- 04.01.2009, 18:00:36
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DER STANDARD-Kommentar "Danke, ganz lieb"
von Petra Stuiber
Wien (OTS) - Der Rechnungshof hat in seinem Einkommensbericht
einmal mehr kritisiert, dass die Einkommensschere zwischen Männern
und Frauen immer weiter auseinandergeht. Und schon planen der
Sozialminister und die Frauenministerin eine
"Qualifizierungsoffensive für Frauen". Dazu kann frau nur sagen:
Danke, ganz lieb.
Als ob es darum ginge. Das Hauptproblem ist, dass strukturell einiges
schiefläuft: Frauen haben mit den Männern in Sachen Bildung nicht nur
gleichgezogen, sie haben diese vielfach auch überrundet, wenn man die
Zahl der Hochschulabschlüsse betrachtet. Das hat ihnen wenig genützt.
Wie sonst ist zu erklären, dass männliche Fachärzte das
Zweieinhalbfache ihrer Kolleginnen verdienen? Wie kommt es, dass es
gut bezahlte "Männerbranchen" und schlecht bezahlte "Frauenbranchen"
gibt? Das müsste gerade dem Gewerkschafter Hundstorfer zu denken
geben. Dazu kommen die hierzulande üblichen Probleme weiblicher
Erwerbsbiografien: Die "Babypause" ist immer noch ein weibliches
Phänomen, das unweigerlich zum Karriereknick führt;
Teilzeitbeschäftigung ist nach wie vor Frauensache und führt nicht
nur in eine finanzielle Sackgasse. Keine Regierung hat sich bis dato
ernsthaft bemüht, diese "Frauenprobleme" zu lösen.
Stattdessen schnüren Bund und Länder derzeit Konjunkturpakete, die
primär männliche Arbeitnehmer im Fokus haben. Die politisch
Verantwortlichen haben ergo das Problem noch immer nicht verstanden,
und das bedeutet: Auch der nächste Einkommensbericht wird nicht
besser aussehen.
Rückfragehinweis:
Der Standard
Tel.: (01) 531 70/445
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