Eintrübung der Stimmung

Wien (WIFO) - Die Unternehmen schätzen die Wirtschaftslage für die kommenden Monate ungünstiger ein. Die Eintrübung der Stimmungsindikatoren deutet auf eine Verlangsamung des Wachstums in den nächsten Quartalen hin. Im I. Quartal wuchs die österreichische Wirtschaft dagegen noch sehr kräftig (+0,7% gegenüber dem Vorquartal, +3,3% gegenüber dem Vorjahr). Der Außenbeitrag war die tragende Säule der Konjunktur, die Inlandsnachfrage wies keine Anzeichen einer Belebung auf.

Die WIFO-Unternehmensumfragen zeigen eine deutliche Eintrübung der Stimmung. Vor allem die Erwartungen der Hersteller von Vorprodukten, Investitions- und Konsumgütern zur Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten haben sich markant verschlechtert. Die Beurteilung der Produktionsentwicklung und Geschäftslage liegt bereits unter dem längerfristigen Durchschnitt. Die Einschätzung der aktuellen Auftragsbestände hat sich zwar auch eingetrübt, übertrifft aber noch den Mittelwert. Der WIFO-Konjunkturtest deutet somit auf eine Abschwächung des Produktionswachstums in den nächsten Quartalen hin.

Im I. Quartal wurde die österreichische Wirtschaft durch die internationale Finanzkrise und die Euro-Aufwertung noch nicht gedämpft. Das Wachstum blieb mit +0,7% (saison- und kalenderbereinigt) gegenüber dem Vorquartal und +3,3% gegenüber dem Vorjahr kräftig. Das ergab die revidierte Quartalsrechnung des WIFO. Damit wurde das vor einem Monat publizierte Ergebnis der WIFO-Schnellschätzung (+3,5% gegenüber dem Vorjahr bzw. +0,8% gegenüber dem Vorquartal) geringfügig nach unten korrigiert. Der Güterexport hat an Dynamik verloren, die Bauwirtschaft profitierte dagegen vom milden Winterwetter und der Tourismus vom frühen Ostertermin. Die Investitionen in Maschinen und Fahrzeuge waren weiterhin sehr verhalten. Nach dem bisherigen Verlauf ist fraglich, ob die Investitionspläne der Sachgütererzeuger heuer voll realisiert werden.

Trotz der starken Beschäftigungsausweitung verstärkte sich die Entwicklung des privaten Konsums nicht. Im I. Quartal stiegen die Einzelhandelsumsätze nur wegen des frühen Ostertermins rascher als zuletzt. Während sich der Absatz einiger dauerhafter Konsumgüter günstig entwickelte, blieben die Pkw-Verkäufe relativ schwach. In den ersten vier Monaten 2008 wurden um 0,8% mehr Pkw zugelassen als im Vorjahr.

Die Verbraucherstimmung ist wenig optimistisch, weil die hohen Preissteigerungen die Kaufkraft drücken. Die Bruttotariflöhne lagen in den ersten vier Monaten ebenso wie die Verbraucherpreise um 3,3% über dem Vorjahresniveau. Aufgrund der kalten Progression gingen die Nettolöhne jedoch real um etwa 1/2% zurück.

Die Verteuerung von Energie und Nahrungsmitteln heizt die Inflation an. Das Barrel Rohöl notierte im Mai erstmals über 125 $; spekulative Käufe spielten dabei eine wichtige Rolle. Auf der Verbraucherebene waren im April Energie um 13% und Nahrungsmittel um 7% teurer als im Vorjahr; diese beiden Gruppen trugen drei Fünftel zur Gesamtinflation bei. Die Preise von Dieseltreibstoff lagen um 30%, jene von Brot und Getreideerzeugnissen um rund 11% über dem Vorjahresniveau.

Übersicht 1: Ergebnisse der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)

Auf dem Arbeitsmarkt hielt die günstige Entwicklung im Mai an. Die Zahl der Arbeitsplätze war um 2 1/2% höher als vor einem Jahr, und die Arbeitslosenquote ging zurück (- 1/2 Prozentpunkt), obwohl die Arbeitsmarktschulungen eingeschränkt wurden. Die Beschleunigung des Beschäftigungszuwachses seit der Jahreswende dürfte großteils auf die Einführung der sofortigen Meldepflicht neuer Beschäftigungsverhältnisse zurückzuführen sein. Diese Maßnahme könnte die offizielle Beschäftigtenzahl um 20.000 bis 30.000 Personen erhöht haben. Gleichzeitig steigerte sie die Einnahmen an Lohnsteuern und Sozialversicherungsbeiträgen kräftig. Auch nach Bereinigung um den administrativen Sondereffekt war die Beschäftigungsentwicklung sehr günstig. Das Stellenangebot als Vorlaufindikator nimmt dagegen von Monat zu Monat weniger zu, im Mai lag es nur noch geringfügig über dem Vorjahresniveau (+500). Das deutet - ähnlich wie die Stimmungsindikatoren - auf eine Abschwächung der Konjunktur hin. Seit Februar sinkt auch die Arbeitslosenquote saisonbereinigt nicht mehr. Sie hat allerdings bereits ein relativ niedriges Niveau erreicht (laut nationaler Berechnungsmethode im Mai 5,1%, laut Eurostat im April saisonbereinigt 4,2%).

Abbildung 1: Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes - auf der WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht 6/2008!

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Dr. Ewald Walterskirchen
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