Er war ein ganz Großer - Kärnten verabschiedete sich von Landeshauptmann Jörg Haider

Mehr als 25.000 Menschen bei Trauerfeierlichkeiten in Klagenfurt

Klagenfurt (LPD) - "Der Tod ist wie ein Dieb in der Nacht, er
reißt eine Lücke, die nicht mehr zu schließen ist." Worte am Anfang der Trauerfeierlichkeiten für Landeshauptmann Jörg Haider, die genau ausdrücken, was ganz Kärnten in diesen Tagen empfindet. Das Abschiednehmen begann heute, Samstag, um 11.00 Uhr mit einem Trauerakt im engsten Kreis im Landhaushof. Von dort wurde der Sarg von Landeshauptmann Jörg Haider auf den Neuen Platz gebracht, wo dann die Landestrauerfeier im Beisein von 400 Ehrengästen, vieler Trachtenvereine, Brauchtumsgruppen, Abordnungen aller Einsatzkräfte stattfand. Über 25.000 Menschen waren in die Landeshauptstadt gekommen, um von ihrem Landeshauptmann Abschied zu nehmen.

Nach Worten von Bischof Alois Schwarz und Superintendent Manfred Sauer und einem gemeinsamen "Vater Unser" sprach der langjährige Bergkamerad des Landeshauptmannes, Teddy Inthal. Er beschrieb gemeinsame Bergwanderungen, die für Jörg Haider jene seltenen Augenblicke seines Lebens gewesen seien, in denen er einmal nur an sich selbst gedacht habe. Fernab der Heldenverehrung aber sei er ein ganz Großer gewesen, so Inthal. "Das Abschiednehmen fällt so schwer, allein das Wiedersehen wird eine Freude."

Eine Welle von Trauer und Anteilnahme gehe durch das Land, die Österreich so noch nicht gekannt habe, sagte der frühere Justizminister Dieter Böhmdorfer. "Die Trauer ist echt und ehrlich, ein später Dank an Jörg Haider, der in dieser Form nicht erwartet werden konnte." Jörg Haider habe die Menschen verstanden, das machte seine Persönlichkeit aus. "Er hatte die Fähigkeit, andere zu begeistern und wurde zu einem bestimmenden Faktor der österreichischen Politik", so Böhmdorfer. Mittelpunkt seines Lebens sei aber immer seine Familie gewesen, er war ein treusorgender Familienvater. Im Zusammenhang mit der Berichterstattung der Medien rund um den Tod von Landeshauptmann Jörg Haider appellierte Böhmdorfer eindringlich an die Presse: "Denken sie doch an die Familie!"

"Kärnten trägt Trauer, wir verabschieden uns von einem ganz Großen", betonte der Klagenfurter Bürgermeister Harald Scheucher. Mit seiner offenen Art habe Jörg Haider alle Herzen berührt. Das zeige auch die große Anteilnahme, die kaum einem Politiker entgegen gebracht worden sei. "Ich bin dankbar, dass wir ihn in unserer Mitte wussten und ihm begegnen durften." Scheucher betonte weiters, dass Claudia Haider ihrem Mann eine große Stütze gewesen sei und nun den Verlust ihres Lebensmenschen zu beklagen habe. "Seht welch ein Politiker, seht welch ein Freund, seht welch ein Mensch. Wo immer du auch bist, Jörg, schau auf dein Land."

"Du hast mich immer vor schwierige Aufgaben gestellt, immer war ich dort wo du mich wolltest, heute aber stellst du mich vor meine schwierigste Aufgabe", sagte Landesrat Uwe Scheuch. Jörg Haider sei niemandem egal gewesen und niemand war Jörg Haider egal. Er wolle gar nicht auf die Politik Bezug nehmen, denn jeder wisse, wie Jörg Haider in den letzten 38 Jahren das Land gestaltet und die Politik geprägt habe, so Scheuch. Heute stehe der Mensch im Mittelpunkt, der dieses Land verändert habe. "Kärnten ist durch Jörg Haider schöner und ein gutes Stück besser geworden." Daher seien alle Kärntnerinnen und Kärntner aufgerufen, dieses Land in seinem Sinne weiter zu gestalten. "Wir sind es unserem Jörg schuldig."

"Die Sonne ist vom Himmel gefallen und die Uhren sind stehen geblieben an diesem 11. Oktober", sagte der amtsführende Landeshauptmann Gerhard Dörfler. Das sei keine Übertreibung, sondern das habe man nun eine Woche lang gespürt in Kärnten. "Es muss den Menschen gut gehen, das ist hinter dem gesamten Tun von Jörg Haider gestanden." Er habe das Land spannender und offener gemacht. Dörfler verwies auf die vielen wichtigen Projekte von Landeshauptmann Jörg Haider. So den Bau der Koralmbahn oder Lippitzbachbrücke, die vielen Betriebsansiedlungen oder die zahlreichen sozialen Maßnahmen wie Kindergeld, Schulstartgeld oder Müttergeld. "Jörg, ich danke für das Land Kärnten, du wirst immer da sein, deine Spuren sind ewig."

