Schultes/Glaser für möglichst weit reichende Ökologisierung der Landwirtschaft

Fachtagung des IUFE in Wien: Bio-Landwirtschaft als Leitbild der Agrarpolitik - Klare Absage an Gentechnik

Wien (OTS) - "Eine vielfältige landwirtschaftliche Produktion mit möglichst ökologischer Ausrichtung und ohne Gentechnik - in diese Richtung soll sich die heimische Landwirtschaft orientieren." Das betonten der Präsident der niederösterreichischen Landwirtschaftskammer, Hermann Schultes, und der Vorsitzende des Instituts für Umwelt, Friede und Entwicklung (IUFE), NR-Abg. Franz Glaser, bei einer Podiumsdiskussion gestern Abend in Wien.

"Die biologische Landwirtschaft ist in Österreich auf einem guten Weg, solange sie vom Markt getrieben ist. Was die biologische Landwirtschaft bringen kann, muss der Markt auch honorieren", so Schultes. Der Wunsch, dass alle Biobauern werden sollen, sei zwar edel. "Wir wissen aber auch, dass das in den nächsten 15 bis 20 Jahren nicht so sein wird. Diese Vision kann nur aufrechterhalten werden, solange wir Österreich gentechnikfrei halten." Schultes zeigte sich überzeugt, dass sowohl die biologische als auch die konventionelle Landwirtschaft in Österreich Platz finden müsse.

Zwischen Biolandbau und Hochtechnologie gibt es viele Stufen konventioneller Landwirtschaft, sagte Glaser. "Es ist wichtig, möglichst naturnah zu produzieren und chemische Produkte möglichst restriktiv einzusetzen. Den Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen lehnt Glaser völlig ab. "Er birgt zu große, nicht eingrenzbare Risken. Die großen Ertragssteigerungen wurden außerdem ohne Gentechnik erzielt und basieren auf Selektion sowie besseren Anbaumethoden." Neben der möglichst naturnahen Produktion sei die regionale Produktion von Nahrungsmitteln auch ein wichtiger ökologischer Faktor. "40 % der CO2-Emissionen aus dem Verkehr entfallen heute auf den Transport von Lebensmitteln und tragen in hohem Ausmaß zum Klimawandel bei", betonte Glaser.

Tragler: Biologische Landwirtschaft soll das Leitbild der Landwirtschaft werden

"Die biologische Landwirtschaft soll zum generellen Leitbild der Landwirtschaft werden", formulierte Martin Tragler, Obmann von Bio-Austria Oberösterreich. Intensive industrielle Landwirtschaft werde globale Probleme wie Hunger und Umweltzerstörung nicht lösen können. "Wir brauchen stabile Ertragsverhältnisse und nicht höchste Erträge", so Tragler. Ihm gehe es vor allem um die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit, aber auch um eine Änderung des Konsumverhaltens in Richtung mehr Qualität. Durch Herstellung der Kostenwahrheit sei die biologische Landwirtschaft günstiger, unterstrich Tragler. Auch im Supermarktregal müsse auf nichts verzichtet werden, außer wenn es gentechnisch verändert sei. Glaubwürdigkeit sei auf jeden Fall das wichtigste Gut, das die Bio-Landwirtschaft habe.

Gruber: Regional, saisonal und biologisch

"Eine Landwirtschaft, die gegen die Natur anstatt mit ihr arbeitet und nicht auf biologische Vielfalt setzt, ist nicht zukunftsfähig. "Regional, saisonal und biologisch sollten unsere Lebensmittel sein", betonte IUFE-Geschäftsführerin Petra Gruber, die auch von einer zweitägigen Expertentagung berichtete, die der Podiumsdiskussion vorausgegangen war. Hauptergebnis war die Forderung, eine möglichst flächendeckende Ökologisierung der Landwirtschaft in Österreich zu erreichen und dies politisch zu unterstützen. Verstärkte Information über das Potential der Biologischen Landwirtschaft und Weiterbildungsmaßnahmen seien dringend erforderlich. Es gelte, die Vielfalt und ein möglichst hohes Maß an Selbstbestimmung zu wahren. Auf internationaler Ebene sollte nicht der Welthandel den Vorrang haben, sondern das Recht auf Nahrung unter langfristiger Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen.

Velimirov: Wir brauchen noch mehr vergleichende Studien

Alberta Velimirov vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau berichtete, dass in Fütterungsversuchen mit Ratten biologisch ernährte Gruppen sich signifikant besser vermehrt hätten. Die Tiere würden außerdem instinktiv die biologisch erzeugte Variante der Nahrung wählen. "Aus dem Vergleich der Forschungsergebnisse kann man aber sagen, dass es noch zu wenig Studien gibt, um festzustellen, dass biologische Lebensmittel signifikant besser sind. Es gibt aber nachweisbare Zusammenhänge zwischen Produktionsbedingungen und Qualitätsmerkmalen", so Velimirov.

Pennwieser: Man darf die Leute nicht gegeneinander ausspielen

"Die Umstellung dauerte in meinem Betrieb rund fünf Jahre", berichtete der oberösterreichische Biobauer Hermann Pennwieser. Das Grundprinzip der biologischen Landwirtschaft basiere auf der Tatsache, dass sich die Pflanzen die Nährstoffe selber aus dem Boden holen. "Ich muss als Bauer nur schauen, dass der Tisch gedeckt, also der Humus optimal ist. Langfristig sind Maximalerträge nur mit Bio-Landwirtschaft möglich", so Pennwieser. Der Bodenfruchtbarkeitsexperte betonte abschließend: "Es geht darum, dass die Leute spüren, hier ist ein Konzept für die Zukunft."

Hintergründe zur Fachtagung "Bio-Landwirtschaft"

Biologische Landwirtschaft hat eindeutigen ökologischen, sozialen und ökonomischen Mehrwert, die Nachfrage nach biologisch erzeugten Lebensmitteln steigt. Doch die Bio-Flächen sind nicht mit steigenden Nachfrage mitgewachsen. Sind die agrarpolitischen Weichen richtig gestellt? Was steht der Weiterentwicklung des konventionellen Landbaus hin zu wirklich nachhaltigen Bewirtschaftungsformen entgegen? Diesen Fragen widmete sich die Tagung des IUFE und seiner Kooperationspartner Politische Akademie, Bio Austria, FIAN, KOO, ÖBV - Via Campesina Austria und Slow Food Linz. Mehr zu den Inhalten der Tagung gibt es auf der Homepage www.iufe.at.

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Petra C. Gruber
Institut für Umwelt - Friede - Entwicklung
Tivoligasse 73, 1120 Wien
p.gruber@iufe.at
Tel.: 01/814 20 25

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