- 20.06.2008, 10:11:26
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OeNB - Schwierige Rahmenbedingungen für das österreichische Finanzsystem
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Wien (OTS) - "Das österreichische Finanzsystem hat sich angesichts
der anhaltenden Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten
bewährt und als krisenfest erwiesen", stellte Direktor Christl
anlässlich der Präsentation der 15. Ausgabe des
Finanzmarktstabilitätsberichts der OeNB fest. "Obwohl die
österreichischen Banken von den internationalen
Finanzmarktturbulenzen nicht gänzlich verschont wurden, haben sie
ihre Ertragskraft weiter verbessert. Auch ihre Ausstattung mit
Eigenmitteln ist weiterhin als solide zu bezeichnen. Die finanzielle
Situation der Unter-nehmen und Haushalte ist weiterhin gut, auch wenn
sich die Finanzierungsbedingungen etwas verschärft haben und bei
Aktienveranlagungen Bewertungsverluste zu registrieren waren."
Verschärfte Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und Haushalte
Die österreichische Wirtschaft präsentierte sich im ersten Quartal
2008 nach wie vor in einer relativ guten Verfassung, die Perspektiven
haben sich allerdings infolge der internationalen
Finanzmarktturbulenzen und der Rohstoffpreishausse etwas eingetrübt.
Durch das anhaltende Gewinnwachstum verbesserte sich das
Innenfinanzierungspotenzial der Unternehmen im Jahr 2007 weiter. Wie
Direktor Christl hervorhob, "machten sich in der
Unternehmensfinanzierung die Anspannungen auf den Finanzmärkten vor
allem bei der Kapitalaufbringung über den Aktienmarkt bemerkbar,
während sich in der Entwicklung der Bankkredite bis zuletzt keine
Abschwächung erkennen ließ." Allerdings war in den letzten Quartalen
eine stärkere Differenzierung der Kreditvergabe nach
Risikogesichtspunkten zu registrieren.
Überdies führten die Finanzmarktturbulenzen zu höheren
Finanzierungskosten für die Unter-nehmen und privaten Haushalte -
sowohl für die Aufnahme von Fremdkapital als auch von Eigenkapital.
Angesichts des hohen Anteils variabel verzinster Kredite übertrugen
sich die gestiegenen Zinsen rasch in eine höhere Kostenbelastung der
Unternehmen und Haushalte.
Die Kreditaufnahme der Haushalte schwächte sich im Verlauf des
abgelaufenen Jahres ab. Gleichzeitig verringerte sich der
Fremdwährungsanteil an den Krediten um 3 Prozentpunkte auf 28%.
Dennoch weist die Finanzierungsseite des Haushaltssektors nach wie
vor beträchtliche Wechselkursrisiken auf. Darüber hinaus hatten die
Haushalte im zweiten Halbjahr 2007 bei der Veranlagung in Aktien und
Investmentfonds erhebliche Bewertungsverluste hinzunehmen, die auch
die Performance von aktienbasierten Vorsorgeinstrumenten und
Tilgungsträgern von Fremdwährungskrediten beeinträchtigten.
Allerdings weisen jene Haushalte, die in Kapital-marktpapiere
veranlagen, überdurchschnittlich hohe Einkommen und Vermögen und
damit überwiegend eine hohe Risikotragfähigkeit auf.
Österreichs Banken von Finanzmarktturbulenzen nur indirekt
betroffen
"Die österreichischen Banken sind von den Finanzmarktturbulenzen
direkt in vergleichsweise geringem Ausmaß betroffen. Der
Abwertungsbedarf bei strukturierten Kreditprodukten ist im
internationalen Vergleich verhältnismäßig gering und beschränkt sich
auf rund 1,1 Mrd. EUR für alle österreichische Banken im Jahr 2007,
sowie 550 bis 750 Mio EUR im 1. Quartal 2008.", führte Direktor
Christl weiter aus. Die geringe Betroffenheit war nicht zuletzt auf
ihre starke Orientierung auf Zentral-, Ost und Südosteuropa
zurückzuführen. Den indirekten Einflüssen der Turbulenzen konnten
sich die Banken allerdings nicht entziehen: Refinanzierungen auf dem
Interbankenmarkt gestalteten sich auch für österreichische Banken
schwieriger, außerdem bescherten ihnen Wertschwankungen auf den
Kapitalmärkten Einbußen im Handelsgeschäft.
Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen zeigte der Bankensektor
im Jahr 2007 eine günstige Entwicklung. Einen wesentlichen Beitrag
dazu leistete wieder das anhaltend dynamische Engagement der
österreichischen Banken in Zentral-, Ost- und Südosteuropa. Im Jahr
2007 stammten bereits 25,7% der Gesamtbilanzsumme und 42,6% des
konsolidierten Gewinns vor Steuern aller österreichischen Banken aus
diesem Geschäftsfeld.
Aber nicht nur im internationalen Geschäft, auch im Inland konnten
die Banken ihre Erträge steigern. Getragen vom Provisions- sowie vom
Beteiligungsgeschäft stieg das Betriebsergebnis im Jahr 2007 um
14,5%, die (unkonsolidierte) Aufwand-Ertrag-Relation verbesserte sich
von 65% auf 62%.
Insgesamt weisen die österreichischen Kreditinstitute weiterhin
eine gute Risikotragfähigkeit auf. Darauf deutet nicht nur die
stabile Eigenmittelausstattung hin, auch Stress Tests zeigen die gute
Schockresistenz des österreichischen Bankensektors. Dies bestätigte
auch der IWF im Rahmen eines Updates der FSAP-Länderprüfung
(Financial Sector Assessment Program).
Als mögliche Risikofaktoren für die zukünftige
Stabilitätsentwicklung nannte Direktor Christl die anhaltenden
Verwerfungen an den Finanzmärkten, mögliche Auswirkungen des
internationalen Konjunkturabschwungs auf Unternehmensergebnisse, die
Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen für die
realwirtschaftlichen Sektoren durch die gestiegenen Zinsen sowie eine
nach wie vor hohe Exponierung der privaten Haushalte gegenüber
Wechselkurs- und Aktienkursrisiken. In Bezug auf die Banken verwies
er auf die trotz einer gewissen Beruhigung seit März 2008 weiterhin
angespannte Situation am Interbankenmarkt sowie die anhaltend hohe
Volatilität auf den internationalen Finanzmärkten, die sowohl das
Handels- als auch das Provisionsgeschäft der Banken weiter
beeinträchtigen könnten.
Der halbjährlich erscheinende Finanzmarktstabilitätsbericht der
OeNB enthält regelmäßige Analysen finanzmarktstabilitätsrelevanter
Entwicklungen in Österreich und im internationalen Umfeld. Daneben
werden im Rahmen von Schwerpunktartikeln auch gesonderte Themen
behandelt, die im Zusammenhang mit der Stabilität der Finanzmärkte
stehen. In der aktuellen Ausgabe sind dies ein Stress-Test für das
österreichische Finanzsystem, die Relevanz der Netzwerktopologie für
die Stabilität von Zahlungssystemen, die Berechnung des
Portfoliorisikos im Rahmen der Eigenkapitalvorschriften sowie
Auswirkungen der aktuellen Turbulenzen auf den internationalen
Finanzmärkten auf die Finanzmärkte in Zentral , Ost und
Südosteuropa. Der Finanzmarktstabilitätsbericht ist auf der Website
der OeNB unter www.oenb.at abrufbar.
Rückfragehinweis:
Oesterreichische Nationalbank
Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit
Tel.Nr.: (++43-1) 404 20 DW 6666
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