- 30.01.2009, 09:00:00
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Mittelfristiges Wachstum durch Auswirkungen der Finanzkrise gedrückt
Prognose der österreichischen Wirtschaft bis 2013
Wien (WIFO) - Das Bruttoinlandsprodukt wird in Österreich von 2009
bis 2013 real um durchschnittlich 1,3% pro Jahr zunehmen. Infolge der
Auswirkungen der Finanzkrise fällt das Wachstum damit nur etwa halb
so hoch aus wie in den letzten fünf Jahren. Der Vorsprung gegenüber
dem Durchschnitt des Euro-Raums bleibt erhalten; er wird aber
kleiner, insbesondere weil die Exportchancen in Ostmitteleuropa
geringer werden. Die Steuerreform und die Konjunkturpakete werden dem
privaten Konsum und den Bauinvestitionen in den kommenden Jahren
Impulse geben, die den ungünstigen internationalen Rahmenbedingungen
entgegenwirken.
Die österreichische Wirtschaft wird von 2009 bis 2013 mit +1,3%
pro Jahr nur halb so rasch expandieren wie in den Jahren 2004 bis
2008 (+2,7% p. a.)1). Die Entwicklung über den Prognosezeitraum ist
diesmal sehr heterogen: In den Jahren 2009 und 2010 gerät die
österreichische Wirtschaft voll unter den Einfluss der
internationalen Finanzkrise und in eine Rezession. Ab 2010 ist mit
einer Erholung zu rechnen, sofern sich das Vertrauen in die
Finanzmärkte bis dahin wieder festigt. Selbst in den besten Jahren
des Prognosezeitraums (2011 bis 2013) wird das BIP-Wachstum nicht den
Durchschnitt der letzten fünf Jahre erreichen, da die Weltwirtschaft
die Folgen der Immobilien- und Finanzkrise nur allmählich überwinden
wird und der Haupthandelspartner Deutschland stark unter dem Einbruch
der Investitionsgüter- und Autoindustrie leiden wird. Überdies wird
wegen der steigenden Unsicherheit die Neuverschuldung der privaten
Haushalte für Wohnbau und Konsum erschwert und die Versorgung der
Unternehmen mit Risikokapital als Folge der Finanzkrise eingeschränkt
werden.
Auch nach der Rückkehr von der Rezession zu einer "Normalphase"
wird der Trend des Potentialwachstums nicht mehr so hoch sein wie in
der Vergangenheit, denn die Vorsicht von privaten Haushalten,
Unternehmer und Banken wird die Entwicklung mittelfristig drücken. In
der zu erwartenden Erholungsphase 2011 bis 2013 wird die
österreichische Wirtschaft um etwa 2% p. a. expandieren.
Der Wachstumsvorsprung Österreichs gegenüber dem Euro-Raum wird
geringer, weil vor allem die Exporte nach Ostmitteleuropa deutlich an
Dynamik verlieren werden. Der Tourismus wird überproportional auf die
internationale Wachstumsschwäche reagieren.
Die österreichische Bundesregierung wirkt den Auswirkungen der
internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise entschieden entgegen:
Die Steuerreform im Ausmaß von 2,2 Mrd. Euro wird in das Jahr 2009
vorgezogen, das zweite Konjunkturpaket soll zusätzliche Investitionen
von 1,9 Mrd. Euro bringen, und die zusätzlichen Ausgaben für Familien
werden die Kaufkraft um 500 Mio. Euro steigern. Gemeinsam mit dem
ersten Konjunkturpaket ("Mittelstandsmilliarde") und den noch
nachwirkenden Maßnahmen zum Teuerungsausgleich aus dem Jahr 2008
werden Impulse von fast 6 Mrd. Euro (etwa 2% des BIP) gesetzt. Mit
diesen Strategien zur Rezessionsbekämpfung liegt Österreich über dem
Durchschnitt des Euro-Raums.
Übersicht 1: Hauptergebnisse der mittelfristigen Prognose für
Österreich - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)
Dank der Steuerreform wird sich das Wachstum des privaten Konsums
2009/2013 mit etwa +1 1/2% p. a. gegenüber der vorangegangenen
Fünfjahresperiode nur wenig abschwächen. Dabei wird unterstellt, dass
die Sparquote der privaten Haushalte im Jahr der Steuerreform
deutlich steigt und danach kontinuierlich zurückgeht. Die
Investitionstätigkeit wird in den Jahren 2009 und 2010 aufgrund der
sinkenden Kapazitätsauslastung und der ungünstigen Erwartungen
einbrechen, sich aber danach durch die Erholung der Exportnachfrage
allmählich verbessern. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren wird
der reale Außenbeitrag im Prognosezeitraum dem Wirtschaftswachstum
aber keine Impulse geben. Die Exporte dürften - ähnlich wie die
Importe - um nur 3 1/4% pro Jahr wachsen. Der Exportprognose liegt
die Einschätzung zugrunde, dass die Weltwirtschaft die
realwirtschaftlichen Folgen der Finanzkrise relativ rasch überwindet
und sich die Wachstumsrate des mittelfristigen Trendoutputs am Ende
des Prognosehorizonts wieder ihrem langjährigen Durchschnitt nähert.
