- 18.04.2008, 15:14:12
- /
- OTS0256 OTW0256
Preise für Weizen alter Ernte weiter im Sinkflug
Wachstum der Schwellenländer und Spekulation treiben Preise - Ölsaaten und Dünger teurer
Wien (AIZ) - Mit einigem Abstand und in flacherem Winkel folgten
die Weizenkurse an der Wiener Börse für landwirtschaftliche Produkte
in Wien diese Woche dem Sinkflug der europäischen Terminkurse von
Weizen. Allerdings scheint europäischer Weizen am Weltmarkt trotz des
Wettbewerbshemmnisses eines Rekord-Euro-Hochs (18.04.2008, 11:34 Uhr:
EUR 1,- entspricht USD 1,59) gegenüber dem US-Dollar in den kommenden
Wochen frischen Rückenwind aus Exportaktivitäten erwarten zu dürfen.
Die trotz der jüngsten Abschwächung dennoch weiterhin hohen
Weltmarktpreise für Getreide würden, so die "Frankfurter Allgemeine
Zeitung " (FAZ) in ihrem Online-Portal unter Berufung auf Christoph
Eibl, Vorstandsvorsitzender des Vermögensverwalters Tiberius Asset
Management in Zug (Schweiz), wohl auch sehr viel stärker als früher
von der Spekulation durch Finanzinvestoren (Hedge-Fonds) getrieben
sein. Doch die eigentliche Ursache der Rohstoffhausse sei das starke
Wirtschaftswachstum, vor allem der Schwellenländer. Diese fragten
nicht nur Energie wie Öl und Industriemetalle nach, sondern auch
immer größere Mengen Agrarrohstoffe.
Dennoch sei aber auch der Zug von branchenfremdem
Spekulationskapital in die Terminmärkte für Agrarrohstoffe laut FAZ
Online beachtlich: In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres
sollen Finanzinvestoren etwa USD 30 Mrd. (EUR 18,86 Mrd.) in
Agrarrohstoffe investiert haben. Das ist der Löwenanteil innerhalb
der Rohstoffmärkte, in die insgesamt in dieser Zeit USD 40 Mrd. (EUR
25,15 Mrd.) geflossen seien.
EU: Trotz Weizenexport 2007/08 Nettoimporteur von Getreide
Die EU vergab laut Kommission in der abgelaufenen Berichtswoche
bis zum 15.04.2008 frische Exportlizenzen für Weizen über 335.000 t.
Damit hält die EU-Weizenausfuhrstatistik in den ersten 42 Wochen des
laufenden Wirtschaftsjahres nun schon bei rund 6,9 Mio. t und nur um
etwa 500.000 t unter dem Vergleichszeitraum 2006/07 noch in der
EU-25. Dennoch bleibt die EU wegen anhaltend regen Mais- und
Sorghumimports für den Futtermittelsektor 2007/08 ungewöhnlicher
Weise Nettoimporteur über alles Getreide hinweg gerechnet.
Denn laut Kommission kamen in der vergangenen Woche Importlizenzen
für weitere 263.000 t Mais auf eine Gesamtsumme von 11,5 Mio. t
(2006/07 für EU-25: 4,1 Mio. t) und für 31.000 t Sorghum (gesamt
2007/08: 4,7 Mio. t, 2006/07 für EU-25: 513.000 t) dazu. Damit weist
die gesamte Getreideaußenhandelsbilanz der EU-27 von 01.07.2007 bis
zum Stichtag 15.04.2008 Exporte von 14,9 Mio. t (2006/07 für EU-25:
14,9 Mio. t) und Importe von 22,6 Mio. t (2006/07 für EU-25: 9,9 Mio.
t) Getreide und somit einen negativen Saldo von 7,7 Mio. t (2006/07
für EU-25: plus 5 Mio. t) aus.
Für EU öffnet sich am Weltmarkt in den kommenden Wochen Fenster für
Weizenexport
Die Euro-Stärke wird nämlich teilweise durch die gegenüber den
US-Terminbörsen schwächeren Weizennotierungen in Europa kompensiert
und wichtige Märkte Nordafrikas liegen vor der Haustüre der EU und
sind damit zu geringeren Frachtraten bedienbar als aus Übersee.
Schließlich aber nahmen sich zuletzt gewichtige Mitbewerber der EU
selbst aus dem Rennen: Russland verhindert mit prohibitiven
Exportzöllen praktisch einen weiteren Weizenexport bis Ende der
Saison 2007/08, Kasachstan verbot dieser Tage die Ausfuhr von Weizen
bis 01.09., die Ukraine behindert Ausfuhren trotz einer Anhebung
ihrer Exportkontingente durch bürokratische Hindernisse und
Argentinien verlängerte die Schließung der Registrierungsbüros für
den Weizenexport vom 21.04. vorerst auf den 05.05. Australien fehlt
nach einer Dürreperiode und Missernten ein namhaftes Ausfuhrpotenzial
und die USA und Kanada gelten nach dem Exportboom dieser Saison,
ausgelöst von fast panikartiger Kaufnachfrage großer Weizenimporteure
am Weltmarkt, als praktisch ausverkauft.
