OeNB - Ein erfolgreiches Jahr für Österreichs Außenwirtschaft

Wien (OTS) - OeNB-Gouverneur und EZB-Ratsmitglied Dr. Klaus Liebscher und das für den Bereich Statistik zuständige Mitglied des Direktoriums, Mag. Dr. Peter Zöllner, präsentierten heute im Rahmen einer Pressekonferenz die Zahlungsbilanz Österreichs für das Jahr 2007. Diesen vorläufigen Zahlen zufolge baut Österreich seinen Leistungsbilanzüberschuss sowie seine Position als Nettokapitalexporteur deutlich aus. Infolge der rasch wachsenden Binnenmarktintegration und der jüngsten EU-Erweiterungen agiert Österreichs Wirtschaft vor allem mit europäischer Perspektive.

"Die Entwicklung der österreichischen Außenwirtschaft steht weiterhin mit dem erfolgreichen Prozess der Europäischen Integration in Zusammenhang", erläuterte Gouverneur Liebscher im Rahmen der Pressekonferenz zur Zahlungsbilanz des Jahres 2007. Bereits zwei Drittel des heimischen Finanzvermögens entfallen auf den Euroraum, der umgekehrt auch mit Abstand der wichtigste Financier der österreichischen Volkswirtschaft ist. Nie zuvor kontrollierten österreichische Unternehmen so viele europäische Tochtergesellschaften wie heute. Und nicht weniger als 70% unseres Außenhandels wird heute mit unseren Partnern innerhalb der Europäischen Union abgewickelt. Österreich profitiere in besonders hohem Ausmaß von den jüngsten EU-Erweiterungsrunden der Jahre 2004 und 2007. "Auch künftige Erweiterungen der EU wie auch des Euroraums werden Österreich wichtige Absatzmärkte erschließen sowie jene institutionellen und ökonomischen Voraussetzungen schaffen, die eine Fortsetzung dieses österreichischen Erfolgswegs ermöglichen", so Liebscher weiter.

Als zentrale Voraussetzung zur nachhaltigen Sicherung der günstigen Wettbewerbsposition Österreichs sieht Gouverneur Liebscher neben der Wahrung der Preisstabilität vor allem eine zweckmäßige Struktur- und Wirtschaftsförderungspolitik. Österreich profitiere seit langem von seinem hervorragenden fachlichen Ausbildungsniveau, könne jedoch - nicht zuletzt infolge demographischer Entwicklungen -bereits heute den Bedarf an speziell qualifizierten Fachkräften nicht vollständig decken. Es liege daher im Interesse Österreichs, seine Grenzen für gut ausgebildete ausländische Personen möglichst rasch zu öffnen.

Weiters wies Gouverneur Liebscher auf die globalisierungsbedingt stark steigende Bedeutung solider, rasch verfügbarer und international harmonisierter Statistiken hin, die vor allem für aus räumlicher wie auch kultureller Distanz agierende internationale Investoren häufig ein zentrales Kriterium zur Beurteilung der Standortattraktivität darstellen. Die in den vergangenen Jahren deutlich gestiegenen Anforderungen an nationale und internationale Statistiken seien ausschließlich durch leistungsfähige Erhebungssysteme, hoch qualifiziertes Personal und ein engmaschiges Kooperationsnetzwerk mit in- und ausländischen Statistikinstitutionen zu erfüllen. "Die erfolgreiche Zusammenarbeit der OeNB mit Statistik Austria oder der WKÖ ist in dieser Hinsicht beispielgebend" schloss Gouverneur Liebscher.

Anschließend präsentierte Direktor Dr. Peter Zöllner, das für den Bereich Statistik zuständige Mitglied des Direktoriums der OeNB, die wichtigsten Ergebnisse der Zahlungsbilanz 2007.

"2007 war ein wirtschaftlich gutes Jahr und Österreichs Außenwirtschaft hat ihren Beitrag dazu geleistet", eröffnete Direktor Zöllner, als er den Rekordüberschuss der Leistungsbilanz für das abgelaufene Jahr in Höhe von 8,8 Mrd Euro bzw. 3,2% des BIP präsentierte. Entscheidend für die Steigerung des Überschusses um 2,5 Mrd EUR war der Handel mit Gütern und Dienstleistungen. Trotz der Aufwertung des Euro zeigte die traditionell negative Güterbilanz einen Überschuss von 1,3 Mrd EUR.

Den größten Beitrag zum positiven Leistungsbilanzergebnis, nämlich +12,3 Mrd EUR, erbrachte wie üblich der Handel mit Dienstleistungen. Der Tourismus, ein verlässlicher Devisenbringer, litt 2007 unter der schwachen Schneelage im Frühjahr. Deutlich besser lief die Sommersaison und mit einem hervorragenden Winterauftakt endete das Tourismusjahr 2007. Angesichts stagnierender Reiseverkehrsausgaben verblieb ein rekordhoher Überschuss von mehr als 6 Mrd EUR.

