- 29.01.2009, 08:55:00
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Nachhaltige Dämpfung der Weltwirtschaftsdynamik als Folge der Finanzkrise
Wien (WIFO) - Angesichts der Ausbreitung der Weltwirtschaftskrise
ist eine Prognose der mittelfristigen Entwicklung besonders unsicher.
In dieser Ausgangslage kann jede Prognose über mehrere Jahre
lediglich als Skizzierung eines Szenarios begriffen werden, das nach
gegenwärtigem Informationsstand und unter bestimmten Annahmen
plausibel erscheint. Unter diesen Annahmen sollte sich die
Weltwirtschaft ab 2010 langsam erholen. Über den gesamten
Prognosezeitraum wird die Wirtschaft in den Industrieländern um nur
1,5% pro Jahr expandieren. Dies wäre das schwächste mittelfristige
Wirtschaftswachstum seit dem Zweiten Weltkrieg.
Die vorliegende Einschätzung beruht auf folgenden Annahmen
(Übersicht 1):
- Die Sparquote der privaten Haushalte steigt in den USA infolge der
Entwertung ihres Finanz- und Immobilienvermögens von 2% (2008) auf 6%
(2013).
- Die Leitzinssätze von Euro und Dollar werden mit annähernd 1%
außerordentlich niedrig gehalten (die EZB wird angesichts des
Wirtschaftseinbruchs den Euro-Leitzinssatz bis Ende 2009 auf 1,5%
senken).
- Der Wechselkurs des Euro wird gegenüber dem Dollar weiter
nachgeben und bis 2013 auf 1,18 $ sinken.
- Die Erdölpreise erholen sich bereits 2009 infolge anhaltender
Förderkürzungen und steigen bis 2013 auf 73 $ je Barrel.
- Der Verfall von Aktienkursen und Immobilienpreisen kommt im Laufe
des Jahres 2009 zum Stillstand.
Unter diesen Bedingungen dürfte der Welthandel zwischen 2008 und
2013 um durchschnittlich 5,4% pro Jahr expandieren, langsamer als in
jeder Fünfjahresperiode seit Mitte der 1980er-Jahre (Übersicht 1).
Die Weltproduktion wird sich erst ab 2010 merklich erholen, sie wird
daher zwischen 2008 und 2013 um nur 3,2% pro Jahr zunehmen
(2002/2008: +4,3%).
Für die von der Finanzkrise stärker betroffenen Industrieländer
wird ein mittelfristiges Wirtschaftswachstum von lediglich 1,5% pro
Jahr prognostiziert. Dies wäre die niedrigste Wachstumsrate einer
Fünfjahresperiode seit dem Zweiten Weltkrieg. Besonders schwach wird
das BIP in den großen Industrieländern expandieren (USA +0,8% pro
Jahr, Japan und Deutschland jeweils +1,0% pro Jahr, Frankreich und
Großbritannien jeweils +1,1% pro Jahr, Italien +0,4% pro Jahr.
Übersicht 1: Entwicklung der Weltwirtschaft - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)
Während das mittelfristige Wachstum in den Ländern des Euro-Raums
bzw. der EU 15 lediglich 1,1% pro Jahr erreichen dürfte, wird die
Dynamik in den neuen EU-Ländern mit +3,4% pro Jahr weiterhin höher
ausfallen (allerdings nur unter der zunehmend unsicheren Annahme,
dass sich die Kreditkrise in Osteuropa nicht massiv verschärft). Auch
in den Schwellenländern, insbesondere in China und Indien, wird sich
das mittelfristige Wachstum abschwächen, allerdings in geringerem Maß
als in den Industrieländern (Übersicht 1).
Die globalen Leistungsbilanzungleichgewichte sollten sich bis 2013
verringern: Infolge der besonders starken Wachstumsdämpfung in den
USA werden deren Importe um fast 2 Prozentpunkte pro Jahr langsamer
expandieren als ihre Exporte, ihr Leistungsbilanzdefizit wird daher
bis 2013 um etwa ein Drittel schrumpfen. Gleichzeitig dürften der
Überschuss von Deutschland und Japan zurückgehen. Wegen des
niedrigeren Erdölpreises wird sich der Leistungsbilanzüberschuss der
OPEC-Länder zwischen 2008 und 2013 annähernd halbieren (Übersicht 1).
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
1/2009
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=34862&typeid=8&
display_mode=2)!
Rückfragehinweis:
Dr. Stephan Schulmeister
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-242 * Fax. +43 1 798 93 86
mailto:[email protected]
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