Nachfrage nach Weizen am Weltmarkt hält an
Nachfrage nach Weizen herrscht dagegen bei den klassischen
Importeuren allerorts: Laufend eröffnen nordafrikanische Staaten von
Ägypten bis Marokko neue Importausschreibungen ebenso wie der Irak,
die Türkei, Japan und Indien in Asien sowie zuletzt auch Brasilien.
Der südamerikanische Agrargigant - kurioserweise auch einer der
großen Weizennettoimporteure auf der Welt - soll nach dem Ausfall
seines Lieferanten Nummer eins, Argentinien, in nächster Zeit einen
Importbedarf von 4 Mio. t Weizen stillen müssen, heißt es von
brasilianischer Mühlenseite. Als Lieferanten hat man offensichtlich
die USA und Kanada im Auge. Mühlenverbände fordern die weitere
Ausweitung der Zollbefreiung für Weizenlieferungen aus dem Raum von
Nicht-Mercosur-Staaten.
Trotz höherer Ernteerwartungen Fragezeichen hinter Erholung der
Reserven 2008/09
Die angespannte Angebots- und Nachfragesituation sollte zumindest
bis zum Einsetzen der ersten Erntekampagnen auf der nördlichen
Halbkugel ab Anfang Juni andauern. Die Welt steuert 2008/09 zwar laut
übereinstimmenden Prognosen zahlreicher Analysten auf eine deutlich
größere Weizenernte als 2007/08 zu, aber gleichzeitig steigende
Nachfrage und der weitere Witterungsverlauf bis zur neuen Ernte
setzen noch ein dickes Fragezeichen dahinter, ob sich die 2007/08 auf
ein seit 30 Jahren nicht dagewesenes Tief abgeschmolzenen
Weizenreserven auf der Welt im kommenden Wirtschaftsjahr substanziell
erholen können.
So erwartet die UN-Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation FAO
2008 dieser Tage zwar eine globale Rekordgetreideernte von 2,16 Mrd.
t - in erster Linie aufgrund der signifikanten Flächenausdehnung bei
Weizen - und korrigiert damit ihre erste Ertragsschätzung um 2,6%
nach oben. Dies könnte nach Meinung der FAO zu einer Entspannung der
sehr engen globalen Getreidebestände für die Saison 2008/09 führen.
Zum Ende dieser Saison 2007/08 werden die weltweiten Endbestände bei
Getreide auf den niedrigsten Stand seit 25 Jahren fallen und mit 405
Mio. t noch einmal 5% unter dem Vorjahresniveau liegen. Alle größeren
Ertragseinbußen, speziell in den Exportländern, würden aber die
Bilanz auch 2008/09 verengen und zu einem neuen Preisauftrieb führen,
warnt die FAO.
Eine deutliche Erhöhung der Weizenernten erwartet das in Kiew
tätige Analyseunternehmen UkrAgroConsult 2008/09 für die
Schwarzmeerregion. Demnach soll die Ukraine ihre Weizenernte in
diesem Jahr von 13,7 Mio. im Vorjahr auf 18,4 Mio. t steigern. Dies
setzt für die kommenden Monate aber gute Witterungsbedingungen und
ausreichend Niederschlag voraus. In Russland könnte die Weizenernte
von 48,6 Mio. t auf 51,2 Mio. t und in Kasachstan nach einer schon
hohen Erntemenge 2007 nur mehr leicht steigen, nämlich auf 16,0 Mio.
t Weizen nach 15,9 Mio. t.
Weizenmarkt in Österreich: Preise gaben moderat nach
Die Kassamarktnotierungen für Premium- und Qualitätsweizen in Wien
gaben diesen Mittwoch im Wochenabstand um EUR 6,- beziehungsweise EUR
5,50 Euro pro t nach. Allerdings behaupten sich die Weizenpreise für
die alte Ernte 2007 mit EUR 261,50 pro t für Premium und EUR 257,-
pro t für Qualitätsweizen in Österreich mit einem Abstand bis zu EUR
40,- pro t nach wie vor deutlich über den Notierungen an der Pariser
euronext.liffe (ehemals MATIF, Schlusskurs Weizenfutures Mai 2008 am
17.04.2008: EUR 221,50 pro t).
Außerdem scheint man sich in der Phase der Restvermarktung zu
befinden, sodass die Marktteilnehmer die internationalen
Kursentwicklungen für die alte Ernte mit ziemlichem Phlegma
verfolgen. Sollten einige Mühlen sich bei der Deckung ihres Bedarfes
nicht verspekuliert haben, wird kaum mehr mit gröberem Geschehen und
Preisgeschiebe gerechnet, außer manche finden doch nicht den
Anschluss an die neue Ernte.
