- 22.04.2008, 15:14:07
- /
- OTS0280 OTW0280
BMJ: Internationale Konferenz zu Menschenhandel und häuslicher Gewalt
Berger: "Die Zeiten, als sich die Justiz in einen Elfenbeinturm zurückgezogen hat, sind vorbei"
Wien (OTS) - Auf Initiative von Justizministerin Maria Berger fand
Montag und Dienstag dieser Woche eine internationale Konferenz zu
Menschenhandel und häuslicher Gewalt in Wien statt. Die Konferenz, an
der 80 Experten aus ganz Europa teilnahmen, wurde vom
Justizministerium in Kooperation mit dem Europarat organisiert. Dabei
ging es nicht nur um die Hintergründe und Erscheinungsformen von
Menschenhandel und häuslicher Gewalt, sondern vor allem auch darum,
wie diese Themen in der Aus- und Fortbildung für Richter und
Staatsanwälte am besten aufbereitet werden können. Die Teilnehmer der
Konferenz sind daher nicht nur praktizierende Richter und
Staatsanwälte, sondern zu einem großen Teil auch die Verantwortlichen
für die Richterausbildung in verschiedenen Staaten.
"Wir freuen uns, dass wir Teilnehmer aus ganz Europa bei uns haben,
aus Staaten wie Frankreich, die über Richterakademien mit einer
langen Tradition verfügen, wie auch aus Ländern, deren Justizsysteme
sich im Umbruch befinden, wie Georgien oder Moldawien. Der gemeinsame
Austausch hat sich als sehr fruchtbar erwiesen", zeigte sich
Justizministerin Berger im Anschluss an die Konferenz zufrieden.
Das Justizministerium engagiert sich in Fragen der Richteraus- und
-fortbildung in den letzten Jahren sehr stark auf europäischer Ebene,
sowohl in der EU als auch im Europarat. Man ist in zahlreichen
europäischen Fachgremien vertreten und beobachtet die Entwicklungen
genau. Die Trends gehen dabei in organisatorischer Richtung zur
Schaffung spezieller Richterakademien; inhaltlich setzt sich die
Erkenntnis durch, dass in der Richterausbildung nicht das bereits im
Studium gelehrte juristisch-technische Wissen im Vordergrund stehen
sollte, sondern dass die so genannten "soft skills", also etwa Fragen
der Vernehmungstechnik, der Kommunikation und der Psychologie
zumindest den gleichen Stellenwert haben sollten. Dementsprechend
verfolgen moderne Fortbildungsveranstaltungen wie die aktuelle
Konferenz in Wien einen interdisziplinären Ansatz: "Die Zeiten, als
sich die Justiz in einen Elfenbeinturm zurückgezogen hat, sind
vorbei. Qualitätsverbesserungen sind in der Justiz nur im Austausch
mit benachbarten Berufsgruppen wie Sozialarbeitern, Medizinern und
Polizeibeamten möglich", so Berger.
Mit dem Verlauf der Konferenz, an der auch hochrangige Vertreter von
Europarat und Europäischer Kommission teilnehmen, ist man im
Justizministerium sehr zufrieden. Mit der Konferenz wurde insofern
Neuland betreten, als die Tagung zur Gänze in englischer Sprache
durchgeführt und auf Dolmetschungen verzichtet wurde. Es zeigte sich,
dass die Sprachkenntnisse der neuen Richtergeneration die Führung von
Fachdiskussionen in englischer Sprache erlauben. Die hohen Kosten der
Dolmetschungen waren der Hauptgrund dafür, dass im Justizbereich
bisher kaum Fortbildungsveranstaltungen länderübergreifend
durchgeführt wurden. Nun nimmt man im Justizministerium in Aussicht,
in Zukunft öfter gemeinsam mit Nachbarstaaten
Ausbildungsveranstaltungen durchzuführen und hier auch eine
Vorreiterrolle in Europa zu übernehmen. Dieser Ansatz eigne sich
insbesondere für vom nationalen Recht unabhängige Fragen, also etwa
für Seminare zu Fragen der Berufsethik, Kommunikation oder zum
Europarecht, wie Justizministerin Berger erklärte.
Rückfragehinweis:
Bundesministerium für Justiz Mag. Thomas Geiblinger Tel. (01) 52152-2274 Pressesprecher Museumstraße 7, 1070 Wien http://www.bmj.gv.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NJU






