"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Italien übt sich im Fatalismus" (Von Michael Sprenger)

Ausgabe vom 15. April 2008

Wien (OTS) - Lega Nord sichert Silvio Berlusconi die Rückkehr an die Macht. Doch die Krise des Landes wird bleiben.

Silvio Berlusconi hat es also geschafft. Zum zweiten Mal kehrt er zurück an die Macht. Die Mehrheit des Volkes der Enttäuschten gab wie schon in den Jahren 1994 und 2001 dem Medienmogul und Milliardär die Macht in die Hand. Dass es Berlusconi in der Vergangenheit mit Rechtsstaatlichkeit und Demokratie nicht sehr genau nahm, scheint in Italien keine so große Rolle zu spielen. Für viele ist er ein Überlebenskünstler in eigener Sache, selbst ergibt man sich in Fatalismus. Und es ist ihnen irgendwie nicht zu verübeln. Nachdem die Linke aufgrund interner Streitereien und einer knappen Mehrheit so sang- und klanglos an ihrem Reformvorhaben scheiterte, wird nun eben Berlusconi zugetraut, das Unmögliche zu schaffen. Und in der Tat, der Berg an Problemen ist riesengroß. Nicht nur im Süden, wenn auch dort in symbolischer Form des Untergangs. Die Mafia terrorisiert das Land, der Müll stinkt zum Himmel, die Jugendarbeitslosigkeit liegt in einigen Regionen bei 70 Prozent und markiert so die Hoffnungslosigkeit. Im Norden des Landes erhöhte dies auch den Zulauf der rechtspopulistischen Lega Nord. Mit ihren krausen Abspaltungsideen war es dann auch die Lega, die dem rechten Bündnis den Weg zurück an die Macht ebnete. Für Silvio Berlusconi könnte dies bedeuten, dass auch die 62. Nachkriegsregierung Italiens trotz des klaren Vorsprungs keine stabile sein wird. Denn mit dem Machtzuwachs für Umberto Bossi steigt auch dessen erpresserischer Faktor. Keine wirklich guten Voraussetzungen, um das Land aus der Krise herauszuführen.

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