Ärztekammer: Knebelung für Mediziner wird es nicht geben

Sozialpartner-Papier bedeutet massive Schlechterstellung für Patienten und Ärzte - Dorner befürchtet Aus für freien Berufsstand

Wien (OTS) - Die Ärztekammer lehnt das nun bekannt gewordene
Papier von Wirtschaftskammer und Gewerkschaft entschieden ab. Sollten auch nur Teile dieser "krausen Ideen" in die Realität umgesetzt werden, würde dies eine massive Verschlechterung der Medizin in Österreich bedeuten. Ärzte würden durch ökonomische Vorgaben geknebelt und müssten in den Ordinationen "billige Therapien nicht nach State of the Art" anbieten. Auf der Strecke blieben Ärzte und Patienten gleichermaßen, so Ärztekammerpräsident Walter Dorner in einer ersten Reaktion. ****

Massiv kritisiert werden von der Ärztekammer vor allem die vorgesehenen "gesetzlichen Druckmittel im ASVG", sollte es zu keiner Einigung mit der Ärzteschaft kommen. Dorner: "Das sind brutale Methoden, um einen freien Berufsstand mitsamt den ihm anvertrauten Patienten in die Knie zu zwingen." Zudem seien der Gewerkschaft die Sorgen und Ängste der Menschen in Österreich offensichtlich völlig egal, denn am meisten würden die Patienten unter dieser "Abkehrwendung einer sozialen Krankenversicherung in Österreich" leiden.

Erstaunen löst in der Ärztekammer auch der Umstand aus, dass zu keinem Zeitpunkt mit den Ärzten über die Reformen diskutiert worden sei. Dorner: "Hier wird einfach über eine Berufsgruppe drübergefahren." Für eine europäische Demokratie sei dies ein "einmaliger Vorgang".

Vor allem die Rolle der Gewerkschaft ist für Dorner unverständlich. Wenn nun ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer diesem Papier auch zustimme, dann sei das so, wie wenn die Gewerkschaft akzeptiere, dass es ab nächster Woche keine Kollektivverträge in Österreich mehr gäbe - "auch das ein einmaliger Vorgang in einer Demokratie".

Die Ärzteschaft werde es jedenfalls nicht hinnehmen, dass Kassenverträge jederzeit gekündigt werden könnten, wenn der Arzt kein "entsprechendes ökonomisches Vorgehen" vorweisen kann. Für Dorner bedeutet dies nichts anderes, als: "Betreust du deinen Patienten zu gut, zu fürsorglich und nach dem neuesten medizinischen Wissensstand, dann bist du für uns kein guter Arzt, da zu teuer." Das werde die Ärzteschaft nie akzeptieren, "und wohl am allerwenigsten die Patienten".

Der Ärztechef verweist hier auf die deutschen Erfahrungen, wo es auch in den letzten Jahren massive ökonomische Vorgaben seitens Staat und Kasse gegeben habe, mit dem Erfolg: "Wenn dort ein niedergelassen Arzt sein Ordinationslimit bei Therapie und Medikation erreicht hat, gibt es keine anständige Betreuung mehr für die Patienten."

Ultimatum an Kdolsky

In Wien werden ab nächster Woche die öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten (Stichwort "Ex-Sozialfighter") weiter intensiviert werden. "Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky hat es in der Hand, hier möglicherweise zu einer gewissen Deeskalation beizutragen, sollte sie sich bis Montag Früh unmissverständlich und eindeutig und öffentlich gegen das Sozialpartner-Papier mit allen ihren die Ärzteschaft und die Patienten benachteiligenden Punkten stellen", so Dorner, der auch darauf verwies, "dass schon einmal die österreichische Ärzteschaft wegen einer ASVG-Novelle auf die Straße gegangen ist". (hpp)

Rückfragen & Kontakt:

Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Dr. Hans-Peter Petutschnig
Tel.: 0664/1014222
hpp@aekwien.at
http://www.aekwien.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NAW0001