- 18.10.2008, 16:15:14
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Er war ein ganz Großer - Kärnten verabschiedete sich von Landeshauptmann Jörg Haider
Mehr als 25.000 Menschen bei Trauerfeierlichkeiten in Klagenfurt
Klagenfurt (LPD) - "Der Tod ist wie ein Dieb in der Nacht, er
reißt eine Lücke, die nicht mehr zu schließen ist." Worte am Anfang
der Trauerfeierlichkeiten für Landeshauptmann Jörg Haider, die genau
ausdrücken, was ganz Kärnten in diesen Tagen empfindet. Das
Abschiednehmen begann heute, Samstag, um 11.00 Uhr mit einem
Trauerakt im engsten Kreis im Landhaushof. Von dort wurde der Sarg
von Landeshauptmann Jörg Haider auf den Neuen Platz gebracht, wo dann
die Landestrauerfeier im Beisein von 400 Ehrengästen, vieler
Trachtenvereine, Brauchtumsgruppen, Abordnungen aller Einsatzkräfte
stattfand. Über 25.000 Menschen waren in die Landeshauptstadt
gekommen, um von ihrem Landeshauptmann Abschied zu nehmen.
Nach Worten von Bischof Alois Schwarz und Superintendent Manfred
Sauer und einem gemeinsamen "Vater Unser" sprach der langjährige
Bergkamerad des Landeshauptmannes, Teddy Inthal. Er beschrieb
gemeinsame Bergwanderungen, die für Jörg Haider jene seltenen
Augenblicke seines Lebens gewesen seien, in denen er einmal nur an
sich selbst gedacht habe. Fernab der Heldenverehrung aber sei er ein
ganz Großer gewesen, so Inthal. "Das Abschiednehmen fällt so schwer,
allein das Wiedersehen wird eine Freude."
Eine Welle von Trauer und Anteilnahme gehe durch das Land, die
Österreich so noch nicht gekannt habe, sagte der frühere
Justizminister Dieter Böhmdorfer. "Die Trauer ist echt und ehrlich,
ein später Dank an Jörg Haider, der in dieser Form nicht erwartet
werden konnte." Jörg Haider habe die Menschen verstanden, das machte
seine Persönlichkeit aus. "Er hatte die Fähigkeit, andere zu
begeistern und wurde zu einem bestimmenden Faktor der
österreichischen Politik", so Böhmdorfer. Mittelpunkt seines Lebens
sei aber immer seine Familie gewesen, er war ein treusorgender
Familienvater. Im Zusammenhang mit der Berichterstattung der Medien
rund um den Tod von Landeshauptmann Jörg Haider appellierte
Böhmdorfer eindringlich an die Presse: "Denken sie doch an die
Familie!"
"Kärnten trägt Trauer, wir verabschieden uns von einem ganz
Großen", betonte der Klagenfurter Bürgermeister Harald Scheucher. Mit
seiner offenen Art habe Jörg Haider alle Herzen berührt. Das zeige
auch die große Anteilnahme, die kaum einem Politiker entgegen
gebracht worden sei. "Ich bin dankbar, dass wir ihn in unserer Mitte
wussten und ihm begegnen durften." Scheucher betonte weiters, dass
Claudia Haider ihrem Mann eine große Stütze gewesen sei und nun den
Verlust ihres Lebensmenschen zu beklagen habe. "Seht welch ein
Politiker, seht welch ein Freund, seht welch ein Mensch. Wo immer du
auch bist, Jörg, schau auf dein Land."
"Du hast mich immer vor schwierige Aufgaben gestellt, immer war
ich dort wo du mich wolltest, heute aber stellst du mich vor meine
schwierigste Aufgabe", sagte Landesrat Uwe Scheuch. Jörg Haider sei
niemandem egal gewesen und niemand war Jörg Haider egal. Er wolle gar
nicht auf die Politik Bezug nehmen, denn jeder wisse, wie Jörg Haider
in den letzten 38 Jahren das Land gestaltet und die Politik geprägt
habe, so Scheuch. Heute stehe der Mensch im Mittelpunkt, der dieses
Land verändert habe. "Kärnten ist durch Jörg Haider schöner und ein
gutes Stück besser geworden." Daher seien alle Kärntnerinnen und
Kärntner aufgerufen, dieses Land in seinem Sinne weiter zu gestalten.
"Wir sind es unserem Jörg schuldig."
"Die Sonne ist vom Himmel gefallen und die Uhren sind stehen
geblieben an diesem 11. Oktober", sagte der amtsführende
Landeshauptmann Gerhard Dörfler. Das sei keine Übertreibung, sondern
das habe man nun eine Woche lang gespürt in Kärnten. "Es muss den
Menschen gut gehen, das ist hinter dem gesamten Tun von Jörg Haider
gestanden." Er habe das Land spannender und offener gemacht. Dörfler
verwies auf die vielen wichtigen Projekte von Landeshauptmann Jörg
Haider. So den Bau der Koralmbahn oder Lippitzbachbrücke, die vielen
Betriebsansiedlungen oder die zahlreichen sozialen Maßnahmen wie
Kindergeld, Schulstartgeld oder Müttergeld. "Jörg, ich danke für das
Land Kärnten, du wirst immer da sein, deine Spuren sind ewig."
