Caritas-Präsident Franz Küberl: "Studie belegt: Armut isoliert"

"Betroffene brauchen Mitmenschen, die hinsehen und PolitikerInnen, die handeln"/ Mindestsicherung müsse mit Anfang 2009 starten

Wien (OTS) - "Die Studie der Statistik Austria belegt nun schwarz auf weiß, was unsere Caritas-Mitarbeiterinnen und - Mitarbeiter in ihrer täglichen Arbeit erleben: Armut ist nicht nur ein finanzielles Problem, sondern macht auch einsam. Betroffene brauchen Mitmenschen, die hinsehen und PolitikerInnen, die handeln", sagt Caritas-Präsident Franz Küberl zu der heute, Mittwoch, auf der Homepage der Statistik Austria (www.statistik.at unter "Presse") veröffentlichten Mitteilung.

Demnach lebten Menschen in Armutslagen wesentlich öfter allein, hätten seltener Kontakte außerhalb des Haushaltes und könnten deutlich seltener auf ein tragfähoges Unterstützungsnetzwerk zurückgreifen. Insgesamt müssen in Österreich 459.000 Menschen (rund 5,6 % der Bevölkerung) in Armut leben, insgesamt sind rund eine Million Menschen arm oder von Armut bedroht.

"Ein gewichtiger Grund, um bei der Umsetzung der bedarfsorientierten Mindestsicherung das Tempo zu erhöhen und das soziale Netz dichter zu knüpfen", kommentiert Küberl diese jüngsten Zahlen. Weil aber die immateriellen Folgen - Einsamkeit, Verzweiflung, Ausgrenzung - ebenso dramatisch seien wie die direkten, materiellen Folgen von Not gelte es, gleichzeitig auch hier zu helfen: "Bei der Betreuung von Menschen, die in der Armutsfalle sitzen, geht es neben der finanziellen Unterstützung und der Klärung ihrer Perspektiven zunächst auch darum, die Betroffenen aus ihrer Isolation zu holen", so Küberl: "Viele schämen sich für ihre Lage und zögern deshalb viel zu lange davor, um Hilfe zu bitten. Auch die eigenen Freunde, so man welche hat, will man oft sehr lange nicht mit der eigenen Situation konfrontieren. Der Rückzug ist vorprogrammiert." Menschen, die sich an die Caritas wenden, helfe es meist alleine schon ungemein, wenn sie sähen, dass sie nicht die einzigen in so einer Situation sind, weiß Küberl.

Besonders dramatisch: "Vor allem Kinder und Jugendliche versuchen ihre Notlage vor den anderen zu verstecken und sagen eher, dass sie krank sind, als zuzugeben, dass sie nicht das Geld haben, um beim Schulausflug mitzufahren oder schwimmen zu gehen. Wer auch bei den billigsten Vergnügen nicht mithalten kann, steht schnell im Abseits", so der Caritas-Präsident.

Engagierte Pfarrcaritas-MitarbeiterInnen würden oft dabei helfen, Berührungsängste abzubauen und den Erstkontakt zu einer der 32 österreichweiten Caritas-Sozialberatungsstellen herstellen. Küberl. "Wirksame Armutsbekämpfung muss auf mehreren Säulen stehen. Die Frage, ob man auch Freundinnen und Freunde unter den Armen hat, ob es Freundschaftlichkeit, Nachbarschaftlichkeit, Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher Gruppen gibt, kann nicht vom Staat gelöst werden. Hier muss jeder für sich selbst eine Antwort finden. Alle sind gefordert, die oft versteckte Not zu sehen. Solidarität beginnt dort, wo ich neben dem eigenen Kind auch das auf der Schulbank daneben sehe. Und wo ich neben den eigenen Problemen auch jene der Nachbarn wahrnehme." Die Caritas hat in den 32 österreichweiten Sozialberatungsstellen im Vorjahr insgesamt rund 42.000 Menschen betreut und insgesamt rund 2,3 Millionen Euro an Soforthilfen ausbezahlt.

An die politisch Verantwortlichen plädiert der Caritas-Präsident angesichts des Tauziehens zum Startzeitpunkt der bedarfsorientierten Mindestsicherung einmal mehr, diese so rasch wie möglich umzusetzen:
"Der Start mit 1. Jänner 2009 muss halten. Bis dahin sind auch wichtige Details zu klären, etwa, wie die Anbindung an den Arbeitsmarkt erfolgen soll. Da bleibt keine Zeit für Streitereien." Eine weitere Forderung des Caritas-Präsidenten zur Armutsbekämpfung:
"Weil gerade die Kosten für Essen, Wohnen und Heizen in der Vergangenheit exorbitant gestiegen sind, müssen die Sozialleistungen, aber auch die Familienbeihilfe, dringend um die Inflationsrate erhöht werden. Auch danach muss eine jährliche Anpassung erfolgen. Da sind die Länder und der Bund gemeinsam gefordert."

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