• 18.07.2008, 11:14:49
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Dorner weist Leitl-Vorwürfe zurück

Mehr demokratische Demut erforderlich - Gesundheitssystem ist kein Großkonzern

Wien (OTS) - Befremdet reagierte Freitag der Präsident der
Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) Walter Dorner auf die Feststellung
des Wirtschaftskammerpräsidenten Christoph Leitl in einem Interview
mit "Die Presse", die Ärztekammer sei die Nummer eins unter den
Torpedos bei der gescheiterte Kassensanierung gewesen. Daraus spreche
"gekränkte Eitelkeit, dass das Diktat der Wirtschaftkammer ins Leere
gelaufen sei". Dorner forderte zur Mäßigung im Ton auf und
bekräftigte "die konstruktive Gesprächsbereitschaft der Ärztinnen und
Ärzte zur Beseitigung der prekären Situation der Krankenkassen".

Leitl dürfe sich nicht wundern, dass das von der Wirtschaftkammer
oktroyierte Konzept am Widerstand des Parlaments, der Länder, der
Bevölkerung und der Ärzte gescheitert sei. Auch der Wirtschaft und
ihren Spitzenrepräsentanten empfehle sich mehr "demokratische Demut
und weniger kapitalistischer Hochmut". Man könne an ein soziales und
partnerschaftlich getragenes Gesundheitssystem nicht mit den Methoden
eines internationalen Großkonzerns herangehen. Dorner: "Es ist
notwendig, alle betroffenen Gruppen miteinzubeziehen, um einen in der
Sache gedeihlichen Kompromiss zu finden."

Dorner wies in der Folge Leitls Vorwurf, die Ärzte seien im Umgang
mit der Wirtschaftskammer emotionalisiert, zurück. Seit Jahren habe
die Wirtschaftskammer zeitgemäße Entwicklungen zur Neuorganisation
der Ordinationen im niedergelassenen Bereich "aus Eigeninteresse"
boykottiert. So gebe es bis heute keine von den Ärzte
vorgeschlagenen ärztlichen Kooperationsmodelle zur Entlastung der
Spitäler. Positiv vermerkt der Ärztechef Leitls Einsicht, dass zur
Finanzierungssicherung der Krankenkassen die Rückführung der vom Bund
den Kassen aufgezwungenen versicherungsfremden Leistungen notwendig
sei. "Das ist der eigentliche Grund für die schwierige Finanzlage der
sozialen Krankenversicherungen, machen doch diese Beträge im Jahr
mehrere hundert Millionen Euro aus", sagte Dorner.

Abschließend bezweifelte Dorner, ob der Wirtschaftkammerpräsident in
Fragen des Gesundheitssystems "auch immer objektiv und sachlich
richtig beraten ist". Die Vergangenheit habe gezeigt, dass die
Wirtschaftsvertreter bei Themen der Gesundheitsreform "oftmals
eindimensional ohne Rücksicht auf das Gesamtinteresse" vorgegangen
seien.

Rückfragehinweis:
Pressestelle der
Österreichischen Ärztekammer
Tel.: (++43-1) 513 18 33

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