• 04.06.2008, 13:53:28
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Lebenshilfe zu Sonderschule Hartheim: "Verhaltensauffälligkeit ist kein Grund, aus der Schule zu fliegen."

Wien (OTS) - Die Vorgangsweise der Sonderschule Hartheim mit einer
Jugendlichen mit intellektueller Behinderung ist aus Sicht der
Lebenshilfe Österreich abzulehnen. Koordinierte Krisenintervention
und inklusive Schule können hier Hilfestellung bieten.

Pressemeldungen zufolge wollte der Direktor der
Martin-Buber-Sonderschule Hartheim den Aggressionsanfällen einer
14-jährigen, intellektuell behinderten Schülerin mit Freiheitsentzug
begegnen. Die Lebenshilfe Österreich lehnt diese "Gummizelle" im
Umgang mit starker Verhaltensauffälligkeit kategorisch ab.
Verständnislos reagiert Univ.-Prof. Dr. Germain Weber, Präsident der
Lebenshilfe Österreich, auf die Reaktion der Sonderschule Hartheim,
die Schülerin vom Unterricht zu suspendieren."Verhaltensauffälligkeit
darf kein Grund dafür sein, dass Kinder mit intellektueller
Behinderung aus der Schule ausgeschlossen werden. Es ist ein
Scheitern der Pädagogik auf Kosten von Menschen mit Behinderungen.
Viel wichtiger ist, gemeinsam mit den Beteiligten eine Lösung aus
dieser Krisensituation zu erarbeiten", legt Weber fest. "Wir haben es
hier in der Regel mit komplexen Fällen zu tun, die von Einzelnen
nicht zu bewältigen sind. Hier braucht es ein kompetentes Team und
ausreichend Ressourcen von der öffentlichen Hand. Wegsperren ist
keine pädagogische Maßnahme und stellt einen massiven Verstoß gegen
die Menschenwürde dar". Davon abgesehen, wird durch das Wegsperren im
Gang des Schulgebäudes den MitschülerInnen das "Anderssein" der
14-Jährigen drastisch vor Augen geführt. "Das ist ein öffentlichen
Pranger und führt unwillkürlich zur Stigmatisierung", so Weber.

Mag. Thomas Wögerer, Geschäftsführer von alpha nova, Spezialist
innerhalb der Lebenshilfe in der Begleitung von Menschen mit
"Doppeldiagnosen" (intellektuelle Be¬hinderung und psychiatrische
Diagnose), empfiehlt zur Krisenintervention koordinierte, aufeinander
abgestimmte Maßnahmen von Psychiatrie, Behindertenhilfe, medizinisch
pflegerische Dienste und Psycho-Therapie. "Die Arbeit mit
aggressionsanfälligen Menschen ist enorm herausfordernd, sie ist
personalintensiv und verlangt fachspezifisches Know-how." Um
Ausgrenzungen vorzubeugen, verweist die Lebenshilfe Österreich auf
das Konzept der inklusiven Schule, in der Kinder mit und ohne
Behinderung gemeinsam unterrichtet werden. Eine inklusive Schule
bietet allen Kindern ausreichend Möglichkeiten, ihre individuellen
Fähigkeiten unabhängig von ihrer Beeinträchtigung zu entfalten.

Die Lebenshilfe ist die größte Trägerorganisation in Österreich,
die Menschen mit Behinderungen in ihrem täglichen Leben begleitet.
Als Interessensvertretung setzt sich die Lebenshilfe Österreich seit
40 Jahren dafür ein, dass Menschen mit intellektueller Behinderung
gleichberechtigt in unserer Gesellschaft leben. Noch immer sind junge
Menschen mit Behinderung ab der 9. Schulstufe vom gemeinsamen
Unterricht mit SchulkollegInnen ohne Behinderung ausgeschlossen. Die
Lebenshilfe Österreich setzt sich vehement für eine Erweiterung des
gemeinsamen Unterrichts von behinderten und nicht-behinderten Kindern
bis zur 12. bzw. 13. Schulstufe ein.

Rückfragehinweis:

Mag. (FH) Eva Schrammel
   Lebenshilfe Österreich
   mailto:[email protected]
   Tel.: 01 812 26 42 79
   Mobil: 0664/8372448 
   www.lebenshilfe.at

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