Vorarlbergs Landeshauptmann Herbert Sausgruber betonte, dass
Landeshauptleute aus allen Bundesländern gekommen seien, um dem Land
Kärnten und seiner Bevölkerung ihre Verbundenheit auszudrücken. "Jörg
Haider stand für Veränderung und Tradition, für Bewegung und
Polarisierung, für das offene Ansprechen von wichtigen Themen, aber
auch für Lösungen. Wir sollten in seinem Sinne, die Kraft zum
gemeinsamen Handeln für unser Land in den Vordergrund stellen."
Die große Anteilnahme zeige, dass Jörg Haider die Menschen bewegt
habe, sagte Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. "Er war jemand, der
niemanden kalt gelassen hat." Er zolle ihm Respekt und Anerkennung
über alle politischen Meinungsverschiedenheiten. "Jörg Haider war vom
Willen getragen, das Beste für seine Heimat und Kärnten zu tun."
Unter den zahlreichen Ehrengästen waren Bundespräsident Heinz
Fischer, Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, Vizekanzler Wilhelm
Molterer, die Minister Martin Bartenstein, Werner Faymann, Josef
Pröll, Staatssekretär Reinhold Lopatka, die Landeshauptleute Herbert
Sausgruber, Gabriele Burgstaller, Josef Pühringer, Erwin Pröll, Franz
Voves, Günther Platter, Hans Niessl und Wiens Bürgermeister Michael
Häupl. Weitere Trauergäste waren der frühere Bundeskanzler Wolfgang
Schüssel, Verfassungsgerichtshofpräsident Gerhard Holzinger,
Rechnungshofpräsident Josef Moser, ÖGB-Chef Rudolf Hundsdorfer,
Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl, außerdem die früheren
Minister Dieter Böhmdorfer, Herbert Scheibner, Mathias Reichhold,
Monika Forstinger, Karin Gastinger, Michael Schmid, Elisabeth Sickl,
Michael Krüger, Karl-Heinz Grasser, die Vizekanzler a. D. Hubert
Gorbach, Herbert Haupt und Susanne Riess-Passer sowie Norbert Steger
und Heinz Christian Strache. Aus Italien kamen der Präsident der
Region Friaul-Julisch Venetien, Renzo Tondo, und der Präsident der
Region Veneto, Gianfranco Galan. Aus Kärnten nahmen neben dem
Regierungskollegium mit dem amtsführenden Landeshauptmann Gerhard
Dörfler an der Spitze und Landtagspräsident Josef Lobnig zahlreiche
Vertreter des Landes und der Gemeinden, des Landtags und
Nationalrates, Vertreter der Wirtschaft und öffentlichen
Institutionen, von Kammern und Verbänden sowie der Exekutive und des
Sports teil.
Nach der Verabschiedung am Neuen Platz wurde der Sarg an
tausenden trauernden Menschen vorbei zum Dom gebracht, wo das
Heiliges Requiem stattfand. Es zelebrierten die Bischöfe Egon
Kapellari und Alois Scharz. Intoniert wurde Wolfgang A. Mozarts
Requiem in d, KV 626. Kapellari strich die jugendliche Dynamik und
die Handschlagqualität des Jörg Haider hervor. "Sein Maß war nie das
Mittelmaß, er war ein Mann mit Kämpferherz." Auch er sei als Bischof
über die Jahre mit dem Landeshauptmann in Verbundenheit gekommen,
sagte Kapellari.
Ergreifende Worte richtete Witwe Claudia Haider an die
Trauergäste. Sie dankte allen, die Worte und Zeichen der Anteilnahme
und der Trauer gespendet haben. "Das gibt viel Trost auf dem langen
steinigen Weg der Trauer." Sie dankte auch der Geistlichkeit für die
Unterstützung, namentlich dem Grazer Bischof Kapellari: "Sie haben es
in meiner dunkelsten Stunde geschafft, ein Licht des Trostes
anzuzünden." Claudia Haider dankte auch Domkapellmeister Thomas
Wasserfaller, "der uns mit seiner Musik getragen und emporgehoben
hat". Dank gab es auch für die Schwiegersöhne Paolo und Benedikt
sowie für die kleine Nichte Viktoria, die ihr in dieser Stunde "wie
ein Geschenk Gottes erschien". "Man muss nie verzweifeln, wenn etwas
verloren geht, ein großes Glück, eine helle Freude, ein geliebter
Mensch. Denn alles kommt noch viel herrlicher zurück", sagte Claudia
Haider und bat die Trauergäste um ein letztes "Vater unser" für
"meinen geliebten Mann Jörg".
(Schluss)
Rückfragehinweis:
Kärntner Landesregierung
Landespressedienst
Tel.: 05- 0536-22 852
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