Sand im Getriebe des Dialogs

Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit und Israelitische Kultusgemeinde sind besorgt über die Aufhebung der Exkommunikation der Lefebvre-Bischöfe

Wien (OTS) - "Die Beendigung der Exkommunikation der Bischöfe der Priesterbruderschaft Pius X. durch Papst Benedikt XVI. setzt ein Besorgnis erregendes Zeichen für den christlich-jüdischen Dialog." Das betonen die Israelitische Kultusgemeinde Wien und der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit in einer gemeinsamen Aussendung. Die Bischöfe hätten zuvor zwar u.a. gelobt, die Lehren der römisch-katholischen Kirche zu akzeptieren und "alle unsere Kräfte in den Dienst der Kirche unseres Herrn Jesus Christus zu stellen". Doch wie steht es damit konkret? Die Piusbruderschaft lehnt zahlreiche Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils ab, insbesondere auch die erneuerte Haltung der römisch-katholischen Kirche gegenüber dem jüdischen Volk. Ihr Bischof Richard Williamson als Holocaust-Leugner steht eindeutigen kirchlichen Äußerungen entgegen, dass Antisemitismus Sünde und in jeder Form zu verwerfen sei. Die Leugnung der Schoa ist von keinem Amtsträger in welcher Kirche auch immer akzeptabel. Schwerer noch wiegt es, ihn in einer Kirche willkommen zu heißen.

Bischof Williamson verhöhnt die Opfer der Schoa

Der Vatikan betont, dass die Aufhebung der Exkommunikation erst der Anfang des Versöhnungsprozesses mit den ausgeschlossenen Lefebvrianern wäre. "Wir hoffen, dass dabei auch die erneuerte Haltung der Kirche zum Judentum klargestellt und deren Konsequenzen von der Piusbruderschaft auch vollzogen werden", betonen IKG und Koordinierungsausschuss.
Wie die römisch-katholische Kirche heute zum Judentum steht, ist konkret durch das Konzilsdekret "Nostra Aetae" festgehalten: "Darum sollen alle dafür Sorge tragen, dass niemand in der Katechese oder bei der Predigt des Gotteswortes etwas lehre, das mit der evangelischen Wahrheit und dem Geiste Christi nicht im Einklang steht. Im Bewusstsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat, beklagt die Kirche, die alle Verfolgungen gegen irgendwelche Menschen verwirft, nicht aus politischen Gründen, sondern auf Antrieb der religiösen Liebe des Evangeliums, alle Hassausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgend jemandem gegen die Juden gerichtet haben." Dies möge auch die Haltung der Piusbruderschaft werden.
In der gemeinsamen Stellungnahme von Koordinierungsausschuss und Kultusgemeinde heißt es: "Die Kirchen haben sich dem belastenden Erbe ihrer Judenfeindschaft gestellt und es beim Namen genannt. Die Haltung von Bischof Williamson ist eine Leugnung historischer Wahrheit und eine Verhöhnung aller Opfer des Nationalsozialismus."

Unklare Linie des Dialogs

Der jetzige Schritt von Benedikt XVI. macht die konkrete Zusammenarbeit von Christen und Juden nicht leichter. Trotz aller Beteuerungen des Vatikans, von der Haltung des Konzils nicht abweichen zu wollen, sei die Linie unklar geworden. Es entstehe der Eindruck, es werde hingenommen, ja Stück für Stück betrieben, die Errungenschaften in der Praxis aufzuweichen. Ein Schritt dazu war im Jahre 2007 die erweitere Zulassung des vorkonziliaren tridentinischen Ritus mit seiner Abwertung des biblisch alttestamentlichen Fundaments christlichen Glaubens.

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