- 10.12.2008, 09:00:00
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Auf dem Weg in die Rezession
Wien (WIFO) - Die österreichische Wirtschaft wuchs im III. Quartal
2008 gegenüber dem Vorquartal kaum mehr (+0,1%), sie befindet sich
aber im Gegensatz zu Deutschland noch nicht in einer Rezession. Der
Einbruch der Auftragslage und der Geschäftserwartungen deutet jedoch
auf eine weitere Konjunkturverschlechterung in den kommenden Monaten
hin. Diese Einschätzung wird durch die aktuelle
Arbeitsmarktentwicklung gestützt: Die Arbeitslosigkeit stieg im
November leicht, die Zahl der angebotenen Stellen verringerte sich
stark.
Die internationale Finanzkrise wirkt sich nun voll auf die
Realwirtschaft aus. Vom Export ausgehend, greift der
Konjunktureinbruch auf alle anderen Nachfragekomponenten über. Im
III. Quartal 2008 wuchs die österreichische Wirtschaft gegenüber dem
Vorquartal kaum mehr (+0,1%). Die exportorientierte
Sachgütererzeugung verzeichnete bereits einen deutlichen Rückgang
(-0,8%).
Im Vorjahresvergleich verlangsamte sich das Wirtschaftswachstum
merklich von 2,9% im I. Quartal auf 1,2% im III. Quartal.
Ausgangspunkt dieser Entwicklung waren die Exporte: Ihr
Vorjahresabstand verringerte sich von +6,7% im I. Quartal auf +1,5%
im III. Quartal. Das spiegelt den weltweiten Konjunkturabschwung
wider: In den USA, in Japan und Europa herrscht bereits Rezession, in
Österreich noch nicht.
Die Auftragslage und die Geschäftserwartungen der heimischen
Unternehmen verschlechtern sich drastisch, noch zeichnet sich keine
Festigung ab. Die negative Beurteilung der Wirtschaftslage breitet
sich mittlerweile von der Sachgütererzeugung auf die Dienstleistungen
aus.
Die durch die Finanzkrise getrübte Stimmung drückte im III.
Quartal die Umsätze im Einzelhandel (real -0,1% gegenüber dem
Vorjahr). Der Einzelhandel litt unter den relativ kräftigen
Preiserhöhungen und der Kfz-Handel unter den pessimistischen
Erwartungen der Verbraucher.
Die Tourismusbetriebe verzeichneten eine erfolgreiche
Sommersaison. Die Zahl der Nächtigungen erhöhte sich wie die realen
Umsätze um 2 1/2%. Auch die Buchungen für die Wintersaison sind
zufriedenstellend. Erfahrungsgemäß reagieren die internationalen
Reiseverkehrsausgaben jedoch überdurchschnittlich auf einen
Konjunktureinbruch. Das wird sich in den Umsätzen der nächsten
Sommersaison niederschlagen.
Die Preise gaben auf den internationalen Rohwaren- und
Rohölmärkten wegen der Dämpfung der Weltnachfrage und der darauf
folgenden Baisse-Spekulation stark nach. Gegenüber dem Höchstwert von
140 $ je Barrel im Juli sank der Rohölpreis seither auf ein Drittel.
Anfang Dezember lag er nur knapp über der 40-$-Grenze. Die heimische
Inflationsrate ging von 3,8% im September auf 3,1% im Oktober zurück.
Entscheidend war die Verbilligung von Treibstoffen und Heizöl
gegenüber dem Vormonat; auch der Auftrieb der Nahrungsmittelpreise
beruhigte sich.
Übersicht 1: Ergebnisse der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen
Gesamtrechnung - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)
Der Arbeitsmarkt wird zunehmend von der Konjunkturabschwächung
erfasst. Seit Juni hat sich der Beschäftigungszuwachs halbiert. Eine
Reihe von Großbetrieben meldete Kurzarbeit an und kündigte zunächst
die Leiharbeitskräfte. Die Beschäftigung erhöhte sich im November
gegenüber dem Vorjahr um 51.300, allerdings lag die Zahl der
Arbeitslosen erstmals seit 2006 über dem Vorjahresniveau (+2.000). Am
stärksten beeinträchtigte der Auftragsmangel das Stellenangebot, das
als Vorlaufindikator für den Arbeitsmarkt gilt: Die Zahl der offenen
Stellen war um gut ein Zehntel geringer als im Vorjahr.
Abbildung 1: Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes - auf der
WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
12/2008!
Rückfragehinweis:
Dr. Ewald Walterskirchen
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-257 * Fax. +43 1 798 93 86
mailto:[email protected]
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