- 20.08.2008, 21:55:29
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"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Die Rückkehr des Schreckens" (Von FLOO WEISSMANN)
Ausgabe vom 21. August 2008
Innsbruck (OTS) - Russland und die USA haben sich auf einen
gefährlichen Kollisionskurs eingelassen. Das kann langfristig auch
die Sicherheit Europas bedrohen, in der sich viele Europäer nach dem
Ende des Kalten Kriegs schon wohlig eingerichtet haben. Der
US-Raketenschild in Polen, der gestern vertraglich fixiert wurde,
belegt erneut, dass Washington und Moskau die Konfrontation in einer
neuen Aufrüstungsspirale suchen. Zu diesem Zweck spielen beide Seiten
der Welt etwas vor.
"Schurken" wie der Iran und Nordkorea sind auf absehbare Zeit nicht
in der Lage, die USA mit Atomraketen anzugreifen, die von Polen aus
abgeschossen werden könnten. Auch der US-Raketenschild funktioniert
technisch noch gar nicht. Washington hatte es also gar nicht
notwendig, diesen fiktiven Krieg der Zukunft ausgerechnet jetzt zu
paraphieren, wo die Beziehungen mit Russland wegen Georgien ohnehin
schon angespannt sind.
Aber auch Russlands Empörung hat wenig mit den Fakten zu tun. Was
sollen zehn US-Abfangraketen in bequemer Reichweite der russischen
Luftwaffe schon gegen die Armada russischer Atombomben ausrichten,
die auf dem Weg in Richtung USA ohnehin nicht über Polen fliegen
würden? Es besteht also keine unmittelbare Bedrohung für Russland.
Im Kalten Krieg war vom Gleichgewicht des Schreckens die Rede. Das
Nachfolgestück, das Washington und Moskau nun auf der Weltbühne
inszenieren, heißt demnach "Rückkehr des Schreckens". Veteranen
beider Seiten pokern wieder mit Provokation und strategischen
Potenzialen. Und ehemalige Ostblock-Staaten wie Polen und Tschechien,
die gegen Russland lieber die USA als die EU zu Hilfe rufen, ziehen
Europa mit hinein.
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