- 01.07.2008, 14:38:54
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2008: Wirtschaftswachstum legt niedrigeren Gang ein
Konjunkturumfrage der Wirtschaftskammer Salzburg: Unternehmer noch durchwegs optimistisch, aber Unsicherheit nimmt zu
Salzburg (OTS) - Die starke konjunkturelle Dynamik der Salzburger
Wirtschaft der beiden vergangenen Jahre mit einem durchschnittlichen
jährlichen Wachstum von rund 3,5% bremst sich im heurigen Jahr vor
allem aufgrund der verschlechterten internationalen Rahmenbedingungen
deutlich ein. Das zeigen sowohl die bisher vorliegenden
regionalstatistischen Daten als auch die neuesten Ergebnisse der
Konjunkturumfrage der Wirtschaftskammer Salzburg, die von
WKS-Direktor Dr. Hans Bachleitner und dem Leiter der
Wirtschaftspolitischen Abteilung in der WKS, Dkfm. Bernd Gaubinger,
in einem Pressegespräch präsentiert wurden.
Die zur Untermauerung der Wirtschaftsberichterstattung heuer zum
dritten Mal durchgeführte Konjunkturumfrage umfasst Unternehmen aus
allen Bereichen der Salzburger Wirtschaft. Die repräsentativen
Ergebnisse, die auf den Antworten von 269 Betrieben mit rund 25.500
Beschäftigten basieren, vermitteln insgesamt eine nach wie vor
positive, wenngleich nicht euphorische, Grundstimmung sowohl was die
aktuelle Geschäftslage, die Auslastung der betrieblichen und
personellen Kapazitäten als auch den Auftragsbestand betrifft. "Im
Hinblick auf die Erwartungen für den weiteren Verlauf des Jahres 2008
ist jedoch die Haltung der UnternehmerInnen in durchwegs allen
Branchen von zunehmender Unsicherheit über die kommende
Wirtschaftsentwicklung geprägt", stellte WKS-Direktor Dr. Hans
Bachleitner fest. Sorgen bereiten vor allem die zunehmend unsichere
Auftragslage, der Preisdruck im Zusammenhang mit den steigenden
Kosten auf der Beschaffungsseite, insbesondere bei den Rohstoffen,
aber auch die merkliche Eintrübung des internationalen
Wirtschaftsklimas.
"Salzburgs Wirtschaft hat in den vergangenen drei Jahren insgesamt
ein reales Wachstum von fast 10% erreicht. Unsere Betriebe sind
höchst leistungsfähig, was sich auch in hervorragenden
Beschäftigungsdaten zeigt. Jetzt legt die Konjunktur einmal eine
Atempause ein. Diese Pause darf nicht zum Dauerphänomen werden",
fordert Bachleitner eine aktive Wachstumspolitik ein: "Nur mit
ausreichendem Wachstum kann die Beschäftigung gehalten werden und
können wir uns unsere teuren sozialen Netze leisten!" Die Politik
müsse daher nun endlich ihren Schwerpunkt vom Streiten auf eine neue
wachstumsfördernde Standortpolitik verlagern:
- Die kommende Steuerreform muss die Vorschläge der Wirtschaft
berücksichtigen, etwa die Sechstelbegünstigung für Selbstständige
nach dem Modell des 13./14. Gehalts für Unselbstständige, den Entfall
von Bagatellsteuern wie etwa die Werbeabgabe oder die
Kreditvertragsgebühr.
- Auch für die Wirtschaft ist es wichtig, dass die kalte
Progression nicht noch mehr von den Löhnen und Gehältern wegfrisst.
"Der Staat kassiert zurzeit über Gebühr, was den Konsumenten, noch
dazu in Zeiten höherer Teuerungsraten, bei ihren Haushaltsausgaben
fehlt. Die Steuerreform muss daher dringend eine Regelung beinhalten,
welche die Steuerprogression verhindert und die Tarifstruktur an die
Teuerung anpasst. Unternehmer und Mitarbeiter müssen mehr vom
Wachstum haben als bisher."
- Neben der finanziellen Unterstützung für Haushalte und Pendler
müsse aber auch Transporteuren und allen Branchen, die ebenfalls von
den explodierenden Treibstoffpreisen betroffen sind, kurzfristig und
vorübergehend Hilfestellung gegeben werden.
- Ebenso sei eine Entlastung bei den Lohnnebenkosten überfällig
sowie eine wirksame Verwaltungsreform zugunsten von Entlastung und
Zukunftsinvestitionen.
