- 03.12.2008, 12:27:50
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Greenpeace: Gentechnik-Poker bei EU-Umweltrat
Erste Bewährungsprobe für neuen Umweltminister Berlakovich
Wien (OTS) - Beim morgigen EU-Umweltrat könnte es zu einer
Einigung bei grundlegenden Fragen zur Gentechnik in Lebensmitteln
kommen, teilte die Umweltorganisation Greenpeace heute in einer
Aussendung mit. Auf dem Verhandlungstisch liegen die Themen Reinheit
des Saatgutes, eine Reform der europäischen
Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) sowie das Recht auf
gentechnikfreie Regionen. Fortschritte scheinen durchaus möglich,
doch Deutsch und England blockieren einen positiven Fortgang noch.
Der neue österreichische Umweltminister Niki Berla-kovich wird in
diesem Verhandlungspoker seine Premiere erleben und hat dabei mit
einer unlängst vom Gesundheitsministerium veröffentlichten
Langzeitstudie über Gentech-Mais zudem ein Ass im Ärmel.
Der morgen beginnende EU-Umweltrat stellt den Abschluss der
Debatte über Grundsatz-entscheidungen in der Gentechnik dar: Damit
die Empfehlung des Rates an die Kommission politisches Gewicht
erhalten kann, muss dieser mit möglichst geeinter Stimme sprechen.
Ein Streitpunkt ist aber noch, ob bei Saatgut ein Grenzwert für
Verunreinigung eingeführt werden soll. Österreich vertritt -
gemeinsam mit einigen anderen EU-Mitgliedern - die Position, dass
dieser möglichst niedrig zu halten wäre, also bei unter 0,1 Prozent -
der technischen Nachweis-grenze - zu liegen kommen muss. England
wehrt sich noch gegen diesen Ansatz und will höhere Grenzwerte
festlegen lassen, um der Saatgut-Industrie den Handel zu erleichtern.
"Falls England sich durchsetzt, werden Gentechnik-Verunreinigungen
von Nahrungsmitteln deut-lich häufiger als bisher auftreten",
befürchtet Philipp Strohm, Gentechnik-Sprecher von Greenpeace.
"Überdies wird es für Landwirte äußerst schwierig werden, in Hinkunft
noch reines Saatgut zu erhalten", so Strohm.
Eine weitere heikle Frage ist auch das Recht einer Region, sich
als gentechnikfrei zu erklären. Momentan blockiert Deutschland noch
eine Einigung. Die angepeilte Lösung, die auf reiner Freiwilligkeit
beruht, ist zwar eine recht schwache, doch immerhin eine Lösung. Es
wäre also völlig unverständlich, sollte Deutschland sich
diesbezüglich querstellen. Zu einer grundlegenden Reform der EFSA
wird es wohl einmal mehr nicht kommen. Die EFSA hatte zuletzt
wiederholt Fehlurteile abgegeben und Gentech-Pflanzen als
unbedenklich erklärt. Spätere, unabhängige Studien zeigten jedoch das
Gegenteil davon.
"Umweltminister Berlakovich muss sich für eine Reform der
EU-Lebensmittelbehörde einsetzen", fordert Strohm. "Wir brauchen
nämlich dringend unabhängige Wissenschafter aus allen relevanten
Disziplinen, um unsere eigenen Studien durchführen zu können und
nicht allein auf Daten der Antragsteller angewiesen zu sein. Denn nur
damit kann das Vertrauen der Menschen in die Sicherheit ihrer
Lebensmittel wieder hergestellt werden", weiß Greenpeace-Sprecher
Strohm.
Rückfragehinweis:
Attila Cerman, Greenpeace CEE; Tel.: 0664-3435354
Philipp Strohm, Greenpeace CEE; Tel.: 0664-6126721
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