- 03.09.2008, 10:12:21
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Kein Leben ohne Totholz
Wertvoller Lebensraum für 4500 Tier- und Pflanzenarten - Bundesforste und Naturschutzbund bringen neue Broschüre zu Totholz heraus
Wien, 3. September 2008 (OTS) - Früher oft als Zeichen eines
"unaufgeräumten" Waldes missverstanden, erlangt Totholz, auch
Biotopholz genannt, heute wieder seine ursprüngliche Bedeutung. Nicht
genutztes totes und absterbendes Holz bildet eine wichtige
Lebensgrundlage für zahlreiche, teils bedrohte Arten und stabilisiert
das Ökosystem Wald. Die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) haben
daher gemeinsam mit dem Naturschutzbund Oberösterreich im Rahmen der
Kampagne überLEBEN den Folder "Aktiv für Totholz" herausgebracht.
"Mit der Broschüre geben wir unser Wissen an Forstleute, Landwirte
und alle Interessierten weiter und geben Tipps für die Praxis",
erklärt ÖBf- Vorstandssprecher Georg Erlacher das ökologische
Engagement der Bundesforste. Die Publikation ist auch ein Beitrag zur
europäischen Naturschutz-Initiative "Countdown 2010" zur Erhaltung
der Artenvielfalt.
Totholz fördert Biodiversität
Mehr als ein Drittel der rund 13.000 im Wald befindlichen
Pflanzen-, Pilz- und Tierarten - rund 4500 Organismen - sind an
Totholz gebunden. "Totholz trägt in erheblichem Maße zur biologischen
Vielfalt und Naturnähe unserer Wälder bei", so Erlacher, der für
Forstwirtschaft und Naturschutz zuständig ist. "Eine nachhaltige
Forstwirtschaft muss deshalb neben gesunden Bäumen auch für genügend
Totholz sorgen, um Biodiversität in den heimischen Wäldern zu
erhalten und zu fördern, sofern keine Beeinträchtigung des
umliegenden Waldes durch Waldschädlinge besteht." Biotopholz bietet
nicht nur Lebensraum und Nahrung für viele Organismen: Es beeinflusst
das Kleinklima positiv, dient als Erosionsschutz und
Kohlenstoffspeicher, schafft bessere Voraussetzungen für die
natürliche Verjüngung des Waldes und liefert wertvolle Nährstoffe für
die nächste Baumgeneration.
Xylobionten - die Bewohner des Holzes
Für die im Holz oder vom Holz lebenden Arten wird oft der Begriff
"Xylobionten" verwendet, der sich aus den griechischen Wörtern
"xylos" für "Holz" und "bios" für "Leben" ableitet. Dazu zählen
zahlreiche Wirbeltiere, Insekten, Pflanzen, Pilze und über 1300
Käferarten wie etwa der Große Eichenbock, der Hirschkäfer oder der
Alpenbock. Auch Vögel nutzen Totholz als ihr Lebensrevier.
"Abgestorbene Bäume sind für Spechte, die viele forstwirtschaftlich
schädliche Insekten vertilgen, von großer Bedeutung", erläutert
Erlacher. "Der Dreizehenspecht etwa frisst pro Tag 2000 Borkenkäfer
und deren Larven." Die durch die Tätigkeit der Spechte entstandenen
Höhlen sind wiederum attraktive Nistplätze für Meisen, Kleiber, Eulen
und andere Vögel. Auch Fledermäuse benötigen die Baumhöhlen als
Tagesversteck und zur Jungtieraufzucht. Blindschleichen,
Feuersalamander und Molche nutzen Totholz gerne als
Überwinterungsplatz.
Baumzerfall dauert bis zu 100 Jahre
Totholz entsteht durch verschiedene Ursachen wie natürliche
Absterbeprozesse, Insektenschäden, Schneebruch, Sturm, Feuer oder
Blitz. Auch im Zuge der forstlichen Bewirtschaftung fällt Totholz an
wie Baumstrünke, Wipfelteile, Äste oder Stamm-abschnitte. Der
Totholzanteil in den Wäldern der Bundesforste liegt mit 8,7
Festmetern pro Hektar leicht über dem Durchschnitt. Urwaldartige
Wälder können einen Totholzvorrat bis zu 50 Festmeter pro Hektar
aufweisen. "Bis ein Baum vollständig abgebaut ist und zu Humus wird,
kann es bis zu 100 Jahre dauern", erklärt Erlacher. Der Zerfall des
Holzes erfolgt je nach Baumart, Holzstärke, Sonne und Feuchtigkeit
mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Die Zersetzung einer Eiche
braucht rund 50 Jahre, während eine Buche angesichts des fehlenden
Kerns relativ schnell zersetzt wird. "Im Sinne eines integrativen
Naturschutzes sollen die Wälder auch außerhalb von
Naturwaldreservaten und Nationalparks einen ausreichenden Vorrat an
Alt- und Totholz aufweisen, damit die Artenvielfalt in den heimischen
Wäldern langfristig gesichert ist", so Erlacher abschließend.
Broschüre und Downloads
Die Broschüre kann bei den Österreichischen Bundesforsten unter Tel.
(02231) 600-311 oder per E-Mail an
[email protected] kostenlos angefordert werden.
Download Pressefotos & Broschüre unter www.bundesforste.at
Rückfragehinweis:
Österreichische Bundesforste AG
Mag. Pia Buchner / Unternehmenskommunikation
Tel.: 02231 / 600-217
E-Mail: [email protected]
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