- 25.11.2008, 12:28:21
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Greenpeace: EU gibt Roten Tunfisch dem Aussterben preis
Tunfischkommission ICCAT übergibt sich selbst der Belanglosigkeit
Marrakesch/Wien (OTS) - Greenpeace bezeichnet das Ergebnis der
Internationalen Kommission für die Erhaltung der Tunfischbestände im
Atlantik (ICCAT), die nun eine Woche lang über den Schutz des Roten
Tuns im Mittelmeer verhandelte, als beschämend und katastrophal. Der
Greenpeace-Kritik zufolge hat die ICCAT als internationales Gremium,
das für das Fischerei-Management zuständig ist, klar versagt.
"Die ICCAT hat ihre letzte Chance verpasst, den Tunfisch im
Mittelmeer zu retten", kommentiert Greenpeace-Meeresexpertin Antje
Helms das desaströse Konferenzergebnis. "Der Rote Tun ist zu einer
aussterbenden Art geworden, weil die zuständigen Fischereiminister
und Regierungen ihre Verantwortung an die Profit-Interessen der
Fischerei-Industrie verkauft haben", kritisiert Helms. "Dieses
Ergebnis zeigt deutlich, dass die Europäische Union keine nachhaltige
Verwaltung unserer Fischbestände zu gewährleisten imstande ist", so
Helms.
Für das kommende Jahr einigte man sich letztlich auf eine
Fangquote von 27.500 Tonnen - die Empfehlungen der ICCAT-Experten
lagen allerdings bei nur 15.000 Tonnen. Und für 2010 wurde eine
Fangquote von 25.500 Tonnen zugelassen. Der neue Management-Plan der
ICCAT versagt vor Allem beim Schutz des laichenden Fischbestandes und
sieht eine Verkürzung der Fangsaison um nur zehn Tage vor. Striktere
Maßnahmen - wie etwa das von Greenpeace geforderte Fischereiverbot
während der Laichzeit und die Einrichtung von Schutzgebieten in den
Laichgründen - wurden abgelehnt. Die USA, Brasilien, Kanada, Mexiko,
Norwegen und Südafrika waren selbst gemeinsam nicht in der Lage, dem
Druck der EU Stand zu halten - die sich strikt weigerte, schärfere
Schutzmaßnahmen zuzulassen, die den Mittelmeer-Tunfisch jedoch vor
dem endgültigen Kollaps gerettet hätten.
Für kaum eine Fischerei ist die dramatische Lage wissenschaftlich
derart exakt belegt wie für den Roten Tun im Ostatlantik und im
Mittelmeer. Im Jahr 2007 lag die offizielle Fangquote bei 28.500
Tonnen, doch die Menge der illegalen Fänge wurden von den Experten
der ICCAT auf 61.000 Tonnen geschätzt. Verantwortlich dafür waren
vor Allem Fangflotten aus Frankreich, Italien und Spanien.
"Die letzte Woche in Marrakesch hat gezeigt, dass ICCAT endgültig
zur Farce verkommen ist", zeigt sich Greenpeace-Sprecher Sebastian
Losada aus Spanien von der Konferenz enttäuscht. "Mich haben diese
Verhandlungen vielmehr an einen Bazar als eine hochrangige
Staatsangelegenheit erinnert. Und am Ende hat man eine der
beeindruckendsten Fischarten des Mittelmeeres zum Aussterben
verdammt", resümiert Losada.
Durch das Versagen der Tunfischkommission sind nun die anderen
internationale Foren aufgefordert, dieses Vakuum zu füllen: Dazu
zählen das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES), das für
gefährdete Arten internationale Handelsbeschränkungen erlassen kann.
Auch der Handel selbst ist zu ermutigen, den Verkauf von Rotem Tun -
der in Sushi-Restaurants auch als Blauflossen-Tun verkauft wird -,
aus eigenem Antrieb zu beenden.
Weitere Informationen:
http://www.greenpeace.org/international/press/reports/ICCAT-16
Antje Helms, Meeresbiologin bei Greenpeace CEE; Tel.: 0664-2148952
Rückfragehinweis:
Attila Cerman GREENPEACE CEE Fernkorngasse 10, A - 1100 Wien Fon +43-1-545458068 Fax +43-1-545458098 Mob +43-664-3435354 http://www.greenpeace.at
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