DER STANDARD-Kommentar "Danke, ganz lieb"

von Petra Stuiber

Wien (OTS) - Der Rechnungshof hat in seinem Einkommensbericht
einmal mehr kritisiert, dass die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen immer weiter auseinandergeht. Und schon planen der Sozialminister und die Frauenministerin eine "Qualifizierungsoffensive für Frauen". Dazu kann frau nur sagen:
Danke, ganz lieb.
Als ob es darum ginge. Das Hauptproblem ist, dass strukturell einiges schiefläuft: Frauen haben mit den Männern in Sachen Bildung nicht nur gleichgezogen, sie haben diese vielfach auch überrundet, wenn man die Zahl der Hochschulabschlüsse betrachtet. Das hat ihnen wenig genützt. Wie sonst ist zu erklären, dass männliche Fachärzte das Zweieinhalbfache ihrer Kolleginnen verdienen? Wie kommt es, dass es gut bezahlte "Männerbranchen" und schlecht bezahlte "Frauenbranchen" gibt? Das müsste gerade dem Gewerkschafter Hundstorfer zu denken geben. Dazu kommen die hierzulande üblichen Probleme weiblicher Erwerbsbiografien: Die "Babypause" ist immer noch ein weibliches Phänomen, das unweigerlich zum Karriereknick führt; Teilzeitbeschäftigung ist nach wie vor Frauensache und führt nicht nur in eine finanzielle Sackgasse. Keine Regierung hat sich bis dato ernsthaft bemüht, diese "Frauenprobleme" zu lösen.
Stattdessen schnüren Bund und Länder derzeit Konjunkturpakete, die primär männliche Arbeitnehmer im Fokus haben. Die politisch Verantwortlichen haben ergo das Problem noch immer nicht verstanden, und das bedeutet: Auch der nächste Einkommensbericht wird nicht besser aussehen.

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