Landau: Sozialstaat Österreich muss armutsfest werden!

Sozialbericht zeigt: Armut trifft die Jüngsten besonders hart

Wien (OTS) - Anlässlich der heutigen Präsentation des Sozialberichts 2007-2008 durch Bundesminister Rudolf Hundstorfer erneuerte der Wiener Caritasdirektor Michael Landau seine Forderung nach einem dritten Konjunkturpaket für die sozial Schwächsten. Nach den Banken und dem Mittelstand seien jetzt die Ärmsten an der Reihe. "Wer hinsieht und die Augen nicht verschließt, wird bemerken, wie viele Frauen, Männer und Kinder in Österreich von Armut betroffen sind", so Landau. Laut Sozialbericht sind eine Million Menschen armutsgefährdet oder akut arm, ein Viertel davon sind Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre. Der Bericht zeige einmal mehr: "Armut ist weiblich und Armut ist vererbbar", so Landau.

Armut trifft die Jüngsten besonders hart Besonders zu leiden haben Kinder aus einkommensschwachen Familien. Sie sind häufiger krank, sie fühlen sich öfter alleingelassen und haben schlechtere Zukunftschancen. Etwa jedes 10. Kind in Österreich wächst in einem Haushalt auf, der sich bei der Ernährung einschränken muss! "Der Sozialstaat ist kein Auslaufmodell und eine faire, eine gerechte Gesellschaft muss auf die Schwächsten -und das sind auch die Kinder - achten, wenn sie zukunftstauglich sein will." Armut werde vielfach auch über mangelnde Bildungschancen "weitervererbt", weiß Landau. Zudem sei Kinderarmut vielfach dort besonders groß, wo die Eltern Schwierigkeiten haben, am Erwerbsarbeitsmarkt Fuß zu fassen - etwa als Alleinerzieherinnen oder weil sie nicht oder nicht mehr voll leistungs- und damit erwerbsfähig sind.

"Wir spüren, dass der Druck auf die Menschen immer größer wird, die gestiegenen Lebenserhaltungskosten stellen viele vor schier unlösbare Probleme", so Landau. Menschen, die ihre Wohnung nicht angemessen warm halten können, seien in Österreich keine Seltenheit. "Ein Skandal, in einem der reichsten Länder Europas!", so Landau.

Mindestsicherung bitte warten? "Auf allen Seiten herrscht Einigkeit darüber, dass eine bedarfsorientierte Mindestsicherung sinnvoll und dringend nötig ist", so Landau. Sie sei unverzüglich einzuführen, dabei sei unbedingt und auf die Qualität zu achten. Auch sei die Einführung derselben keine Frage des politischen Könnens, sonder des Wollens. Angesichts der heute präsentierten Zahlen sieht Landau dringenden Handlungsbedarf, "auf Worte müssen nun Taten folgen, politisches Kleingeld darf nicht auf Kosten der Ärmsten gemacht werden", so Landau. Wenn es nicht mit Kärnten gehe, dann müssen die anderen acht Bundesländer eben mit gutem Beispiel vorangehen.

Kluft zwischen Arm und Reich wächst Dem heute präsentierten Bericht ist auch zu entnehmen, dass hohe Einkommen, vor allem aber Vermögen und Reichtum deutlich zugenommen haben. Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst. Was die Besteuerung von Erträgen aus Vermögen betrifft, ist Österreich Schlusslicht in der OECD und damit unter den reichsten Industrienationen. Gegenüber anderen Einkommensarten, vor allem jenen aus Erwerbsarbeit, sind Vermögenseinkommen steuerlich klar begünstigt. "Das ist angesichts der heute präsentierten Zahlen nicht tolerierbar, die Vermögenszuwachssteuer darf kein politisches Tabu sein", so Landau abschließend.

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