- 27.11.2008, 12:59:53
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Einstellung der Wochenschau wäre Raubbau an den Informationsangeboten für gehörlose Menschen
ORF entfernt sich zusehends von seinen Kernaufgaben
Wien (OTS) - Ganz sicher scheint man sich beim ORF noch nicht zu
sein, ob die "Wochenschau" nun demontiert wird oder nicht, ob der aus
Fehlentscheidungen resultierende Rotstift nun eine weitere und weit
reichende Fehlentscheidung nach sich ziehen soll. Medienberichten
zufolge ist das Ende des Bildungsformates "Wochenschau" ja besiegelt,
jedoch gibt man sich auf Anfrage beim ORF dort doch noch lieber
diplomatisch. Es werde darüber diskutiert, das Format einzustellen,
jedoch sei noch keine Entscheidung gefallen, so die ORF-Pressestelle.
Helene Jarmer, Präsidentin des Österreichischen Gehörlosenbundes,
sieht die Entwicklung des ORF äußerst kritisch: "Wenn die Wochenschau
eingestellt wird, dann ist das in jedem Falle ein Armutszeugnis für
den öffentlich-rechtlichen Auftrag des ORF, der sich ohnehin schon
sehr weit von seinen Kernaufgaben entfernt hat. Nun aber aus einer
Reihe von Fehlentscheidungen der ORF-Führung heraus die finanzielle
Notbremse bei dem Publikum zu ziehen, das ohnehin schon kaum Angebote
hat, ist behindertenpolitisch äußerst bedenklich. Gehörlose
ORF-KonsumentInnen zahlen 100 % der GIS-Gebühr und werden mit 26 %
konsumierbaren Programminhalten abgespeist. Nun auch noch die
mögliche Einstellung eines gewachsenen Formates, wie der Wochenschau
kampflos zu akzeptieren, ist unmöglich."
Die "Wochenschau" hat als einziges ORF-Format direkte
Gleichsetzung von Österreichischer Gebärdensprache (ÖGS) und
Lautsprache zum Programminhalt. Würde man auch das gehörlose Publikum
seitens des ORF entsprechend seiner Stellung als
öffentlich-rechtlichem Sender berücksichtigen, sollte nicht über die
Einstellung der "Wochenschau" gesprochen werden, sondern über einen
längst überfälligen Ausbau des Gebärdensprachangebotes.
"Unterhaltungsangebote, die das ORF-Budget beinahe erschöpft haben,
werden letzten Endes in der Kosten-Nutzen-Rechnung dem Angebot für
behinderte Menschen gegenüber gestellt. Man sollte beim ORF nicht auf
der einen Seite "Licht ins Dunkel" forcieren und auf der anderen
Seite betroffenen Menschen eine wichtige Informations- und
Identifikationsbasis wie die Wochenschau rauben", so Jarmer. Sollte
die "Wochenschau" wirklich dem Rotstift zum Opfer fallen, so "sollte
umgehendst mit VertreterInnen der Gehörlosengemeinschaft über ein
Nachfolgeformat gesprochen werden."
Rückfragehinweis:
Österreichischer Gehörlosenbund
Mag. Clemens Braunhofer
Tel.: 01/ 64 10 510 11
mailto:[email protected]
http://www.oeglb.at
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