Noch relativ gute Geschäftslage und Erwartungen im saisonüblichen
Rahmen
Die aktuelle Geschäftslage wird derzeit von knapp der Hälfte
(48,7%) der Betriebe als gut und von 40,4% als zufriedenstellend
bezeichnet (November des Vorjahres 56% bzw. rund 40%). Der Anteil der
Betriebe mit schlechter Geschäftslage stieg auf 10,9% (4,6% im
November). Auch die Geschäftsentwicklung für die kommenden sechs
Monate ist bei rund 32,4% der befragten Unternehmen noch gut und bei
58,7% normal (saisonüblich), allerdings sind hier auch die schlechten
Erwartungen auf 8,9% (von 3,7% im November) gestiegen.
Dementsprechend verhalten ist die erwartete Gesamttendenz zu
bewerten, zumal 65% der Betriebe zwar von einem gleichbleibenden
Niveau ausgehen, sich aber die erwartete Verbesserung mit 17,9%
(November 27,1%) und die angenommene tendenzielle Verschlechterung
nunmehr mit 17,1% (November 9,8%) die Waage halten.
Strukturell betrachtet stellen sich die Dienstleistungsbranchen
optimistischer als der produzierende Bereich dar. So wird die
derzeitige Geschäftslage von den Betrieben der Sparte Information und
Consulting am günstigsten bewertet, 56,3% beurteilen die aktuelle
Lage gut und 43,8% sehen eine gute Geschäftsentwicklung in den
nächsten sechs Monaten. Ähnlich die Betriebe des Handels mit 55,6%
bzw. 35,3%, während etwa die Betriebe der Industrie, aber ausgehend
von einem extrem hohen Vorjahresniveau, die derzeitige Lage und die
zu erwartende Entwicklung nur noch zu 43,1% bzw. 32,0% als gut
bewerten.
Auftragsbestand und -entwicklung weitgehend stabil
Die aktuelle Auftragslage der Salzburger Wirtschaft stellt sich nicht
mehr ganz so positiv wie im November des Vorjahres, aber insgesamt
als durchaus zufriedenstellend dar: So wird der derzeitige
Auftragsbestand von 52,9% der Betriebe als gut (November 58,6%), von
36,4% als befriedigend bzw. normal (35,3%) und nunmehr von 10,7%
(6,0%) als schlecht bzw. zu gering bezeichnet. Insgesamt rund 85,3%
der Unternehmen weisen wieder gleichbleibende oder steigende
Auftragseingänge auf, 14,7% eher rückläufige. Die Auftragserwartungen
in sechs Monaten werden immerhin von rund 88,1% positiv, d. h. 38,7%
gut, 49,4% befriedigend, gesehen (November 96,2%).
Hinsichtlich der Anlagenkapazitäten besteht bei fast der Hälfte
aller Betriebe (48%) eine befriedigende Auslastung, ein Drittel (33%)
der Betriebe weist eine optimale Auslastung auf und 12,7% melden
Vollauslastung bzw. fehlende Kapazitäten. Der Anteil jener Betriebe,
die schlecht ausgelastet sind, ist auf 6,3% (November 2007 3,3%)
angestiegen.
Weiterhin hoher Personalbedarf
Die nach wie vor gute Arbeitsmarktlage des Landes Salzburg wird auch
mit dieser Umfrage deutlich: Während 62,1% der Firmen derzeit über
ausreichend Personal verfügen, ist erneut bei knapp einem Viertel
(24,2%) ein zusätzlicher Personalbedarf (vor allem Facharbeiter,
nicht nur im technischen Bereich) gegeben. In den nächsten sechs
Monaten wollen immerhin 29,3% der Betriebe ihren Personalstand
erhöhen (November 26,4%), 56,8% den derzeitigen Stand halten. 13,9%
sehen einen sinkenden Personalstand (November 16,3%) voraus.
Die innerbetriebliche Lohnentwicklung stellt sich angesichts dieser
Aussichten ähnlich wie im Vorjahr dar: So wollen 68,3% der
Unternehmer die Lohn- und Gehaltskosten auf gleichem Niveau belassen
(November 60,9%) und 30,6% werden in den nächsten sechs Monaten über
kollektivvertragliche Änderungen hinaus steigende Kosten in Kauf
nehmen (November 38,6%).