Viel interessanter wird damit zunehmend die Entwicklung der neuen
Ernte, die bisher in Österreich zufriedenstellend verlief, und wie
die Märkte auf die global höher gesteckten Ernteerwartungen
reagieren, beziehungsweise wie weit eine größere Ernte 2008 auch
wieder zu einer Erholung der Lagerbestände führen kann. Abgeleitet
von den aktuellen MATIF-Notierungen für den Liefermonat November 2008
zeichnen sich zurzeit in Österreich Weizen-Erzeugerpreise aus der
Ernte 2008 zwischen EUR 180,- und 190,- netto pro t
(Weizen-Euronext-Vertrag der RWA, Tagespreis für Weizen der Ernte
2008, auszahlbar Ende November 2008, am 18.04.2008 in Ableitung vom
MATIF-Schlusskurs für den Weizenfutures November 2008 am 17.04.:
Qualitätsweizen: EUR 190,- pro t netto, Mahlweizen: EUR 180,- pro t
netto) ab.
Ruhig geht es auch am Maismarkt zu. Mangels Umsätze kommen an der
Wiener Produktenbörse seit Wochen keine Maisnotierungen mehr
zustande. Im Gegensatz zum weitgehend schon geräumten Weizenmarkt
dürften beim Mais aber noch größere Mengen aus der Ernte 2007 auf
Käufer warten. Damit steigt die Nervosität der Lagerhalter, zumal die
Preisvorstellungen möglicher Abnehmer jüngst auch deutlich unter die
Aufkaufspreise aus der Ernte 2007 heraus gesunken sein sollen. Die
Maiskurse an der MATIF für Lieferung im Juni pendelten sich dagegen
in den letzten Tagen um, oder knapp unter EUR 200,- pro t ein
(17.04.2008: EUR 197,25 pro t). Damit zeichnet sich eine Entwicklung
ab, dass sich an den europäischen Terminmärkten die Weizennotierungen
immer mehr denen von Mais annähern - allerdings von oben her
hinunter.
Internationale Nachfrage aus Indien und China treibt
Ölsaatennotierungen wieder in die Höhe
Nach einem Durchhänger in den vergangenen Wochen zogen am Mittwoch
an der Wiener Produktenbörse auch die Ölsaatennotierungen - für Raps
und Sonnenblume - wieder an. Grund ist die internationale
Preisentwicklung aufgrund anhaltend starker Nachfrage nach Pflanzenöl
vor allem in Indien und China. Die indische Regierung forderte dieser
Tage laut ED staatliche Gesellschaften auf, 1 Mio. t Speiseöl zu
kaufen, um die Inflation der Nahrungsmittelpreise im Inland zu
zügeln. Bereits vor wenigen Wochen hat Indien seine Importzölle auf
Speiseöl zurückgenommen. Im März hat Indien fast 33% mehr Speiseöl
als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum importiert. In der Zeit von
November bis einschließlich März sind die Speiseölimporte Indiens auf
über 1,9 Mio. t angewachsen, nachdem sie im Vorjahreszeitraum noch
bei 1,4 Mio. t gelegen hatten.
An den internationalen Märkten rechnet man im zweiten Quartal
dieses Jahres wieder mit größeren Pflanzenöl-Käufen Chinas und
Indiens. In der Vorwoche soll China bereits 150.000 t Sojaöl in Nord-
und Südamerika gekauft haben.
Exportsteuer für Dünger aus China amtlich - Verteuerung von Dünger am
Weltmarkt
Die chinesische Regierung setzte diese Woche mit Wirkung ab 20.04.
offiziell eine Exportsteuer von 135% des Warenwertes auf MAP- und
DAP-Düngemittel, die Harnstoff enthalten, fest. Dies berichtet die
Fachzeitung "Ernährungsdienst" (ED). Für TSP beträgt die Steuer 130%
und für Ammoniumsulfat 100%. Die Steuern gelten zunächst bis
30.09.2008. China reagiert mit dieser Maßnahme auf die in den
vergangenen Monaten stark gestiegenen Preise für Düngemittel. Bereits
seit einigen Tagen haben Meldungen über die geplante Exportsteuer die
Märkte stark verunsichert. So sind die Preise für Harnstoff am
Schwarzmeerhafen Yuzhny von USD 400,- (EUR 251,51) auf aktuell rund
USD 500,- (EUR 314,39) pro t explodiert. Auf den Hedge-Märkten sind
bereits USD 540,- (EUR 339,54) pro t für die Mai-Lieferung bezahlt
worden. Die Situation bei Phosphaten ist ähnlich. Den Preisen wird
sogar noch etwas Luft nach oben zugestanden. Indien sowie auch
Lateinamerika benötigen noch nennenswerte Mengen, die den Markt
weiter anheizen könnten.
(Schluss)
Rückfragehinweis:
AIZ - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst
Tel: 01/533-18-43, mailto:[email protected]
http://www.aiz.info
FAX: (01) 535-04-38
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AIZ






