• 13.02.2009, 18:05:03
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DER STANDARD-Kommentar "Überraschungsmomente" von Markus Rohrhofer

Wien (OTS) - Die katholische Kirche ist stets für Überraschungen
gut. Das hat sie in den vergangenen Wochen wieder eindrucksvoll unter
Beweis gestellt. Zuerst zaubert man Gerhard Maria Wagner aus dem
Hut. Und mit ihm seine ganz persönliche Meinung zu Naturkatastrophen
und Homosexualität. Bischof Elmar Fischer konnte da noch nachlegen:
Homosexualität sei eine "psychische Krankheit wie Alkoholismus".
Damit hat man nur die Angesprochenen vor den Kopf gestoßen.

Überraschend war auch der jüngste Schritt, überraschend positiv: Der
Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn hat mit der raschen
Einberufung einer Sondersitzung der Bischofskonferenz reagiert. Und
damit ein deutliches Signal gesetzt: einerseits in Richtung der
vielen Kritiker, die der Kirche angesichts der aktuellen Krise ein
Aussitzen selbiger unterstellten. Andererseits in Richtung der
zahlreichen Katholiken, die derzeit in ernster Sorge um ihre Kirche
sind. Probleme zu erkennen und diejenigen, die darunter leiden, ernst
zu nehmen, ist ein erster Schritt in Richtung Deeskalation.

Und es nährt die Hoffnung auf einen generellen Umdenkprozess; nicht
zuerst die Schäfchen mahnen, nicht von kritischen Dechanten Gehorsam
und Loyalität einfordern, sondern sich an die eigene Bischofsmütze
fassen und zu fragen: Was können wir als zuständige Ortsbischöfe tun?
Viele Katholiken würden sich über überraschend deutliche Worte von
Schönborn und seinen Kollegen freuen. Und dann müssten den schönen
Worten noch konkrete Taten folgen.

Rückfragehinweis:
Der Standard
Tel.: (01) 531 70/445

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