- 29.03.2008, 14:47:54
- /
- OTS0060 OTW0060
Ärztekammer: Knebelung für Mediziner wird es nicht geben
Sozialpartner-Papier bedeutet massive Schlechterstellung für Patienten und Ärzte - Dorner befürchtet Aus für freien Berufsstand
Wien (OTS) - Die Ärztekammer lehnt das nun bekannt gewordene
Papier von Wirtschaftskammer und Gewerkschaft entschieden ab. Sollten
auch nur Teile dieser "krausen Ideen" in die Realität umgesetzt
werden, würde dies eine massive Verschlechterung der Medizin in
Österreich bedeuten. Ärzte würden durch ökonomische Vorgaben
geknebelt und müssten in den Ordinationen "billige Therapien nicht
nach State of the Art" anbieten. Auf der Strecke blieben Ärzte und
Patienten gleichermaßen, so Ärztekammerpräsident Walter Dorner in
einer ersten Reaktion. ****
Massiv kritisiert werden von der Ärztekammer vor allem die
vorgesehenen "gesetzlichen Druckmittel im ASVG", sollte es zu keiner
Einigung mit der Ärzteschaft kommen. Dorner: "Das sind brutale
Methoden, um einen freien Berufsstand mitsamt den ihm anvertrauten
Patienten in die Knie zu zwingen." Zudem seien der Gewerkschaft die
Sorgen und Ängste der Menschen in Österreich offensichtlich völlig
egal, denn am meisten würden die Patienten unter dieser
"Abkehrwendung einer sozialen Krankenversicherung in Österreich"
leiden.
Erstaunen löst in der Ärztekammer auch der Umstand aus, dass zu
keinem Zeitpunkt mit den Ärzten über die Reformen diskutiert worden
sei. Dorner: "Hier wird einfach über eine Berufsgruppe
drübergefahren." Für eine europäische Demokratie sei dies ein
"einmaliger Vorgang".
Vor allem die Rolle der Gewerkschaft ist für Dorner
unverständlich. Wenn nun ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer diesem Papier
auch zustimme, dann sei das so, wie wenn die Gewerkschaft akzeptiere,
dass es ab nächster Woche keine Kollektivverträge in Österreich mehr
gäbe - "auch das ein einmaliger Vorgang in einer Demokratie".
Die Ärzteschaft werde es jedenfalls nicht hinnehmen, dass
Kassenverträge jederzeit gekündigt werden könnten, wenn der Arzt kein
"entsprechendes ökonomisches Vorgehen" vorweisen kann. Für Dorner
bedeutet dies nichts anderes, als: "Betreust du deinen Patienten zu
gut, zu fürsorglich und nach dem neuesten medizinischen Wissensstand,
dann bist du für uns kein guter Arzt, da zu teuer." Das werde die
Ärzteschaft nie akzeptieren, "und wohl am allerwenigsten die
Patienten".
Der Ärztechef verweist hier auf die deutschen Erfahrungen, wo es
auch in den letzten Jahren massive ökonomische Vorgaben seitens Staat
und Kasse gegeben habe, mit dem Erfolg: "Wenn dort ein niedergelassen
Arzt sein Ordinationslimit bei Therapie und Medikation erreicht hat,
gibt es keine anständige Betreuung mehr für die Patienten."
Ultimatum an Kdolsky
In Wien werden ab nächster Woche die öffentlichkeitswirksamen
Aktivitäten (Stichwort "Ex-Sozialfighter") weiter intensiviert
werden. "Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky hat es in der Hand,
hier möglicherweise zu einer gewissen Deeskalation beizutragen,
sollte sie sich bis Montag Früh unmissverständlich und eindeutig und
öffentlich gegen das Sozialpartner-Papier mit allen ihren die
Ärzteschaft und die Patienten benachteiligenden Punkten stellen", so
Dorner, der auch darauf verwies, "dass schon einmal die
österreichische Ärzteschaft wegen einer ASVG-Novelle auf die Straße
gegangen ist". (hpp)
Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Dr. Hans-Peter Petutschnig
Tel.: 0664/1014222
mailto:[email protected]
http://www.aekwien.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NAW






