Beschäftigungsformen in Österreich: Rechtliche und quantitative Aspekte

Wien (WIFO) - Der österreichische Arbeitsmarkt war in den letzten zehn Jahren von weitreichenden rechtlichen Änderungen - vor allem im Bereich des Sozialversicherungsrechtes - geprägt, die u. a. eine Diversifikation der Beschäftigungsformen zur Folge hatten. Im europäischen Vergleich sind die einzelnen Beschäftigungsformen in Österreich relativ breit sozial abgesichert. Zahlreiche verbliebene Ungleichbehandlungen zwischen den einzelnen Formen im Arbeitsrecht gehen auf die zunehmend verschwimmende Grenze zwischen abhängiger Beschäftigung und Selbständigkeit zurück. Die sozialrechtliche Integration sowie die Ausdehnung der Arbeitslosenversicherung, die verpflichtende betriebliche Altersvorsorge und ähnliche Maßnahmen für freie Dienstverträge sind wesentliche Schritte in Richtung einer gleichberechtigten Absicherung auch alternativer Beschäftigungsformen.

Gemäß den verfügbaren Datenquellen (Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, Mikrozensus, Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, WIFO) überwiegt nach wie vor die voll sozialversicherungspflichtige unselbständige Beschäftigung sowohl für Männer als auch für Frauen. Innerhalb der Teilsegmente der Beschäftigung ist aber eine starke geschlechtsspezifische Konzentration zu verzeichnen.

Laut Hauptverband wurden im Jahr 2007 durchschnittlich 3,344.000 aufrechte Beschäftigungsverhältnisse bzw. 3,227.400 aktive Beschäftigungsverhältnisse (ohne Präsenzdiener und Personen mit Kindergeldbezug) verzeichnet. Zugleich wurden 245.800 geringfügige Beschäftigungsverhältnisse gemeldet. Der Mikrozensus wies insgesamt 3,450.200 unselbständig Beschäftigte aus. Ohne die 137.500 geringfügig Beschäftigten (wöchentliche Arbeitszeit unter 11 Stunden) betrug die Zahl der Unselbständigen 3,312.700. Den Lebensunterhalt aus unselbständiger Beschäftigung bestritten 3,218.400 Personen. 779.200 Personen gaben an, teilzeitbeschäftigt zu sein; die Teilzeitquote an der unselbständigen Beschäftigung betrug damit 22,6%.

Im Rahmen der Arbeitskräfteüberlassung als weiterem Teilaspekt der unselbständigen Beschäftigung waren laut Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit zum 31. Juli 2007 66.700 Leiharbeitskräfte tätig - knapp 40% von ihnen in der Industrie, 37,1% in Gewerbe, Handwerk und Dienstleistungen.

Neben der voll sozialversicherungspflichtigen unselbständigen Beschäftigung und der geringfügigen Beschäftigung verzeichnete der Hauptverband im Jahr 2007 26.100 freie Dienstverträge, eine Hybridform zwischen unselbständiger und selbständiger Beschäftigung.

Die Zahl der Selbständigen variiert stärker zwischen den Datenquellen (laut Ministerium 392.400 hauptbeschäftigte Selbständigen, laut WIFO-Schätzung 395.800 Selbständige einschließlich der freien Berufe, laut Hauptverband 458.700 pflichtversicherte selbständige Beschäftigungsverhältnisse einschließlich 38.100 neuer Selbständiger, laut Mikrozensus 577.700 Selbständige). Die Gesamtzahl der Erwerbstätigen ist deshalb sehr unterschiedlich hoch. Die Beschäftigungsquote der 15- bis 64-jährigen Bevölkerung reichte 2007 von 64,5% bzw. 66,6% (aktive Unselbständige laut Hauptverband plus WIFO-Schätzung der Selbständigen) bis 71,4% (Mikrozensus).

Der Anteil der Frauen ist am höchsten in der Teilzeitbeschäftigung (2007: 85,9%). Auch die geringfügige Beschäftigung (69,4%) und die Form der freien Dienstverträge (51,9%) wird überdurchschnittlich stark von Frauen genutzt. Dagegen sind die selbständigen Tätigkeiten, und insbesondere die Arbeitskräfteüberlassung (Frauenanteil 2007:
18,7%) überproportional von Männern besetzt.

Diese große geschlechtsspezifische Konzentration spiegelt die Anforderungen wider, Familie und Beruf zu vereinbaren. Eine vorausschauende Arbeitsmarktpolitik sollte daher einer beschäftigungsspezifischen Segmentierung auf dem Arbeitsmarkt durch Steigerung der Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Erwerbs-und Lebensformen entgegenwirken. Dafür bedarf es eines umfassenden Ansatzes, der alle relevanten Maßnahmen kombiniert, wie den Zugang und die Teilnahme an Aus- und Weiterbildung, die Neuausrichtung von Betreuungseinrichtungen oder die Bereitstellung öffentlicher Infrastruktur.

Übersicht 1: Beschäftigung in Österreich nach unterschiedlichen Datenquellen - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht 12/2008
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=34643&typeid=8&
display_mode=2)!

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