Wertpapierflaute reduziert Internationalisierungsdynamik

Internationale Vermögensposition Österreichs im Jahr 2007

Wien (OTS) - Die in den vergangenen Jahren rasant gewachsene Kapitalverflechtung Österreichs mit dem Ausland verlor 2007 angesichts turbulenter Finanzmärkte deutlich an Schwung. Geringere Zukäufe sowie Kursverluste ließen das im Ausland gehaltene Wertpapiervermögen nur geringfügig anwachsen. Im ersten Halbjahr 2008 ist nach ersten Schätzungen sogar mit rückläufigen Wertpapieraktiva zu rechnen. Rückenwind erhält Österreichs grenzüberschreitender Kapitalverkehr derzeit durch das Einlagen- und Kreditgeschäft der Banken. Der Trend zu diesen Instrumenten hat sich im 1. HJ 2008 zulasten von Wertpapieren noch verstärkt.

Die bislang beeindruckend dynamische Internationalisierung des heimischen Kapitalmarkts geriet mit den Finanzmarktturbulenzen im Jahr 2007 abrupt ins Stocken. Österreichs Internationalisierungsquote gemessen an der Summe der Aktiva (717 Mrd EUR) und Passiva (758 Mrd EUR) am BIP lag Ende 2007 mit 545% nur um rund 20 Prozentpunkte über dem Vergleichswert 2006. In den vorangegangenen Jahren war mit +53 Prozentpunkten (2006) bzw. +117 Prozentpunkten (2005) infolge intensiver Wertpapierveranlagungen deutlich mehr Schwung verzeichnet worden. Österreichs Nettoverpflichtungen im Ausland zeigten sich mit 41 Mrd EUR rückläufig (2006: 53 Mrd EUR).

Annähernd halbierte Wertpapierkäufe sowie Kursverluste im verzinslichen Segment von knapp 5 Mrd EUR ließen die Internationalisierungsdynamik im Jahr 2007 einbrechen. Kursgewinne an den bis Ende 2007 noch aufwärtsgerichteten Aktienmärkten sowie aus Investmentzertifikaten (+3,4 Mrd EUR) konnten diese Entwicklung nur teilweise kompensieren. Gleichzeitig sorgte der Wertgewinn des Euro gegenüber allen wichtigen Währungen - vor allem aber gegenüber dem US-Dollar - bei Fremdwährungsanlagen für Wechselkursverluste von 5,2 Mrd EUR. Ungünstig zeigten sich die Rahmenbedingungen auch für internationale Wertpapieranleger in Österreich, die mit einer schwachen ATX-Performance belastet wurden und insgesamt Kursverluste von 8,4 Mrd EUR erlitten. Für Anleger außerhalb des Euroraums wurde diese Entwicklung durch den starken Euro jedoch etwas entschärft. Die anhaltend starke Nachfrage nach österreichischen Anleihen in Höhe von 30 Mrd EUR (2006: 24 Mrd EUR) bewirkte im Jahr 2007 eine deutliche Ausweitung der heimischen Nettoverpflichtungen aus Wertpapieren auf -88 Mrd EUR (2006: -72 Mrd EUR).
Im 1. Halbjahr 2008 hat der Einbruch der Aktienmärkte nach vorläufigen Schätzungen aktiv- wie passivseitig Kursverluste von je rund 14 Mrd EUR bewirkt.

Stimuliert haben die schwierigen Verhältnisse an den Wertpapiermärkten dagegen das Einlagen- und Kreditgeschäft der Banken, dessen Risiko von Investoren als vergleichsweise gering eingestuft wird. Österreichs Auslandsforderungen erreichten in diesem Segment Ende 2007 trotz des ungünstigen Eurokursverlaufs mit 261 Mrd EUR ein Plus von 15% (2006: 227 Mrd EUR). Die Verpflichtungen stiegen um 4% auf 221 Mrd EUR. Im 1. HJ 2008 hat sich der Trend zum Einlagen-und Kreditgeschäft noch deutlich verstärkt: Die Aktiva dürften nach Schätzungen etwa 308 Mrd EUR (+18%), die Passiva rund 252 Mrd EUR (+14%) erreicht haben.

Deutlich gewachsen sind im Jahr 2007 auch die Bestände aus internationalen Unternehmensbeteiligungen (einschließlich Konzernkredite und sogenannte "Special Purpose Entities"). Österreichische Investoren hielten demnach ein Auslandsvermögen von 164 Mrd EUR, ausländische Direktinvestoren verbuchten in Österreich Forderungen von 168 Mrd EUR.

Österreichs offizielle Währungsreserven erreichten 12,4 Mrd EUR (2006: 9,8 Mrd EUR).

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