• 16.04.2008, 11:10:04
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Arbeitsintegrationsprojekte: Chance für Langzeitarbeitslose in Wien

Caritas-Restaurant Inigo feiert 15-jähriges Bestehen

Wien (OTS) - Trotz sinkender Arbeitslosigkeit gibt es keinen Grund
zur Entwarnung: 26.726 langzeitbeschäftigungslose Menschen gab es im
März 2008 allein in Wien, zeigt die Statistik des Arbeitsmarktservice
(AMS). "Klar ist, engagierte Arbeitsmarktpolitik wird auch in Zeiten
wirtschaftlicher Prosperität nicht obsolet", so Caritasdirektor
Michael Landau. Sozialökonomische Projekte bieten
langzeitbeschäftigungslosen Frauen und Männer die Chance, wieder am
regulären Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

"Weil Menschlichkeit in Wien oberste Priorität hat, gehen bei uns
Sozial- und Arbeitsmarktpolitik Hand in Hand", sagt Gesundheits- und
Sozialstadträtin Sonja Wehsely. "Ziel der Wiener Sozialpolitik ist
es, sozial schwachen WienerInnen möglichst rasch wieder eine
Beschäftigung zu ermöglichen, von der sie auch leben können. Mit der
Bedarfsorientierten Mindestsicherung wird es hier erstmals
bundeseinheitliche Antworten geben. Sie hilft uns dabei,
BezieherInnen wieder leichter zurück in einen Job zu führen."

Im Jahr 2007 betrugen die gesamten Ausgaben der Stadt Wien für
Sozialhilfe rund 237 Millionen Euro. Zusätzlich wurden im vergangenen
Jahr alleine in Maßnahmen der Arbeits- und Sozialintegration
insgesamt 7,7 Millionen Euro investiert. Engste Abstimmung zwischen
der Magistratsabteilung 40, dem AMS und dem waff (Wiener
ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds) ist hier oberstes Gebot. Wien ist
mit dem waff zudem das einzige Bundesland mit einer eigenen
Einrichtung zur gezielten Förderung von ArbeitnehmerInnen. Für aktive
Arbeitsmarktspolitik im Bereich des waff wurden 2007 rund 56
Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Sieben Projekte der Caritas

Aktuell bietet die Caritas Wien in sieben Projekten für
langzeiterwerbslose Frauen und Männer 265 Arbeitsplätze an. Die
Bilanz kann sich sehen lassen: "Seit 1990 konnten wir 3.000
langzeiterwerbslosen Menschen ein Angebot in einem unserer Projekte
stellen. Dieser Einsatz wird auch in Zukunft wichtig sein", betont
Landau. "Ohne die gute Zusammenarbeit mit PartnerInnen und
FördergeberInnen - AMS, Stadt Wien, waff, ESF, BMWA - wäre all das
nicht möglich."

Neben der Schulung erhalten die TeilnehmerInnen auch
sozialarbeiterische Betreuung, denn häufig gilt es auch eine Reihe
von sozialen Problemen zu bearbeiten. So sind viele
Langzeitarbeitslose verschuldet und/oder haben aufgrund der langen
Dauer der Erwerbslosigkeit psychische Probleme. Dr. Inge Friehs,
stellvertretende Landesgeschäftsführerin des AMS Wien: "Die Betreuung
dauert rund zwölf Monate, denn um eine bestmögliche Betreuung der
Betroffenen zu gewährleisten, hat das AMS den Maßnahmen einerseits
eine zweimonatige Einstiegsphase vorgeschaltet, und danach gibt es
eine mindestens dreimonatige Nachbetreuungsphase, wo entweder bei der
Jobsuche oder im Idealfall beim Einleben in den neuen Job geholfen
wird."

