Nachhaltige Dämpfung der Weltwirtschaftsdynamik als Folge der Finanzkrise

Wien (WIFO) - Angesichts der Ausbreitung der Weltwirtschaftskrise ist eine Prognose der mittelfristigen Entwicklung besonders unsicher. In dieser Ausgangslage kann jede Prognose über mehrere Jahre lediglich als Skizzierung eines Szenarios begriffen werden, das nach gegenwärtigem Informationsstand und unter bestimmten Annahmen plausibel erscheint. Unter diesen Annahmen sollte sich die Weltwirtschaft ab 2010 langsam erholen. Über den gesamten Prognosezeitraum wird die Wirtschaft in den Industrieländern um nur 1,5% pro Jahr expandieren. Dies wäre das schwächste mittelfristige Wirtschaftswachstum seit dem Zweiten Weltkrieg.

Die vorliegende Einschätzung beruht auf folgenden Annahmen (Übersicht 1):

- Die Sparquote der privaten Haushalte steigt in den USA infolge der Entwertung ihres Finanz- und Immobilienvermögens von 2% (2008) auf 6% (2013).

- Die Leitzinssätze von Euro und Dollar werden mit annähernd 1% außerordentlich niedrig gehalten (die EZB wird angesichts des Wirtschaftseinbruchs den Euro-Leitzinssatz bis Ende 2009 auf 1,5% senken).

- Der Wechselkurs des Euro wird gegenüber dem Dollar weiter nachgeben und bis 2013 auf 1,18 $ sinken.

- Die Erdölpreise erholen sich bereits 2009 infolge anhaltender Förderkürzungen und steigen bis 2013 auf 73 $ je Barrel.

- Der Verfall von Aktienkursen und Immobilienpreisen kommt im Laufe des Jahres 2009 zum Stillstand.

Unter diesen Bedingungen dürfte der Welthandel zwischen 2008 und 2013 um durchschnittlich 5,4% pro Jahr expandieren, langsamer als in jeder Fünfjahresperiode seit Mitte der 1980er-Jahre (Übersicht 1). Die Weltproduktion wird sich erst ab 2010 merklich erholen, sie wird daher zwischen 2008 und 2013 um nur 3,2% pro Jahr zunehmen (2002/2008: +4,3%).

Für die von der Finanzkrise stärker betroffenen Industrieländer wird ein mittelfristiges Wirtschaftswachstum von lediglich 1,5% pro Jahr prognostiziert. Dies wäre die niedrigste Wachstumsrate einer Fünfjahresperiode seit dem Zweiten Weltkrieg. Besonders schwach wird das BIP in den großen Industrieländern expandieren (USA +0,8% pro Jahr, Japan und Deutschland jeweils +1,0% pro Jahr, Frankreich und Großbritannien jeweils +1,1% pro Jahr, Italien +0,4% pro Jahr.

Übersicht 1: Entwicklung der Weltwirtschaft - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)

Während das mittelfristige Wachstum in den Ländern des Euro-Raums bzw. der EU 15 lediglich 1,1% pro Jahr erreichen dürfte, wird die Dynamik in den neuen EU-Ländern mit +3,4% pro Jahr weiterhin höher ausfallen (allerdings nur unter der zunehmend unsicheren Annahme, dass sich die Kreditkrise in Osteuropa nicht massiv verschärft). Auch in den Schwellenländern, insbesondere in China und Indien, wird sich das mittelfristige Wachstum abschwächen, allerdings in geringerem Maß als in den Industrieländern (Übersicht 1).

Die globalen Leistungsbilanzungleichgewichte sollten sich bis 2013 verringern: Infolge der besonders starken Wachstumsdämpfung in den USA werden deren Importe um fast 2 Prozentpunkte pro Jahr langsamer expandieren als ihre Exporte, ihr Leistungsbilanzdefizit wird daher bis 2013 um etwa ein Drittel schrumpfen. Gleichzeitig dürften der Überschuss von Deutschland und Japan zurückgehen. Wegen des niedrigeren Erdölpreises wird sich der Leistungsbilanzüberschuss der OPEC-Länder zwischen 2008 und 2013 annähernd halbieren (Übersicht 1).

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht 1/2009
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=34862&typeid=8&
display_mode=2)!

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