"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Grüne Angst vor dem Wähler" (Von MICHAEL SPRENGER)

Ausgabe vom 30. Jänner 2009

Innsbruck (OTS) - Johannes Voggenhuber will für den letzten Listenplatz zur EU-Wahl kandidieren. Ein grünes Dilemma.
Sind die Grünen noch zu retten?
Sie waren es doch, die sich immerzu für die direkte Demokratie und für den Ausbau des Persönlichkeitswahlrechts starkgemacht haben. Doch in den eigenen Reihen haben sie damit ein Problem. Die Grünen laufen Gefahr, im Fall Johannes Voggenhuber ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren.
Voggenhuber ist zugegeben ein unbequemer Politiker, er bringt seine Kritik, auch jene gegen die eigene Partei, nicht stumm zum Ausdruck. Der Europaabgeordnete ist aber auch einer der profiliertesten Politiker in Österreich. Ein Glücksfall für eine Partei, möchte man meinen. Nicht so für die Führungsspitze der Grünen. Sie war so erleichtert, als er die Kampfabstimmung um den ersten Listenplatz zur EU-Wahl verlor. Voggenhuber reagierte trotzig - und wollte nicht für einen anderen Listenplatz kandidieren.
Grünen-Chefin Glawischnig war zufrieden - und vordergründig gönnerhaft. Schließlich will man auf Voggenhuber nicht verzichten. Sie bat ihn, die Grünen weiter zu unterstützen. Die Bitte blieb nicht ungehört. Er will seine Solidarität mit einer Kandidatur auf den letzten Listenplatz dokumentieren. Kaum gesagt, herrschte Feuer am Dach. Voggenhuber könnte (auch ohne dezidierten Vorzugsstimmenwahlkampf) dank vieler Wählerstimmen die Listenreihung der Funktionäre auf den Kopf stellen.
Sollten sich die Grünen heute im Bundesvorstand tatsächlich gegen Voggenhuber aussprechen, dokumentieren sie vor allem ihre Angst vor den Wählern. Und sie riskieren bei der Europawahl eine herbe Niederlage.

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