• 30.10.2008, 15:49:54
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Alternativ-Nobelpreisträgerin Vandana Shiva am Institut für Umwelt-Friede-Entwicklung: "Biologische Landwirtschaft ist die Zukunft"

Shiva: EU-Kommission darf Österreich nicht zum Gentechnik-Einsatz zwingen

Wien (OTS) - Unter dem Titel "AGRAR-INDUSTRIE. MACHT. HUNGER"
diskutierte gestern Abend auf Einladung des Instituts für
Umwelt-Friede-Entwicklung (IUFE) und Slow Food Linz die indische
Aktivistin Vandana Shiva, Trägerin des Alternativen Nobelpreises 1993
und Vizepräsidentin von Slow-Food International mit dem Journalisten
und Buchautor Geseko von Lüpke über die Zukunft der Landwirtschaft.
Bei der Eröffnung der Veranstaltung vor über 200 Teilnehmer/innen
erklärte IUFE-Geschäftsführerin Petra C. Gruber, es gehe nicht um das
"bashing" der Konzerne, sondern um politische Verantwortung für den
sozialen und ökologischen Rahmen des Wirtschaftens.

Monokulturen des Geistes

Vandana Shiva erklärte im Gespräch mit Geseko von Lüpke, die
Finanz-, Peak-Öl-, Ernährungskrisen und der Klimawandel seien
Symptome einer einzigen, wesentlich größeren Krise. Eine industrielle
Landwirtschaft mit ihren auf Chemikalien und fossilen Brennstoffen
basierenden Monokulturen verschärfe die Ernährungsunsicherheit. Es
sei ein Mythos, dass die Agrar-Industrie mehr und billigere
Nahrungsmittel produziere. Biologische Landwirtschaft sei der einzige
Weg, um die ganze Welt zu ernähren. Sie verwies darauf, dass 35% der
klimarelevanten Emissionen von der industriellen Landwirtschaft
verursacht würden; hier gelte es politisch anzusetzen. Hinter den
Monokulturen am Feld stünden Monokulturen des Geistes, warnte die
Alternativ-Nobelpreisträgerin.

Nein zu Gen-Saatgut

Gentechnisch manipuliertes Saatgut sei aus wissenschaftlicher und
ökonomischer Perspektive ein Fehlschlag. Die Zerstörung lokaler
Strukturen, Armut und Hunger sowie weniger Stress-resistente Pflanzen
seien die Folge. In den Konzernen wisse man genau über die Folgen
dessen Einsatzes Bescheid. Die Aktivistin kritisierte bei dem
Podiumsgespräch, dass die EU-Kommission Österreich nicht zur
Gentechnik zwingen dürfe.

Der freie Austausch des Saatguts zwischen den Bäuerinnen und
Bauern und die Erhaltung von Biodiversität als Gemeinschaftsgut seien
von besonderer Bedeutung.

Unsere Lebensmittel dürften nicht das sein, was das industrielle
System übrig lasse, warnte sie.

Politik muss sich von Konzernen trennen

Ihr alternatives Konzept der "local living democracy" setzt auf
eine lokale Kultur, die Diversität zelebriert und Demokratie lebt -
vergleichbar mit dem Konzept der Zivilgesellschaft. Zur Rolle der
Politik sagte sie, diese müsse sich endlich von den Unternehmen
"scheiden lassen". Demokratie müsse wieder von, für und mit den
Menschen praktiziert werden. Die alternative Nobelpreisträgerin
zeigte sich optimistisch in Bezug auf das menschliche Potential zur
Gestaltung der Zukunft. Mit Blick auf die Machtverhältnisse gelte es
allerdings die "Dummen zu stoppen", forderte Shiva, die bei der
Veranstaltung begeisterten Applaus erhielt.

Rückfragehinweis:
Institut für Umwelt - Friede - Entwicklung
Dr. Petra C. Gruber
Tel.: 0664/80814225
mailto:[email protected]

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