• 27.01.2009, 11:16:43
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Sand im Getriebe des Dialogs

Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit und Israelitische Kultusgemeinde sind besorgt über die Aufhebung der Exkommunikation der Lefebvre-Bischöfe

Wien (OTS) - "Die Beendigung der Exkommunikation der Bischöfe der
Priesterbruderschaft Pius X. durch Papst Benedikt XVI. setzt ein
Besorgnis erregendes Zeichen für den christlich-jüdischen Dialog."
Das betonen die Israelitische Kultusgemeinde Wien und der
Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit in
einer gemeinsamen Aussendung. Die Bischöfe hätten zuvor zwar u.a.
gelobt, die Lehren der römisch-katholischen Kirche zu akzeptieren und
"alle unsere Kräfte in den Dienst der Kirche unseres Herrn Jesus
Christus zu stellen". Doch wie steht es damit konkret? Die
Piusbruderschaft lehnt zahlreiche Beschlüsse des Zweiten
Vatikanischen Konzils ab, insbesondere auch die erneuerte Haltung der
römisch-katholischen Kirche gegenüber dem jüdischen Volk. Ihr Bischof
Richard Williamson als Holocaust-Leugner steht eindeutigen
kirchlichen Äußerungen entgegen, dass Antisemitismus Sünde und in
jeder Form zu verwerfen sei. Die Leugnung der Schoa ist von keinem
Amtsträger in welcher Kirche auch immer akzeptabel. Schwerer noch
wiegt es, ihn in einer Kirche willkommen zu heißen.

Bischof Williamson verhöhnt die Opfer der Schoa

Der Vatikan betont, dass die Aufhebung der Exkommunikation erst der
Anfang des Versöhnungsprozesses mit den ausgeschlossenen
Lefebvrianern wäre. "Wir hoffen, dass dabei auch die erneuerte
Haltung der Kirche zum Judentum klargestellt und deren Konsequenzen
von der Piusbruderschaft auch vollzogen werden", betonen IKG und
Koordinierungsausschuss.
Wie die römisch-katholische Kirche heute zum Judentum steht, ist
konkret durch das Konzilsdekret "Nostra Aetae" festgehalten: "Darum
sollen alle dafür Sorge tragen, dass niemand in der Katechese oder
bei der Predigt des Gotteswortes etwas lehre, das mit der
evangelischen Wahrheit und dem Geiste Christi nicht im Einklang
steht. Im Bewusstsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat,
beklagt die Kirche, die alle Verfolgungen gegen irgendwelche Menschen
verwirft, nicht aus politischen Gründen, sondern auf Antrieb der
religiösen Liebe des Evangeliums, alle Hassausbrüche, Verfolgungen
und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit
und von irgend jemandem gegen die Juden gerichtet haben." Dies möge
auch die Haltung der Piusbruderschaft werden.
In der gemeinsamen Stellungnahme von Koordinierungsausschuss und
Kultusgemeinde heißt es: "Die Kirchen haben sich dem belastenden Erbe
ihrer Judenfeindschaft gestellt und es beim Namen genannt. Die
Haltung von Bischof Williamson ist eine Leugnung historischer
Wahrheit und eine Verhöhnung aller Opfer des Nationalsozialismus."

Unklare Linie des Dialogs

Der jetzige Schritt von Benedikt XVI. macht die konkrete
Zusammenarbeit von Christen und Juden nicht leichter. Trotz aller
Beteuerungen des Vatikans, von der Haltung des Konzils nicht
abweichen zu wollen, sei die Linie unklar geworden. Es entstehe der
Eindruck, es werde hingenommen, ja Stück für Stück betrieben, die
Errungenschaften in der Praxis aufzuweichen. Ein Schritt dazu war im
Jahre 2007 die erweitere Zulassung des vorkonziliaren tridentinischen
Ritus mit seiner Abwertung des biblisch alttestamentlichen Fundaments
christlichen Glaubens.

Rückfragehinweis:
Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit,
Dr. Markus Himmelbauer, Geschäftsführer
Tel.: (01) 4797376

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