- 27.11.2008, 09:00:00
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Internationale Wettbewerbsposition der Verkehrsunternehmen und der verkehrsspezifischen Güterproduktion
Wien (WIFO) - Neben seiner großen Bedeutung für das Funktionieren
einer Volkswirtschaft ist der Verkehrsbereich auch ein wichtiger
Arbeitgeber. Die Verkehrsunternehmen und die Produzenten von
Investitions- und Konsumgütern sowie Betriebsmitteln und
Dienstleistungen für den Verkehr beschäftigen rund 435.000
Arbeitskräfte, der Anteil ihrer Wertschöpfung am Bruttoinlandsprodukt
beträgt 12,3%. Mit der Liberalisierung des Dienstleistungssektors in
der EU verstärkte sich der Wettbewerbsdruck durch ausländische
Verkehrsunternehmen in Österreich.
Die Straßenfrächter hatten vor dem EU-Beitritt unter den
Bedingungen der reziproken bilateralen Kontingentierung dank der
zentralen Lage Österreichs eine starke Stellung im
grenzüberschreitenden Straßengütertransport innegehabt. 1994, im Jahr
vor dem EU-Beitritt, wurden über 69% der Ein- und Ausfuhr sowie 11,4%
des Transits auf in Österreich zugelassenen Lkw transportiert. 2005
betrugen diese Anteile nur noch 44,4% bzw. 6,5%. Gemäß der
Dienstleistungsbilanz der OeNB wurde aber im Straßentransport 2007
ein Exportüberschuss von 893 Mio. Euro erzielt. Dies ist mit der
größeren Transportweite der heimischen Frächter im Ausland und dem
"Ausflaggen" von Lkw-Flotten aus Österreich in Länder mit niedrigeren
Fixkosten (vor allem Kfz-Steuern) und Fahrerlöhnen zu erklären. Diese
Lkw werden aufgrund ihres ausländischen Kennzeichens in der
Verkehrsstatistik dem Ausland zugerechnet, die Abrechnungen laufen
aber über Unternehmen in Österreich und gelten als Exporte.
Österreichs Eisenbahnen erbringen auf ihrem Netz relativ hohe
Transportleistungen für den grenzüberschreitenden Verkehr. 2006
entfielen 21,6% der Güterverkehrsleistungen auf die Durchfuhr, 55,4%
auf die Ein- und Ausfuhr und nur 23% auf den Inlandverkehr. Die durch
die Öffnung der europäischen Netze entstehenden Chancen, Transporte
im grenzüberschreitenden Wechselverkehr oder im Transitverkehr
vollständig vom Versender zum Empfänger zu erstellen, wurden aber von
den heimischen Bahnen bisher kaum genutzt. Der Anteil ausländischer
Bahnen im Transitverkehr durch Österreich lag 2005 über 13%, im
Brennertransit bereits bei einem Drittel. In der Leistungsbilanz der
Eisenbahntransporte betrug das Defizit 2007 296 Mio. Euro.
Im Luftverkehr konnten sich die Austrian Airlines (AUA, ab 2002
Austrian Airlines Group) bisher gut behaupten; ihr Anteil an der Zahl
der Fluggäste österreichischer Flughäfen ging lediglich von 50,6% im
Jahr 1990 auf 45,6% 2007 zurück. In der Leistungsbilanz bestanden von
1996 bis 2005 durchwegs, in einigen Jahren sogar beachtliche
Exportüberschüsse, 2006 und 2007 ergab sich ein Defizit.
Die nominellen Exporte aller Verkehrsleistungen nahmen seit 1995
um jährlich durchschnittlich 10,4% zu, also stärker als die gesamten
Dienstleistungsexporte (+7,1%) und Warenexporte (+8,9%). Die
Verkehrsleistungsimporte waren nur zu Beginn der Beobachtungsperiode
(1995 und 1996) höher als die Exporte. 2007 standen Exporten von 8,73
Mrd. Euro Importe von 8,70 Mrd. Euro gegenüber. Zum leicht positiven
Saldo trug ausschließlich der Straßentransport bei. Generell wurden
Überschüsse im Personentransport und in den Transporthilfsleistungen
erwirtschaftet; im Frachtverkehr ergab sich 2007 ein negativer
Außenhandelssaldo von 434 Mio. Euro, der überwiegend dem Transport
zur See zuzuschreiben ist.
Österreich befindet sich im Schnittpunkt wichtiger europäischer
Verkehrsachsen. Damit eröffnen sich Möglichkeiten zum Aufbau von
Logistikstandorten, die stärker genutzt werden könnten. Durch ein
Angebot hochwertiger Logistikleistungen kann nicht nur die
Drehscheibenfunktion von Verkehrsknoten ausgebaut werden, es wird
auch die Ansiedlung von Betrieben um diese Standorte gefördert.
Die verkehrsspezifische Güterproduktion stellte sich bereits seit
Jahrzehnten auf einen weitgehend liberalisierten Warenhandel und
fortschreitenden Zollabbau ein. Sie nutzte insbesondere die Chancen
der internationalen Arbeitsteilung in der Produktion von
Verkehrsmitteln. Die Fahrzeugindustrie steigerte die Exportquote in
Österreich von 50% 1980 auf bereits 86% 1992. Auch die anderen
Zulieferer des Verkehrssektors konnten sich auf den Exportmärkten
behaupten. Als sehr wettbewerbsstark erwies sich die Produktion von
Seilbahnen, Schienen und Kolbenverbrennungsmotoren für Kfz.
Eine wesentliche Voraussetzung für die Verbesserung der
internationalen Wettbewerbsposition einer Branche ist die
Bereitschaft zu Forschung und Entwicklung. Gemessen an der
Bruttowertschöpfung waren die Herstellung von Kraft- und Fahrrädern
und der Schienenfahrzeugbau, aber auch die Kfz-Industrie sowie der
Luft- und Raumfahrzeugbau besonders forschungsintensiv. Diese
F&E-intensiven Bereiche haben ihre Außenhandelsposition in den
letzten Jahren deutlich verbessert.
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
11/2008
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=34404&typeid=8&
display_mode=2)!
Rückfragehinweis:
Prof. Dr. Wilfried Puwein
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-241 * Fax. +43 1 798 93 86
mailto:[email protected]
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