- 10.06.2008, 09:00:00
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Eintrübung der Stimmung
Wien (WIFO) - Die Unternehmen schätzen die Wirtschaftslage für die
kommenden Monate ungünstiger ein. Die Eintrübung der
Stimmungsindikatoren deutet auf eine Verlangsamung des Wachstums in
den nächsten Quartalen hin. Im I. Quartal wuchs die österreichische
Wirtschaft dagegen noch sehr kräftig (+0,7% gegenüber dem Vorquartal,
+3,3% gegenüber dem Vorjahr). Der Außenbeitrag war die tragende Säule
der Konjunktur, die Inlandsnachfrage wies keine Anzeichen einer
Belebung auf.
Die WIFO-Unternehmensumfragen zeigen eine deutliche Eintrübung der
Stimmung. Vor allem die Erwartungen der Hersteller von Vorprodukten,
Investitions- und Konsumgütern zur Geschäftslage in den kommenden
sechs Monaten haben sich markant verschlechtert. Die Beurteilung der
Produktionsentwicklung und Geschäftslage liegt bereits unter dem
längerfristigen Durchschnitt. Die Einschätzung der aktuellen
Auftragsbestände hat sich zwar auch eingetrübt, übertrifft aber noch
den Mittelwert. Der WIFO-Konjunkturtest deutet somit auf eine
Abschwächung des Produktionswachstums in den nächsten Quartalen hin.
Im I. Quartal wurde die österreichische Wirtschaft durch die
internationale Finanzkrise und die Euro-Aufwertung noch nicht
gedämpft. Das Wachstum blieb mit +0,7% (saison- und
kalenderbereinigt) gegenüber dem Vorquartal und +3,3% gegenüber dem
Vorjahr kräftig. Das ergab die revidierte Quartalsrechnung des WIFO.
Damit wurde das vor einem Monat publizierte Ergebnis der
WIFO-Schnellschätzung (+3,5% gegenüber dem Vorjahr bzw. +0,8%
gegenüber dem Vorquartal) geringfügig nach unten korrigiert. Der
Güterexport hat an Dynamik verloren, die Bauwirtschaft profitierte
dagegen vom milden Winterwetter und der Tourismus vom frühen
Ostertermin. Die Investitionen in Maschinen und Fahrzeuge waren
weiterhin sehr verhalten. Nach dem bisherigen Verlauf ist fraglich,
ob die Investitionspläne der Sachgütererzeuger heuer voll realisiert
werden.
Trotz der starken Beschäftigungsausweitung verstärkte sich die
Entwicklung des privaten Konsums nicht. Im I. Quartal stiegen die
Einzelhandelsumsätze nur wegen des frühen Ostertermins rascher als
zuletzt. Während sich der Absatz einiger dauerhafter Konsumgüter
günstig entwickelte, blieben die Pkw-Verkäufe relativ schwach. In den
ersten vier Monaten 2008 wurden um 0,8% mehr Pkw zugelassen als im
Vorjahr.
Die Verbraucherstimmung ist wenig optimistisch, weil die hohen
Preissteigerungen die Kaufkraft drücken. Die Bruttotariflöhne lagen
in den ersten vier Monaten ebenso wie die Verbraucherpreise um 3,3%
über dem Vorjahresniveau. Aufgrund der kalten Progression gingen die
Nettolöhne jedoch real um etwa 1/2% zurück.
Die Verteuerung von Energie und Nahrungsmitteln heizt die
Inflation an. Das Barrel Rohöl notierte im Mai erstmals über 125 $;
spekulative Käufe spielten dabei eine wichtige Rolle. Auf der
Verbraucherebene waren im April Energie um 13% und Nahrungsmittel um
7% teurer als im Vorjahr; diese beiden Gruppen trugen drei Fünftel
zur Gesamtinflation bei. Die Preise von Dieseltreibstoff lagen um
30%, jene von Brot und Getreideerzeugnissen um rund 11% über dem
Vorjahresniveau.
Übersicht 1: Ergebnisse der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen
Gesamtrechnung - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)
Auf dem Arbeitsmarkt hielt die günstige Entwicklung im Mai an. Die
Zahl der Arbeitsplätze war um 2 1/2% höher als vor einem Jahr, und
die Arbeitslosenquote ging zurück (- 1/2 Prozentpunkt), obwohl die
Arbeitsmarktschulungen eingeschränkt wurden. Die Beschleunigung des
Beschäftigungszuwachses seit der Jahreswende dürfte großteils auf die
Einführung der sofortigen Meldepflicht neuer
Beschäftigungsverhältnisse zurückzuführen sein. Diese Maßnahme könnte
die offizielle Beschäftigtenzahl um 20.000 bis 30.000 Personen erhöht
haben. Gleichzeitig steigerte sie die Einnahmen an Lohnsteuern und
Sozialversicherungsbeiträgen kräftig. Auch nach Bereinigung um den
administrativen Sondereffekt war die Beschäftigungsentwicklung sehr
günstig. Das Stellenangebot als Vorlaufindikator nimmt dagegen von
Monat zu Monat weniger zu, im Mai lag es nur noch geringfügig über
dem Vorjahresniveau (+500). Das deutet - ähnlich wie die
Stimmungsindikatoren - auf eine Abschwächung der Konjunktur hin. Seit
Februar sinkt auch die Arbeitslosenquote saisonbereinigt nicht mehr.
Sie hat allerdings bereits ein relativ niedriges Niveau erreicht
(laut nationaler Berechnungsmethode im Mai 5,1%, laut Eurostat im
April saisonbereinigt 4,2%).
Abbildung 1: Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes - auf der
WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
6/2008!
Rückfragehinweis:
Dr. Ewald Walterskirchen
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-257 * Fax. +43 1 798 93 86
mailto:[email protected]
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