Bereits im Jahr 2010 sollte eine Erholung der Weltwirtschaft
einsetzen, die durch weltweit koordinierte Konjunkturprogramme und
niedrige Zinssätze unterstützt wird. Eine ungünstigere mittelfristige
Entwicklung ist jedoch nicht auszuschließen, wenn etwa das Vertrauen
der Banken in andere Banken und in die Kreditwürdigkeit potentieller
Darlehensnehmer längere Zeit erschüttert bleibt oder
Auto-Großkonzerne insolvent werden.
Abbildung 1: Konsumausgaben und Sparquote der privaten Haushalte -
auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)
Für den Arbeitsmarkt und die öffentlichen Haushalte wird die
Wachstumsschwäche der kommenden Jahre negative Folgen haben, die
Inflationsrisken werden dagegen sinken. Die Arbeitslosigkeit wird
wieder zu einem zentralen wirtschafts- und arbeitmarktpolitischen
Problem werden. Im Durchschnitt der Jahre 2009 bis 2013 dürfte die
Arbeitslosenquote (laut AMS-Definition) 6,9% erreichen, in einigen
Jahren auch über die 7%-Marke steigen. Neben der persönlichen
Belastung der Betroffenen erhöht Arbeitslosigkeit überdies die
allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit. Dies kann Vorsichts- bzw.
Angstsparen der privaten Haushalte mit weiteren negativen
Rückwirkungen auf die Wirtschaft auslösen. Kurzarbeit und Schulungen
dürften verstärkt eingesetzt werden, um die Zunahme der
Arbeitslosigkeit zu bremsen. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen
könnte unter dieser Annahme zwischen 2008 und 2013 mit +42.000 etwas
langsamer steigen als in der letzten Rezession 2001. Im Falle einer
ungünstigeren Entwicklung der Wirtschaft würde die Arbeitslosigkeit
jedoch wesentlich stärker wachsen. Die Beschäftigung wird in den
Jahren 2009 bis 2013 nur wenig wachsen (+0,5% pro Jahr), die
Vollzeitbeschäftigung dürfte erst gegen Ende der Prognoseperiode
zunehmen. Der freie Zustrom von Fachkräften aus den neuen EU-Ländern
ab dem Jahr 2009 und das Ende der Übergangsfristen im Jahr 2011
werden die Pendler- und Zuwanderungsströme erhöhen. In erster Linie
hängt das Ausmaß dieser Wanderungsbewegungen aber von der Nachfrage
nach Arbeitskräften in Österreich ab.
Die rezessionsbedingt schwachen Staatseinnahmen und die
Steuerreform werden das Defizit der öffentlichen Haushalte 2010 und
2011 auf mehr als 3% des BIP steigen lassen. Bis zum Jahr 2013 dürfte
es aber wieder auf die 2%-Marke zurückgehen, falls Maßnahmen zur
Budgetkonsolidierung ergriffen werden.
2009 bewirkt die weltweite Rezession einen Preisverfall auf den
internationalen Rohstoffmärkten, da der Rückgang der Nachfrage nach
Rohöl dessen Preis stark dämpft. In den folgenden Jahren werden sich
die Rohöl- und Rohstoffpreise langsam erholen. Die Prognose
unterstellt, dass der Rohölpreis von 98 $ (2008) auf 55 $ je Barrel
(2009) sinkt und danach bis 2013 wieder auf 73 $ steigt. Im Zeitraum
2009 bis 2013 dürfte sich die Inflationsrate in Österreich, deren
Schwankungen von den internationalen Rohöl- und Rohwarenpreisen
mitbestimmt werden, auf durchschnittlich 1,6% verringern.
1) Die Wachstumsprognose für die Jahre 2009 und 2010 entspricht
der WIFO-Prognose vom Dezember 2008, die bereits die dämpfenden
Effekte der Finanzkrise berücksichtigt. Für die folgenden Jahre
wurden mittelfristige Trends geschätzt.
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
1/2009
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=34863&typeid=8&
display_mode=2)!
Rückfragehinweis:
Mag. Josef Baumgartner, Dr. Serguei Kaniovski, Dr. Ewald Walterskirchen
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-230, 231 bzw. 257 * Fax. +43 1 798 93 86
mailto:[email protected], [email protected], [email protected]
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