"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "TirolerInnen weisen den Weg" (Von FRANK STAUD)

Nach dem spannendsten Wahlkampf aller Zeiten in Tirol entscheiden am Sonntag drei Punkte. Ausgabe vom 7./8. Juni 2008

Innsbruck (OTS) - Drei Fragen machen den Sonntag zum wohl spannendsten Tag in der Tiroler Politikgeschichte: Wie viele der 520.527 Wahlberechtigten gehen zur Urne? Ist eine Mehrheit von Rot-Grün-Dinkhauser möglich? Und erhalten Herwig van Staa bzw. Hannes Gschwentner noch einmal das Vertrauen ihrer Anhänger von ÖVP bzw. SPÖ?

Zunächst ist offen, ob es durch die aggressive und sehr untergriffige Auseinandersetzung gelungen ist, WählerInnen zu mobilisieren. Die Politikverdrossenheit bei manchen könnte noch weiter gestiegen sein. 2003 gingen nur 61 Prozent der TirolerInnen zu den Urnen, die Nicht-Wähler wurden zur stimmenstärksten Partei. Die Wahlbeteiligung entscheidet über Sieg oder Niederlage. Ein gewichtiges Wort reden die 16- bis 18-Jährigen mit.

Dass die ÖVP zum ersten Mal nicht in einer Landesregierung vertreten sein könnte, ist realistisch. Eine Mandatsmehrheit von SPÖ, Grünen und Dinkhauser ist ohne weiteres denkbar. Dafür sind 19 der 36 Sitze notwendig. Die ÖVP versuchte, dieses schwarze Horrorszenario zu thematisieren. Die anderen Parteien, allen voran FPÖ und SPÖ, sprachen von einer schwarz-schwarzen Mogelpackung.

Eine schwarz-schwarze Regierung ist nur für den Fall realistisch, dass die ÖVP unter die 40-Prozent-Marke fällt. Denn dann müsste Herwig van Staa den Hut nehmen und in der Tiroler Volkspartei bliebe kein Stein auf dem anderen.

Eine Regierung mit van Staa als Landeshauptmann und Fritz Dinkhauser als seinen Stellvertreter wird es definitiv nicht geben. Van Staa würde im Falle eines respektablen Ergebnisses über 40 Prozent am ehesten mit der SPÖ koalieren. Schon bisher holte der erklärte Großkoalitionär die Roten trotz einer schwarzen absoluten Mandatsmehrheit ins Regierungsboot. Voraussetzung ist, dass die Sozialdemokraten 20 Prozent schaffen. Sonst kommt es auch bei der SPÖ zu einer Führungsdiskussion.

Die Wahl 2008 wird ähnlich spannend wie jene 1989 und 1999. Alois Partl stürzte 1989 von 64,6 auf 48,7 Prozent ab. Wendelin Weingartner konnte zehn Jahre später wohl nur aufgrund der Lawinenkatastrophe von Galtür 47,2 Prozent für die ÖVP retten. Am Sonntag entscheiden die TirolerInnen, ob nach Salzburg eine weitere schwarze Hochburg fällt.

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