- 17.04.2008, 09:29:15
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Tankstellen-Pächter in schwierigem Überlebenskampf
Müller: Wettbewerbsdruck steigt - Beratungsangebot der WKÖ ausgeweitet
Wien (PWK281) - Die aktuelle Tankstellenstatistik für 2007 meldet
2.810 öffentliche Tankstellen, wobei die Diskont-Tankstellen mit
1.112 Stationen geringfügige Zuwächse verbuchen konnten. Weitere
Zuwächse in diesem Jahr sind zu erwarten, da z.B. die OMV schon
angekündigt hat, 100 Tankstellen neu zu verpachten.
"Diese Zunahme ist ein ermutigendes Zeichen, da das Überleben der
unabhängigen Betreiber immer schwieriger wird", erklärt der Obmann
des Fachverbandes der Tankstellenunternehmen in der WKÖ, Ferdinand
Müller. Dies sei auch gut für den Wettbewerb. Allerdings sind die
Pächter in ihrem unternehmerischen Handeln durch die
Vertragssituation derzeit extrem eingeschränkt, weshalb auch in
Zukunft ein energisches Auftreten der Interessensvertretung nötig
sei.
Die großen Mineralölkonzerne entwerfen, so Müller, in regelmäßigen
Abständen neue Verträge, die erfahrungsgemäß schlechter sind als die
vorigen. Die Tankstellenpächter haben dann nur die Möglichkeit, den
Vertrag zu unterschreiben oder sich kündigen zu lassen, kritisiert
Müller: "So bestimmen die Konzerne beispielsweise, bei welchen
Händlern welche Produkte gekauft werden dürfen und wie sie im
Verkaufsraum geschlichtet werden müssen". Jeder zweite Pächter
beklage daher zu Recht seine fehlende Selbstständigkeit. Man wolle in
einer Partnerschaft und keiner modernen Lebeigenschaft arbeiten, so
Müller: "Mehr Fairness seitens der Mineralölfirmen ist gefordert,
egal, ob das durch Provisionserhöhungen, weniger Pacht oder durch die
Einräumung von mehr unternehmerischen Freiheiten geschieht". Ebenso
müssten die Geschäftspläne realistisch und verbindlich sein und zu
einem integrierenden Bestandteil des Pachtvertrages werden. Dies
bedinge einen realistischen Personalaufwand. Überdies müssten die
Mineralölgesellschaften mitverantwortlich für die Einhaltung des
Arbeitszeitgesetzes sein, fordert der Sprecher der
Tankstellenbranche. "Jungunternehmer, die eine Tankstelle übernehmen
wollen, brauchen eine umfassende Beratung. Daher haben wir das
Beratungsangebot an die neue Lage angepasst und ausgeweitet".
Tankstellenpächter kalkulieren bereits jetzt mit Margen im
Promillebereich. Über 50% des Treibstoffpreises sind Steuer (MöSt,
MwSt). Da Mobilität so wichtig ist, schlage natürlich jede
Treibstoffverteuerung auf die Inflation voll durch, illustriert
Müller die schwierige Situation der Betreiber. Für ein Viertel der
Gesamtinflation war die Ausgabengruppe "Verkehr" (durchschnittlich
+5,3%) verantwortlich, verursacht überwiegend durch stark gestiegene
Treibstoffpreise (insgesamt +25%; Dieseltreibstoff +27%, Superbenzin
+22%, Normalbenzin +23%)
Die Konzentration in der Tankstellenbranche geht - wenn auch
vermindert - weiter. Zum Jahresende 1988 gab es noch 4.055 und 1998
3.141 Tankstellen in Österreich. Die durchwegs schlechte
Eigenkapitalausstattung belaste die Pächter. Weitere Schließungen und
damit eine Ausdünnung des Versorgungsnetzes seien die Folge, so
Müller.
Jede der 2.810 Tankstellen in Österreich verkaufte 2007 im
Durchschnitt 2,5 Millionen Liter Treibstoff. Wegen der geringen
Margen gewinnt das Zusatzgeschäft an Bedeutung. 1.834 Tankstellen
bieten ihren Kunden einen Shop, 824 haben auch ein Bistro inkludiert.
Die Shops weiten Angebot und Sortiment aus. Künftig werde auch die
Bedeutung des Servicebetriebes wieder zunehmen.
Im Bundesländervergleich ergibt sich folgende
Tankstellenlandschaft: NÖ 534, OÖ 524, Steiermark 506, Tirol 273,
Wien 246, Kärnten 230, Burgenland 203, Salzburg 199 und Vorarlberg
95. Im EU-Vergleich ist die Tankstellendichte in Österreich noch
immer hoch. In Deutschland versorgt eine Tankstelle mit 5.529 fast
doppelt so viele Personen wie in Österreich, wo auf eine Tankstelle
nur 2.953 Einwohner kommen.
Weitere Beispiele im europäischen Vergleich: In Ungarn und Polen
ist die Tankstellendichte besonders gering. In Ungarn kommen auf eine
Tankstelle 6.789 Personen, in Polen 5.830. In Frankreich versorgt -
umgerechnet auf die Einwohnerzahl - eine Tankstelle 4.608 Personen,
in Spanien 4.926. Höher als in Österreich ist die Tankstellendichte
in Italien, wo eine Tankstelle 2.583 Menschen versorgt und in der
Schweiz. Wegen der hohen Anzahl von Automatentankstellen sind es dort
nur 2.072. (hp)
Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Österreich, Bundessparte Transport und Verkehr Mag. Martin Deusch Tel: +43 (0)5 90 900 3255 Fax: +43 (0)5 90 900 257 Email: [email protected] Web: http://wko.at/verkehr
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