Erstmals übertrafen aber die übrigen Dienstleistungen das Ergebnis des Reiseverkehrs (Überschuss von 6,2 Mrd EUR). Diese Dienstleistungsexporte wachsen nicht nur deutlich rascher als die Reiseverkehrseinnahmen, sie wuchsen in den letzten 10 Jahren mit 11% p.a. auch deutlich schneller als die Güterexporte. Ein besonders dynamisches Segment innerhalb der unternehmensnahen Dienstleistungen sind die technologiebezogenen Dienstleistungen (EDV-Dienste, Architektur und Ingenieursleistungen, Forschung und Entwicklung, Patente und Lizenzen). "Die überwiegend klein- und mittelbetrieblich organisierten Dienstleistungsexporteure haben in der wirtschaftspolitischen Diskussion bisher zu wenig Beachtung gefunden", meinte Direktor Zöllner.

Defizitär wie immer war die Bilanz der Vermögenseinkommen, was der negativen Vermögensposition Österreichs entspricht. Nach vorläufigen Schätzungen sind die Verpflichtungen der österreichischen Volkswirtschaft gegenüber dem Ausland um etwa 50 Mrd EUR höher als das entsprechende Auslandsvermögen. Heimische Investoren kassierten 2007 mehr als 26 Mrd EUR an Vermögenseinkünften, während die Bedienung der "Auslandsschuld" rund 30 Mrd EUR kostete. Daraus resultiert ein Nettoabfluss von 4 Mrd EUR.

In der Folge konzentrierte sich Direktor Zöllner auf die Entwicklung der Kapitalbilanz im Jahr 2007, wo Österreich als Netto-Kapitalexporteur auftrat: "Eigentlich müsste man die beiden Halbjahre 2007 getrennt betrachten: Das erste Semester war von ungebrochener Dynamik gekennzeichnet, während das zweite Halbjahr im Schatten der von den USA ausgehenden Finanzmarktkrise stand".

Die Nettoveranlagungen in ausländische Wertpapiere brachen zur Jahresmitte ein. Ausländische Aktien wurden im Kalenderjahr in Summe abgestoßen. Der gegenüber 2006 deutlich schwächere Nettoerwerb an langfristigen Schuldpapieren ausländischer Emittenten ist ausschließlich den Käufen im ersten Halbjahr geschuldet. Dabei sank die Nachfrage nach Papieren aus dem Euroraum deutlich. Schuldverschreibungen der neuen EU-Mitglieder wurden sogar netto verkauft, während die Nachfrage nach auf Euro lautenden Schuldverschreibungen US-amerikanischer Schuldner stark war. Das von großer Vorsicht gekennzeichnete Anlegerverhalten machte kurzfristige Geldmarktpapiere attraktiv, wobei vor allem der Bund vorübergehend hohe Forderungsbestände aufbaute.

Die Nachfrage des Auslands nach österreichischen Wertpapieren litt im zweiten Halbjahr ebenfalls unter der hohen Unsicherheit, insgesamt ging der Absatz aber nur leicht zurück. "Während der Absatz von Anteilspapieren im zweiten Halbjahr ins Stocken kam, erreichten die Verkäufe von Schuldverschreibungen mit 30 Mrd EUR einen neuen Rekordwert", hob Direktor Zöllner hervor. Der Absatz konzentrierte sich auf Bankschuldverschreibungen (19 Mrd EUR), während der Bund seine Mittelaufnahme im Ausland nur unwesentlich änderte. Auch Corporate Bonds spielten mit 4 Mrd EUR wieder eine wichtigere Rolle.

Relativ unbeeinflusst von den Turbulenzen an den Finanzmärkten entwickelten sich die Direktinvestitionen, weil es sich dabei meist um langfristig geplante Vorhaben handelt. Mit mehr als 20 Mrd EUR an Neuinvestitionen erreichten aktive wie passive Direktinvestitionen 2007 ein noch nie dagewesenes Volumen. Dominiert war das Geschehen von der Restrukturierung des Unicredit-Konzerns, wobei das Eigentum an der Bank Austria von Deutschland nach Italien wanderte und die Bank Austria die Verantwortung für die meisten Ostaktivitäten übertragen bekam. Doch auch wenn man diese Großtransaktion außer Acht lässt, waren die Direktinvestitionen lebhaft.

Der aus dem Leistungsbilanzüberschuss resultierende Kapitalexport wurde vor allem in den Kreditbereich kanalisiert, der einen Nettoexport von 32 Mrd EUR zeigte. Die Kreditforderungen der Banken wuchsen dabei um 21 Mrd EUR, vorwiegend gegenüber Schuldnern aus der EU27 und den ost- und südosteuropäischen Ländern.

"So gut das Jahr 2007 für die Realwirtschaft gelaufen ist, so schwierig war es für manche Sektoren des Finanzmarktes. Auch Österreichs Finanzinstitute haben in der zweiten Jahreshälfte die Ausläufer der Turbulenzen verspürt" schloss Direktor Zöllner seine Ausführungen.

Die Unterlagen, die bei der Pressekonferenz zur Verfügung gestellt wurden, finden Sie auf der OeNB-Homepage statistik.oenb.at

Weitere Statistische Informationen unter dieaktuellezahl.oenb.at

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