15 Jahre Inigo

Eines der insgesamt sieben sozialökonomischen Projekte der Caritas
der Erzdiözese Wien ist das Restaurant Inigo im 1. Bezirk. Seit 15
Jahren erhalten hier langzeitarbeitslose Menschen die Chance, sechs
bis max. neun Monate lang nahe unter den Bedingungen des regulären
Arbeitsmarktes Berufspraxis in der Gastronomie, in Küche und Service
zu sammeln. Seit seinem Bestehen wurden im Inigo mehr als 700
langzeiterwerbslose Frauen und Männer fachlich qualifiziert,
sozialarbeiterisch betreut und anschließend bei der Jobsuche intensiv
unterstützt. Inge Friehs vom AMS Wien betont: "Das Inigo ist ein
langjähriger Partner und eines der Wiener Projekte mit der höchsten
Eigenerlösquote. Ich bin zuversichtlich, dass wir künftig gemeinsam
auch weitere Erfolge in der Arbeitsmarktintegration von zuvor
arbeitsmarktfernen Personen erzielen werden."

Maßgeschneiderte Angebote notwendig

Qualitätsvolle Arbeitsintegrationsprojekte sind eine Chance - auf
der individuellen Ebene für die TeilnehmerInnen in diesen
Arbeitsprojekten, aber auch in gesamtgesellschaftlicher Hinsicht,
wenn es um die Frage geht, wie Langzeitarbeitslosigkeit nachhaltig
reduziert werden kann. Das erfordert ein breites Spektrum an
aufeinander abgestimmten und vernetzten arbeitsmarktpolitischen
Maßnahmen, die sich an den Ressourcen der TeilnehmerInnen orientieren
müssen. Respekt und Freiwilligkeit müssen dabei auch in Zukunft
wesentliche Prinzipien sein.

Für Menschen mit Vermittlungshindernissen wird es zunehmend
schwieriger, am regulären Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. "Was wir
brauchen, ist ein erweiterter Arbeitsmarkt mit sinnstiftender,
ressourcenorientierter, sozial anerkannter und angemessen entlohnter
Beschäftigung auch für jene, die den Einstieg in den regulären
Arbeitsmarkt langfristig oder vielleicht dauerhaft nicht schaffen
können", stellt Landau klar.

Bedarfsorientierte Mindestsicherung

Was in Wien schon seit Jahrzehnten selbstverständlich war, wird
mit der Bedarfsorientierten Mindestsicherung in ganz Österreich
gelten: "Es wird keinen Regress bei Betroffenen und Angehörigen
geben", so Wehsely. "Auch bei der Krankenversicherung kommt es zu
einem Durchbruch. Die Einbeziehung nicht krankenversicherter
LeistungsbezieherInnen in die gesetzliche Krankenversicherung zu den
gleichen Bedingungen wie AusgleichszulagenbezieherInnen schafft
gleich berechtigten Zugang zu medizinischen Leistungen.

"Mit der Möglichkeit, dass arbeitsfähige Menschen die
Bedarfsorientierte Mindestsicherung beim AMS beantragen können, wird
der Zugang erheblich erleichtert", stellte Wehsely klar. Besonders
wichtig ist für Wien auch folgender Punkt: Die vorliegende Einigung
gewährleistet, dass der Bund in seiner Arbeitsmarktpolitik in den
allgemeinen Zielvorgaben (§ 59 AMSG) einen besonderen Schwerpunkt auf
Maßnahmen zur Wiedereingliederung arbeitsfähiger BezieherInnen von
Leistungen der Bedarfsorientierten Mindestsicherung in das
Erwerbsleben setzt.

Für die Caritas ist von zentraler Bedeutung, an welchen Begriff
von "Erwerbsfähigkeit" die Bedarfsorientierte Mindestsicherung
gekoppelt werde. "Hier haben wir Sorge, dass es zu einer zu simplen
Unterscheidung in 'erwerbsfähig' und 'nicht erwerbsfähig' kommen
könnte", sagt Landau. "Unsere Erfahrung zeigt uns, dass viele
langzeiterwerbslose Menschen 'teilerwerbsfähig' sind, aber mit den
hohen und steigenden Anforderungen am regulären Arbeitsmarkt nicht
Schritt halten können."

Rückfragehinweis:
Mag.a Doris Becker, Pressesprecherin Caritas der Erzdiözese Wien
Tel.: 0664/8482618 E-Mail:[email protected]
Mag. Michael Eipeldauer, Mediensprecher StRin. Mag.a Sonja Wehsely
Tel. 0676/ 8118 69522, E-Mail: [email protected]

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