• 11.04.2008, 13:17:48
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Restrukturierung der EU-Zuckererzeugung: 5,7 Mio. t Quote aufgegeben

Positive Reaktion: Weniger final cut - in EU 750.000 ha Rübenfläche für andere Kulturen frei

Brüssel/Wien (AIZ) - Die Europäische Kommission gab heute nach dem
gestrigen Verwaltungsausschuss in Brüssel erste noch vorläufige
Zahlen über die zweite Runde der bis 31.03.2008 möglichen
freiwilligen Rückgabe von Zuckerquoten an den Restrukturierungsfonds
bekannt: Demnach wurden zusätzliche 851.236,80 t Quote (847.866 t
Zucker- und 3.370,80 t Isoglucosequote) zur Stilllegung 2008/09 in
der EU-27 angemeldet. In der ersten Runde bis 31.01.2008 waren
Quotenrückgaben für 2008/09 über 2,475.618,26 t (2,418.420,56 t
Zucker- und 57.197,70 t Isoglucosequote) und für 2009/10 von 132.106
t Zucker zusammengekommen. In Summe sind damit seit dem Einleiten der
Restrukturierung der EU-Zuckerwirtschaft mit der Zuckermarktreform
2006 von ehedem 18,462 Mio. t Zucker- und Isoglucosequote knapp 5,7
Mio. t zur Aufgabe gemeldet worden, sodass die Kommission berichtet,
auf das von ihr gesetzte Ziel von 6 Mio. t Einschränkung der
Quotenzuckerproduktion in der EU-27 fehlten noch knapp 310.000 t.
Sollten diese bis 2010 nicht auch noch aufgegeben werden, wofür
allerdings ab 2008/09 die Zahlungen aus dem Restrukturierungsfonds
geringer ausfallen, wird die EU einen zwangsweisen sogenannten final
cut der Zuckerquoten ohne Ausgleich quer über alle Mitgliedstaaten
über die ausstehende Menge vornehmen.

Die Kommission zeigte sich dennoch mit den zurückgegebenen Mengen
zufrieden, sie seien nach deutlich verbesserten Anreizen für die
Hersteller durch eine Reparatur der Zuckermarktreform 2007 zustande
gekommen. Die deutschen und die französischen Raffinerien blieben mit
245.804 t und 191.642 t zusätzlicher Rückgabe etwas unter den
Erwartungen der Kommission. Das Vereinigte Königreich hat sich an der
zweiten Runde der Quotenrückgabe dagegen gar nicht beteiligt und
bleibt damit über rund 100.000 t in der "Schuld" der anderen
EU-Mitgliedstaaten. Auch niederländische Hersteller pokern auf einen
glimpflichen Ausgang bis 2010 ohne größere eigene Beteiligung.

Österreich an erster Runde mit 13,5% Quotenaufgabe beteiligt

Österreich hat sich schon an der ersten Runde mit der Rückgabe von
54.785 t oder 13,5% seiner Ausgangsquote beteiligt. In der zweiten
Runde machte Österreich nicht mit, so der Generaldirektor des
heimischen Zuckerunternehmens AGRANA, Johann Marihart, kürzlich, weil
keine Schließung einer der beiden heimischen Zuckerfabriken geplant
gewesen sei und man deshalb für eine Quotenaufgabe nur 35% jener
Restrukturierungsprämie von Zuckerunternehmen bekommen hätte, die
Werke schließen. Außerdem wäre Österreich mit einem weiteren
freiwilligen Quotenverzicht beim sogenannten final cut schlechter als
ohne gefahren. Denn nach der Berechnungsformel der EU wäre die Summe
des Quotenverlusts aus der freiwilligen Quotenaufgabe und dem final
cut höher als nur aus dem final cut. Insgesamt unterstützte Marihart
auch in seiner Funktion als Präsident des Verbandes der europäischen
Zuckererzeuger, CEFS, das von der Kommission gesteckte Ziel von 6
Mio. t Quotenrückgabe, weil nur so angesichts der Reformeinschnitte
und Öffnung des EU-Zuckermarktes für Importe ein Marktgleichgewicht
hergestellt werden könne.

Rübenbauern begrüßen Ausgang der Quotenrückgabe: final cut wird
dadurch geringer

"Die Rübenbauern", die Vereinigung der österreichischen
Zuckerrübenproduzenten, begrüßten in einer ersten Stellungnahme den
Ausgang dieser zweiten Runde der freiwilligen Quotenrückgabe. "Damit
wird der Kürzungsbedarf im sogenannten final cut deutlich geringer",
so deren Präsident Ernst Karpfinger. Karpfinger betonte in einem
Zuge, dass Österreich seine Vorleistungen schon mit einem
vergleichsweise hohen Satz der Marktrücknahme von Zucker 2007/08 und
einem freiwilligen Quotenverzicht in dieser Höhe im ersten Durchgang
der freiwilligen Rückgabe eingebracht habe. Eine Beteiligung
Österreichs an der zweiten Runde sei deswegen und wegen der
Auslastung der zwei verbleibenden Zuckerfabriken nicht mehr sinnvoll
gewesen. "Größere Zuckerproduzenten mit mehr Werken taten sich daher
dabei in dieser zweiten Runde leichter."

Karpfinger: Quotenkürzung macht in EU 750.000 ha Rübenfläche für
andere Kulturen frei

Im Lichte der aktuellen Diskussion darüber, ob die Herstellung von
Biokraftstoffen bei der Rohstoffaufbringung in Konkurrenz zur
Lebensmittelversorgung stehe und für steigende Verbraucherpreise
verantwortlich wäre, stellte Karpfinger als Resümee der durch die
Zuckermarktreform quasi erzwungenen Einschränkung der
EU-Quotenzuckerproduktion um rund ein Drittel fest: "Mit der Kürzung
der Quotenzuckerproduktion um rund 6 Mio. t und dem weitgehenden
Ersatz dieser Zuckermenge auf dem europäischen Markt durch Importe
werden in der EU rund 750.000 ha ehemaliger Zuckerrübenfläche für den
Anbau anderer Ackerkulturen - ähnlich wie durch die Freigabe der
Flächenstilllegung - unter anderem als zusätzliches Potenzial für die
Biokraftstofferzeugung frei, ohne dass dadurch die
Lebensmittelversorgung in der EU irgendwie beeinträchtigt oder
konkurriert würde."
(Schluss) pos/mö

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