Ertragslage noch zufriedenstellend, aber verstärkter Kostendruck
Ein getrübtes Bild zeigt sich bei der Ertrags- und Kostenentwicklung
der Unternehmen. Einerseits fällt die Beurteilung der Ertragslage
zwar insgesamt noch vorwiegend positiv aus: So wird die derzeitige
Ertragslage von 35,6% der Betriebe als gut (November 39,5%) und von
48,3% als zufriedenstellend bezeichnet, allerdings sehen rund 16% sie
als schlecht an (November 2007: 10,0%). Für die kommenden sechs
Monate wird sich dieser Trend aus der Sicht der Betriebe weiterhin -
mit 30,0% guter und 56,5% befriedigender Ertragserwartung -
fortsetzen.
Zum anderen ist der Kostendruck weiterhin deutlich spürbar. So
rechnen 76,2% (November 79,9%) der Betriebe in den kommenden sechs
Monaten mit weiteren Kostensteigerungen bei Waren- bzw.
Rohstoffeinkäufen, Energie usw. Angesichts des sich konjunkturbedingt
wieder verschärfenden Wettbewerbs werden demgegenüber nur 33,6% der
Betriebe ihre Verkaufspreise erhöhen (November 53,7%) und 54,7% ihre
Verkaufspreise gleichhalten (November 37,5%).
Vollbeschäftigung in Salzburg und weiter steigendes
Steueraufkommen
Obwohl der hohen Dynamik zu Jahresbeginn nunmehr eine spürbare
Abschwächung des regionalen Wirtschaftswachstums folgt, ist die
Entwicklung am Salzburger Arbeitsmarkt äußerst zufriedenstellend und
durch Vollbeschäftigung gekennzeichnet.
So ist in den ersten fünf Monaten die Zahl der unselbstständig
Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erneut um über 3,2%
bzw. rund 7.400 auf 236.959 gestiegen und die Zahl der Arbeitslosen
um rund 9% bzw. knapp 1.000 Personen gesunken; somit liegt die
Arbeitslosenrate Ende Mai bei 3,9%, d. h. deutlich unter dem
Österreichdurchschnitt von 5,1%. Ebenso bemerkenswert ist auch der
Anstieg der offenen Stellen bis Mai dieses Jahres um weitere 100 (+
3,1%) auf über 3.130.
Das noch relativ starke Wirtschaftswachstum der ersten Monate des
Jahres 2008 schlägt sich auch in einem weiteren Anstieg des
Steueraufkommens nieder. Die gemeinschaftlichen Bundesabgaben sind in
Salzburg von Jänner bis April d. J. um 5,3% gestiegen, somit leicht
stärker als das gesamtösterreichische Aufkommen (+ 4,9%). Das
Aufkommen an Umsatzsteuer hat sich in den bisher verfügbaren Monaten
in Salzburg mit + 2,9% entsprechend dem Österreichdurchschnitt (+
3,2%) erhöht.
Wachstumsprognose 2008 bei 2%
Die von der Wirtschaftskammer Salzburg im Dezember des Vorjahres für
2008 prognostizierte Abschwächung der Konjunktur in Form einer
"weichen Landung" wird durch die vorliegenden regionalstatistischen
Daten und Umfrageergebnisse bestätigt.
Trotz der Verschlechterung der internationalen Konjunktur erweist
sich die Salzburger Wirtschaft, ähnlich wie gesamtösterreichisch,
dank ihrer ausgewogenen und diversifizierten Wirtschaftsstruktur als
äußerst robust. Unsicherheitsfaktoren neben der hohen Inflation sind
das internationale Wirtschaftsklima und die Investitionen. Von
besonderer konjunkturpolitischer Bedeutung wäre daher eine Stärkung
der Kaufkraft der Haushalte bzw. der gesamtwirtschaftlichen
Konsumnachfrage durch eine rasche und substanzielle Steuerreform. Als
Wachstumsträger dürften sich die Exporte und der
Dienstleistungssektor erweisen, während die Industrie und die
Bauwirtschaft das extrem hohe Tempo der beiden Vorjahre nicht mehr
halten können. Insgesamt kann somit für Salzburg mit einem realen
Wachstum von rund 2% gerechnet werden, das zwar etwas unter dem
Prognosewert für Österreich von 2,3% (Wirtschaftsforschungsinstitut),
aber noch deutlich über dem Wachstumspfad des gesamten Euroraumes
(1,7%) liegt.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Salzburg
Presseabteilung
Tel.: 0662/8888 DW 345
mailto:[email protected]
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