• 25.04.2008, 16:20:01
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Schultes/Glaser für möglichst weit reichende Ökologisierung der Landwirtschaft

Fachtagung des IUFE in Wien: Bio-Landwirtschaft als Leitbild der Agrarpolitik - Klare Absage an Gentechnik

Wien (OTS) - "Eine vielfältige landwirtschaftliche Produktion mit
möglichst ökologischer Ausrichtung und ohne Gentechnik - in diese
Richtung soll sich die heimische Landwirtschaft orientieren." Das
betonten der Präsident der niederösterreichischen
Landwirtschaftskammer, Hermann Schultes, und der Vorsitzende des
Instituts für Umwelt, Friede und Entwicklung (IUFE), NR-Abg. Franz
Glaser, bei einer Podiumsdiskussion gestern Abend in Wien.

"Die biologische Landwirtschaft ist in Österreich auf einem guten
Weg, solange sie vom Markt getrieben ist. Was die biologische
Landwirtschaft bringen kann, muss der Markt auch honorieren", so
Schultes. Der Wunsch, dass alle Biobauern werden sollen, sei zwar
edel. "Wir wissen aber auch, dass das in den nächsten 15 bis 20
Jahren nicht so sein wird. Diese Vision kann nur aufrechterhalten
werden, solange wir Österreich gentechnikfrei halten." Schultes
zeigte sich überzeugt, dass sowohl die biologische als auch die
konventionelle Landwirtschaft in Österreich Platz finden müsse.

Zwischen Biolandbau und Hochtechnologie gibt es viele Stufen
konventioneller Landwirtschaft, sagte Glaser. "Es ist wichtig,
möglichst naturnah zu produzieren und chemische Produkte möglichst
restriktiv einzusetzen. Den Einsatz von gentechnisch veränderten
Pflanzen lehnt Glaser völlig ab. "Er birgt zu große, nicht
eingrenzbare Risken. Die großen Ertragssteigerungen wurden außerdem
ohne Gentechnik erzielt und basieren auf Selektion sowie besseren
Anbaumethoden." Neben der möglichst naturnahen Produktion sei die
regionale Produktion von Nahrungsmitteln auch ein wichtiger
ökologischer Faktor. "40 % der CO2-Emissionen aus dem Verkehr
entfallen heute auf den Transport von Lebensmitteln und tragen in
hohem Ausmaß zum Klimawandel bei", betonte Glaser.

Tragler: Biologische Landwirtschaft soll das Leitbild der
Landwirtschaft werden

"Die biologische Landwirtschaft soll zum generellen Leitbild der
Landwirtschaft werden", formulierte Martin Tragler, Obmann von
Bio-Austria Oberösterreich. Intensive industrielle Landwirtschaft
werde globale Probleme wie Hunger und Umweltzerstörung nicht lösen
können. "Wir brauchen stabile Ertragsverhältnisse und nicht höchste
Erträge", so Tragler. Ihm gehe es vor allem um die Erhaltung der
Bodenfruchtbarkeit, aber auch um eine Änderung des Konsumverhaltens
in Richtung mehr Qualität. Durch Herstellung der Kostenwahrheit sei
die biologische Landwirtschaft günstiger, unterstrich Tragler. Auch
im Supermarktregal müsse auf nichts verzichtet werden, außer wenn es
gentechnisch verändert sei. Glaubwürdigkeit sei auf jeden Fall das
wichtigste Gut, das die Bio-Landwirtschaft habe.

Gruber: Regional, saisonal und biologisch

"Eine Landwirtschaft, die gegen die Natur anstatt mit ihr arbeitet
und nicht auf biologische Vielfalt setzt, ist nicht zukunftsfähig.
"Regional, saisonal und biologisch sollten unsere Lebensmittel sein",
betonte IUFE-Geschäftsführerin Petra Gruber, die auch von einer
zweitägigen Expertentagung berichtete, die der Podiumsdiskussion
vorausgegangen war. Hauptergebnis war die Forderung, eine möglichst
flächendeckende Ökologisierung der Landwirtschaft in Österreich zu
erreichen und dies politisch zu unterstützen. Verstärkte Information
über das Potential der Biologischen Landwirtschaft und
Weiterbildungsmaßnahmen seien dringend erforderlich. Es gelte, die
Vielfalt und ein möglichst hohes Maß an Selbstbestimmung zu wahren.
Auf internationaler Ebene sollte nicht der Welthandel den Vorrang
haben, sondern das Recht auf Nahrung unter langfristiger Erhaltung
der natürlichen Lebensgrundlagen.

Velimirov: Wir brauchen noch mehr vergleichende Studien

Alberta Velimirov vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau
berichtete, dass in Fütterungsversuchen mit Ratten biologisch
ernährte Gruppen sich signifikant besser vermehrt hätten. Die Tiere
würden außerdem instinktiv die biologisch erzeugte Variante der
Nahrung wählen. "Aus dem Vergleich der Forschungsergebnisse kann man
aber sagen, dass es noch zu wenig Studien gibt, um festzustellen,
dass biologische Lebensmittel signifikant besser sind. Es gibt aber
nachweisbare Zusammenhänge zwischen Produktionsbedingungen und
Qualitätsmerkmalen", so Velimirov.

Pennwieser: Man darf die Leute nicht gegeneinander ausspielen

"Die Umstellung dauerte in meinem Betrieb rund fünf Jahre",
berichtete der oberösterreichische Biobauer Hermann Pennwieser. Das
Grundprinzip der biologischen Landwirtschaft basiere auf der
Tatsache, dass sich die Pflanzen die Nährstoffe selber aus dem Boden
holen. "Ich muss als Bauer nur schauen, dass der Tisch gedeckt, also
der Humus optimal ist. Langfristig sind Maximalerträge nur mit
Bio-Landwirtschaft möglich", so Pennwieser. Der
Bodenfruchtbarkeitsexperte betonte abschließend: "Es geht darum, dass
die Leute spüren, hier ist ein Konzept für die Zukunft."

Hintergründe zur Fachtagung "Bio-Landwirtschaft"

Biologische Landwirtschaft hat eindeutigen ökologischen, sozialen und
ökonomischen Mehrwert, die Nachfrage nach biologisch erzeugten
Lebensmitteln steigt. Doch die Bio-Flächen sind nicht mit steigenden
Nachfrage mitgewachsen. Sind die agrarpolitischen Weichen richtig
gestellt? Was steht der Weiterentwicklung des konventionellen
Landbaus hin zu wirklich nachhaltigen Bewirtschaftungsformen
entgegen? Diesen Fragen widmete sich die Tagung des IUFE und seiner
Kooperationspartner Politische Akademie, Bio Austria, FIAN, KOO, ÖBV
- Via Campesina Austria und Slow Food Linz. Mehr zu den Inhalten der
Tagung gibt es auf der Homepage www.iufe.at.

Rückfragehinweis:
Dr. Petra C. Gruber
Institut für Umwelt - Friede - Entwicklung
Tivoligasse 73, 1120 Wien
mailto:[email protected]
Tel.: 01/814 20 25

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