• 04.06.2008, 11:24:24
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Sozialpartner für mehr Musik aus Österreich im Radio

Nur Venezuela und Neuseeland senden weniger Musik aus eigener Produktion

Wien (KMSfB/ÖGB) - Die stärkere Berücksichtigung von Musik aus
Österreich in österreichischen Rundfunkprogrammen war das Hauptthema
am Nachmittag der ganztägigen Musik-Enquete im Parlament am Dienstag,
den 3. Juni 2008. Die Gewerkschaft verlangt unverzügliche
Verhandlungen.++++

Mit einem Paukenschlag beendete ORF-Hörfunkdirektor Dr. Willy
Mitsche seinen Vortrag vor der im Plenarsaal des Parlaments und auf
der Zuschauergalerie versammelten österreichischen Musikszene und
Musikwirtschaft. Der ORF setze sich sehr für die heimischen
Musikschaffenden ein, betonte Mitsche, und sei zur Aufnahme von
Verhandlungen über mehr Musik aus Österreich bereit - nach dem
Sommer. "Eine freiwillige Vereinbarung nach dem Vorbild der ‚Charta
für Schweizer Musik’ ist für mich als Lösung denkbar", so der
Hörfunkdirektor. Zuvor hatten Musikschaffende den niedrigen Anteil
von Musik aus Österreich und die in den letzten Jahren fehlende
Gesprächsbereitschaft des ORF angekreidet. Für eine gesetzliche
Quotenregelung sprachen sich unter anderen Peter Legat (Count Basic)
und Georg Tomandl (Obmann des Österreichischen Musikfonds) aus.

Schaden durch gesetzliche Quote?

"Schlechter kann es nicht mehr werden", entgegnete Peter Paul
Skrepek (Kulturgewerkschaft) auf die Befürchtungen Mitsches, eine
Quote könne sich auch als Bumerang herausstellen und der
österreichischen Musik schaden. "Wir laden die ORF-Geschäftsführung
und die Vertreter aller anderen Programmanbieter ein, die
Verhandlungen sofort zu beginnen", schloss Skrepek und fügte hinzu:
"Der ORF soll das Thema zum Gegenstand einer öffentlichen Debatte
machen und in seinen Programmen live diskutieren."

Neben Musikerpräsident Skrepek werden u. a. Georg Tomandl, Dr.
Werner Müller (Wirtschaftskammer, Fachverband der Audiovisions- und
Filmindustrie) und Dr. Harald Müller (Präsident des Österreichischen
Musikrats) mit der ORF-Geschäftsführung und Vertretern der
"Privatradios" verhandeln.

Die Quotenfrage sorgt seit rund 15 Jahren für Aufregung. "Erst der
‚blaue Brief’ der EU-Kommission hat die ORF-Geschäftsführung
offensichtlich zu einer Änderung ihrer bisher strikt ablehnenden
Haltung bewogen», schloss Skrepek, "denn bei Nichterfüllung des
Kulturauftrages sind die Einnahmen aus Rundfunkgebühren gefährdet."

Österreich liegt an weltweit drittletzter Stelle, was die Sendung
von Musik aus dem eigenen Land betrifft. Nur Venezuela und Neuseeland
senden weniger Musik aus eigener Produktion.

ÖGB, 4. Juni 2008 Nr. 344

Rückfragehinweis:
KMSfB - Die Kulturgewerkschaft
Peter Paul Skrepek
Mobil: 0664 614 5405

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