• 09.10.2008, 18:32:30
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Wie eitel ist HC Strache?

"Presse" - Leitartikel, vom 10.10.2008, von Oliver Pink

Wien (OTS) - Auch wenn die Vernunft dagegen spricht:
Schwarz-Blau-Orange ist möglich. Es hängt vom FPÖ-Obmann ab.

Die Regierungsbildung in Österreich hängt nicht zuletzt mit einer
Frage zusammen, die man wohl eher in den Bereich der
Tiefenpsychologie verorten müsste: Lässt sich Heinz-Christian
Strache, der belächelte Zahntechniker, der viel geschmähte, selten
ernst genommene Außenseiter des österreichischen Politikbetriebs, der
ehemalige Neonazi-Mitläufer, mit einem schönen Regierungsamt
korrumpieren? "Vizekanzler Heinz-Christian Strache" würde sich auf
einer Visitenkarte mit Bundesadler doch sehr gut machen. Schon an
Hubert Gorbach konnte man seinerzeit hervorragend beobachten, wie
leicht sich Politiker von ihrer eigenen Bedeutung auf Zeit blenden
lassen. Wie eitel ist nun also Heinz-Christian Strache?
Eines ist offensichtlich: Strache sonnt sich derzeit im Licht der
Öffentlichkeit. Er lädt zu Sondierungsgesprächen in sein Büro,
plaudert "Geheimtreffen" aus, kommentiert täglich aufs Neue die
aktuelle innenpolitische Lage. Kurzum: Er erfreut sich an seiner
plötzlichen Wichtigkeit.
Es würde jedoch nicht verwundern, würde Strache am Ende erklären: Er
wäre ja so gerne in eine Regierung gegangen, aber leider hätten ihn
die rot-schwarzen Systemparteien wieder einmal ausgegrenzt - einen
Vorwand dafür findet er schon -, sodass er nun weiterhin erfolgreich
Opposition für Österreich betreiben müsse.
Denn man soll sich nicht täuschen: Straches aktueller
Regierungsverantwortungskuschelkurs ist zu einem großen Teil Taktik,
um die Bedeutung seiner selbst und der Freiheitlichen Partei zu
steigern. Denn nüchtern betrachtet, sieht die Sache doch so aus: Als
die FPÖ im Jahr 2000 in die Regierung ging, hatte sie 26,9 Prozent.
Nach der Wahl 2002 hatte sie nur noch 10,01 Prozent. Danach zerfiel
die Partei in zwei Teile. Nach eineinhalb Jahren in der Opposition
konnte die FPÖ nun ohne viel eigenes Zutun 6,5 Prozentpunkte
hinzugewinnen, das BZÖ sogar 6,6 Prozentpunkte.
Es ist immer dasselbe, es war schon in den Achtzigerjahren bei der
ersten Regierungsbeteiligung der FPÖ so: Ist das Dritte Lager in
einer Koalition, verliert es. Ist es in der Opposition, gewinnt es.
Diese Überlegung ist auch dem Führungszirkel der FPÖ nicht fremd,
schon gar nicht deren Basis. Es gibt dort niemanden, der wieder
unbedingt in eine Regierung möchte. Die Opposition gilt dem
Parteivolk als natürliches Biotop der FPÖ. Aber man lässt Strache
einmal spielen. In der Hoffnung, dass er den Wert der Partei in die
Höhe treibt, letztlich aber doch vor einer Regierungsbeteiligung
zurückschreckt.
Anders ist das beim BZÖ. Jörg Haider will wieder mitregieren, die
Schmach vom letzten Mal tilgen. Seine Mitstreiter hoffen schon auf
schöne Ämter. Denn die BZÖ-Freiheitlichen sind mehr Pragmatiker als
Ideologen. Sie wissen: Wer in Wien an der Macht ist, der kann auch
etwas verteilen. Da fällt dann auch noch für den kleinen
BZÖ-Bürgermeister im hintersten Kärntner Tal etwas ab. Was schon
einmal bewiesen worden wäre.
Für die Haider-Partei ist die ÖVP der natürliche Koalitionspartner.
Für die Strache-Partei jedoch nicht, und das macht die
schwarz-blau-orange Option noch unwahrscheinlicher. Denn die FPÖ
steht der SPÖ näher, in der Sache, aber auch atmosphärisch. Die
Sozialdemokraten schätzen die Handschlagqualität der Freiheitlichen,
zuletzt einmal mehr beim Faymann-Paket erprobt. Die Freiheitlichen
wiederum haben es der ÖVP nicht verziehen, dass Wolfgang Schüssel sie
"zerstören" wollte - um in der blauen Diktion zu bleiben.
Und dann wäre da noch das Faktum, dass auch Blau und Orange einander
nach wie vor nicht grün sind. Ein freundliches Treffen zwischen Jörg
Haider und Heinz-Christian Strache reicht noch nicht aus, um all die
gegenseitigen Verwundungen, Beleidigungen und Hinterhältigkeiten der
vergangenen Jahre vergessen zu machen. Die Abneigung ist auf
FPÖ-Seite allerdings - wohl nicht ohne Grund - deutlich größer.

Ganz auszuschließen ist Schwarz-Blau-Orange dennoch nicht. So nah wie
jetzt war man einander schon lange nicht mehr. Wie gesagt: Im Dritten
Lager hängt es lediglich von Heinz-Christian Strache ab. Die SPÖ kann
nur hoffen, dass der freiheitliche Geck nicht eitel genug ist. Sonst
droht ihr doch der Gang in die Opposition.
Wobei noch die Frage zu beantworten wäre: Macht ÖVP-Chef Josef Pröll
da überhaupt mit? Derzeit sieht es nicht danach aus. Aber die
Verlockung ist groß. Die schwarze Nachwuchshoffnung, der langjährige
Kronprinz wäre mit einem Schlag Kanzler. Und Eitelkeit ist
bekanntlich keine rein freiheitliche Kategorie.

Rückfragehinweis:
[email protected]

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