Vorarlbergs Landeshauptmann Herbert Sausgruber betonte, dass Landeshauptleute aus allen Bundesländern gekommen seien, um dem Land Kärnten und seiner Bevölkerung ihre Verbundenheit auszudrücken. "Jörg Haider stand für Veränderung und Tradition, für Bewegung und Polarisierung, für das offene Ansprechen von wichtigen Themen, aber auch für Lösungen. Wir sollten in seinem Sinne, die Kraft zum gemeinsamen Handeln für unser Land in den Vordergrund stellen."

Die große Anteilnahme zeige, dass Jörg Haider die Menschen bewegt habe, sagte Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. "Er war jemand, der niemanden kalt gelassen hat." Er zolle ihm Respekt und Anerkennung über alle politischen Meinungsverschiedenheiten. "Jörg Haider war vom Willen getragen, das Beste für seine Heimat und Kärnten zu tun."

Unter den zahlreichen Ehrengästen waren Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, Vizekanzler Wilhelm Molterer, die Minister Martin Bartenstein, Werner Faymann, Josef Pröll, Staatssekretär Reinhold Lopatka, die Landeshauptleute Herbert Sausgruber, Gabriele Burgstaller, Josef Pühringer, Erwin Pröll, Franz Voves, Günther Platter, Hans Niessl und Wiens Bürgermeister Michael Häupl. Weitere Trauergäste waren der frühere Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, Verfassungsgerichtshofpräsident Gerhard Holzinger, Rechnungshofpräsident Josef Moser, ÖGB-Chef Rudolf Hundsdorfer, Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl, außerdem die früheren Minister Dieter Böhmdorfer, Herbert Scheibner, Mathias Reichhold, Monika Forstinger, Karin Gastinger, Michael Schmid, Elisabeth Sickl, Michael Krüger, Karl-Heinz Grasser, die Vizekanzler a. D. Hubert Gorbach, Herbert Haupt und Susanne Riess-Passer sowie Norbert Steger und Heinz Christian Strache. Aus Italien kamen der Präsident der Region Friaul-Julisch Venetien, Renzo Tondo, und der Präsident der Region Veneto, Gianfranco Galan. Aus Kärnten nahmen neben dem Regierungskollegium mit dem amtsführenden Landeshauptmann Gerhard Dörfler an der Spitze und Landtagspräsident Josef Lobnig zahlreiche Vertreter des Landes und der Gemeinden, des Landtags und Nationalrates, Vertreter der Wirtschaft und öffentlichen Institutionen, von Kammern und Verbänden sowie der Exekutive und des Sports teil.

Nach der Verabschiedung am Neuen Platz wurde der Sarg an tausenden trauernden Menschen vorbei zum Dom gebracht, wo das Heiliges Requiem stattfand. Es zelebrierten die Bischöfe Egon Kapellari und Alois Scharz. Intoniert wurde Wolfgang A. Mozarts Requiem in d, KV 626. Kapellari strich die jugendliche Dynamik und die Handschlagqualität des Jörg Haider hervor. "Sein Maß war nie das Mittelmaß, er war ein Mann mit Kämpferherz." Auch er sei als Bischof über die Jahre mit dem Landeshauptmann in Verbundenheit gekommen, sagte Kapellari.

Ergreifende Worte richtete Witwe Claudia Haider an die Trauergäste. Sie dankte allen, die Worte und Zeichen der Anteilnahme und der Trauer gespendet haben. "Das gibt viel Trost auf dem langen steinigen Weg der Trauer." Sie dankte auch der Geistlichkeit für die Unterstützung, namentlich dem Grazer Bischof Kapellari: "Sie haben es in meiner dunkelsten Stunde geschafft, ein Licht des Trostes anzuzünden." Claudia Haider dankte auch Domkapellmeister Thomas Wasserfaller, "der uns mit seiner Musik getragen und emporgehoben hat". Dank gab es auch für die Schwiegersöhne Paolo und Benedikt sowie für die kleine Nichte Viktoria, die ihr in dieser Stunde "wie ein Geschenk Gottes erschien". "Man muss nie verzweifeln, wenn etwas verloren geht, ein großes Glück, eine helle Freude, ein geliebter Mensch. Denn alles kommt noch viel herrlicher zurück", sagte Claudia Haider und bat die Trauergäste um ein letztes "Vater unser" für "meinen geliebten Mann Jörg".
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