• 20.03.2008, 10:00:00
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Geschwindigkeitsüberschreitungen: Gefährlich, aber sozial akzeptiert

Nicht angepasste Geschwindigkeit ist die Hauptursache für tödliche Unfälle auf Österreichs Straßen. Dennoch gilt der übermäßige Tritt aufs Gaspedal als Kavaliersdelikt.

Wien (OTS) - Aktuelle quantitative und qualitative Befragungen des
Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) zeigen, dass zwar jeder
Zweite (49%) Rasen als eher gefährlich einschätzt, dennoch sind
Geschwindigkeitsübertretungen von 10-20 km/h sozial akzeptiert und
werden als Kavaliersdelikt gesehen. "Viele Fahrzeuglenker betrachten
Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht als gesetzliche Vorgabe, sondern
als Richtgröße", erklärt Dr. Othmar Thann, Direktor des KfV. "Sie
entscheiden selbst, welche Geschwindigkeit angemessen ist und
gefährden so nicht nur sich, sondern auch andere Autofahrer, aber vor
allem ungeschützte Verkehrsteilnehmer wie Kinder, Fußgänger und
Radfahrer." Nur 16 Prozent der Befragten ärgern sich sehr über
Geschwindigkeitsüberschreitungen, während mehr als die Hälfte der
Befragten (57%) sich wenig oder gar nicht aufregen, wenn andere zu
schnell unterwegs sind - sofern damit nicht Aggression und
Rücksichtslosigkeit einhergehen.

"Sinnlose" Geschwindigkeitsbegrenzungen

Mehr als ein Drittel der Befragten gab zu, sich selbst gelegentlich
beim Schnellfahren zu ertappen, weitere 28 Prozent fahren oft oder
häufig zu schnell. Motive für zu schnelles Fahren, die von den
Befragten genannt wurden, sind vor allem Eile und Zeitdruck, Spaß am
Schnellfahren, Unachtsamkeit und das Austesten des Fahrzeugs. Als
ausschlaggebend für das eigene Tempo wird aber die Einordnung in
subjektiv "sinnvolle" und "sinnlose" Beschränkungen gesehen. Als
sinnvoll bezeichneten die Befragten Geschwindigkeitsbegrenzungen bei
Schulen, Kindergärten oder in Wohngebieten, im Ortsgebiet mit mehr
Verkehr, auf gefährlichen oder unübersichtlichen Strecken, sowie
witterungsbedingte Begrenzungen, z.B. bei Schnee oder Regen. Als
sinnlos empfunden werden hingegen scheinbar willkürlich gesetzte 100
km/h-Beschränkungen auf der Autobahn oder 50 km/h auf Bundesstraßen,
Begrenzungen auf Durchzugsstraßen in dünn besiedeltem Gebiet und an
Stellen, an denen keine Gefahr ersichtlich ist, wie z.B. bei Schulen
in der Ferienzeit.

Wo wird zu schnell gefahren?

Messungen des KfV im Jahr 2007 zeigen, dass besonders im Ortsgebiet,
also dort, wo die "sinnvollen" Beschränkungen zu finden sind, die
Geschwindigkeit deutlicher überschritten wird als am Freiland oder
auf Autobahnen. Drei Viertel der beobachteten Lenker (73%)
überschritten 30 km/h-Beschränkungen, 50 km/h-Beschränkungen wurden
von 56 Prozent nicht beachtet. Geschwindigkeitsbegrenzungen bis zu 80
km/h auf Freilandstraßen wurden von etwa 40 Prozent der beobachteten
Fahrzeuglenker vernachlässigt. Höhere Beschränkungen werden deutlich
seltener überschritten. Der Anteil der Temposünder auf Autobahnen mit
130 km/h-Beschränkung betrug 22 Prozent, auf Freilandstraßen mit 100
km/h-Begrenzung überschritten nur 17 Prozent die vorgegebenen Limits.
"Bei Geschwindigkeiten bis zu 80 km/h wird die Kontrollierbarkeit des
Fahrzeugs deutlich überbewertet. Zur Überschätzung der eigenen
Fähigkeiten hinzu kommt ein unrealistischer Optimismus, im Sinn eines
,Mir wird schon nichts passieren’-Denkens", sagt Thann. Für den
Einzelnen ist das Risiko bei solchen "maßvollen" Überschreitungen
vielleicht nicht erkennbar, allein im Jahr 2006 sind dadurch aber 219
tödliche Unfälle passiert.

Einstellung zu Kontrolle und Strafe

Im Jahr 2007 hat die Exekutive laut BMI rund 3,8 Millionen
Geschwindigkeitsüberschreitungen gemessen. Davon wurden 800.000
Überschreitungen mittels Lasertechnik, 200.000 via Section Control
und rund 2,8 Millionen durch stationäre Radarboxen gemessen. Auf die
Radarboxen bezogen gaben praktisch alle befragten Autofahrer an, dass
sie häufig beobachten, wie andere Verkehrsteilnehmer vor einer
Radarbox abbremsen und dann wieder beschleunigen. Es zeigte sich
auch, dass die die Messtoleranz von Radarboxen meist überschätzt
wird. Die Geschwindigkeitsmessung mittels Section Control bedeutet
hingegen für manche der Befragten subjektiv gesehen totale Kontrolle,
mehr Staus und Drängeln, sowie einen langsameren Verkehr. Dennoch
wissen viele der Befragten, dass eine flächendeckende Kontrolle und
Strafe zu weniger Rasern und Unfällen, sowie mehr Disziplin bei der
Geschwindigkeit und zur Verkehrsberuhigung beitragen würde.

"Bei der Höhe der Geldstrafen für Geschwindigkeitsübertretungen liegt
Österreich im europäischen Vergleich eher abgeschlagen auf den
hinteren Rängen", bemängelt Thann. Im Bundesministerium für Verkehr,
Innovation und Technologie liegt derzeit ein Entwurf zur Erhöhung der
Strafsätze.

Rückfragehinweis:

Mag. Kerstin Pommereit 
   Kuratorium für Verkehrssicherheit 
   Marketing & Kommunikation
   Tel.: 05 77 0 77-1906 
   E-Mail: kerstin.pommereit@kfv.at 
   www.kfv.at

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