kilometern
aufgestaut und mehr als 80 Hektar Auwald sollen dafür gerodet werden.
Der WWF bestätigt, dass die geplanten Kraftwerke im Widerspruch zur
EU-Wasserrahmenrichtlinie stehen, die jede Verschlechterung des
ökologischen Zustandes verbietet.

Die Murauen mit einer Gesamtfläche von 1.480 Hektar sind
Landschaftsschutzgebiet und ein so genanntes biogenetisches Reservat,
das ist eine Auszeichnung, die vom Europarat vergeben wird. Die
Regionen an der Mur zählen zu den größten und wertvollsten
Auenlandschaften in Österreich. Die ausgedehnten Auwälder beherbergen
bedrohte Vogelarten wie Schwarz-, Grau- und Mittelspecht sowie
Wespenbussard und Schmetterlingsarten wie den Schwarzen Apollo. Der
Fluss und seine Augewässer sind zudem Überlebensraum für Fischotter,
Eisvogel und den Huchen.

Die Stromproduktion der beiden Kraftwerke würde lediglich 0,26
Prozent des Gesamtstromverbrauchs Österreichs abdecken. Diese
minimale Stromausbeute steht in keinem Verhältnis zum ökologischen
Verlust einer der bedeutendsten Aulandschaften Österreichs. "Neue
Wasserkraftprojekte können nicht die Lösung sein, wenn es darum geht,
den jährlich steigenden Strombedarf von zwei bis drei Prozent in
Österreich abzudecken", warnt Mohl. Mit dem Ausbau des verbliebenen
Potentials könnte man in Österreich lediglich den zusätzlichen Bedarf
an Strom der nächsten vier Jahre abdecken. "Einsparungen und
Effizienzsteigerung bestehender Wasserkraftanlagen in der Steiermark
machen die Zerstörung der steirischen Natur völlig unnötig",
bestätigt Mohl. "Zudem hat die Steiermark genügend Kapazitäten bei
Biomasse, Windkraft, Sonne und Erdwärme", so der WWF.

Nur noch ein Bruchteil der steirischen Flüsse ist unversehrt. Schon
jetzt hat die Steiermark nach Tirol die höchste Dichte an
Wasserkraftwerken in Österreich. Der WWF warnt, dass derzeit mehr als
40 Projekte geplant sind. Viele Kraftwerke sollen in wichtigen
Schutzgebieten, wie an der Schwarzen Sulm, an der Oberen Mur bei
Judenburg, bei St. Michael und im Naturpark Sölktäler errichtet
werden.

Der WWF, die Plattform zum Schutz der Murauen und der Naturschutzbund
Steiermark appellieren an Landeshauptmann Franz Voves, sich für den
Schutz der wertvollen Murauen einzusetzen und den sofortigen Stopp
der Zerstörung eine der letzten Naturlandschaften Österreichs zu
veranlassen. Außerdem appelliert der WWF an Umweltminister Nikolaus
Berlakovich und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner,
unverzüglich einen Runden Tisch auf breiter Basis einzuberufen, um
zukünftige Konflikte an gefährdeten Flüssen in Österreich zu
verhindern.

Rückfragehinweis:
Fotos der Aktion sind erhältlich!

MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 0676-83488231.
DI Arno Mohl, Naturschutzexperte WWF, Tel. 0676-83488300.
Martin Fuchs, Sprecher der Plattform zum Schutz der Murauen, Tel. 0650-7203837.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WWF

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