- 12.03.2008, 09:16:37
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70 Jahre nach dem Raub durch die Nazis - Gusenbauer und Häupl bei Eröffnung des jüdischen Sportvereins HAKOAH
Gusenbauer: "An erfolgreiche Ära in 20er und 30er Jahren anknüpfen"
Wien (SK) - "Ich bin überzeugt, dass der Traditionsverein HAKOAH
an seine erfolgreiche Ära in den zwanziger und dreißiger Jahren
anknüpfen kann - die Bundesregierung jedenfalls unterstützt diese
Sportstätte, die offen für Menschen jedweden Glaubens ist", erklärte
Bundeskanzler Alfred Gusenbauer am Dienstag im Wiener Prater
anlässlich der Wiedereröffnung des jüdische Sportvereins HAKOAH 70
Jahre nach dem Raub der Sportstätte durch die Nazis. Gusenbauer
bezeichnete die Wiedererrichtung dieses Sportzentrums als "große
Bereicherung unseres Lebens", schließlich habe HAKOAH stets die
Verbindung von Intellektuellen und Sport ausgemacht. "Wir müssen uns
unserer Pflicht gegenüber der Vergangenheit bewusst sein", erläuterte
der Wiener Bürgermeister Michael Häupl, warum die Stadt Wien das neue
S.C. HAKOAH Karl Haber Sport- und Freizeitzentrum finanziell
unterstützt hat. ****
"Nur wenige Sportler konnten vor dem Nationalsozialismus fliehen. Der
Name HAKOAH ist daher unzertrennlich mit der systematischen
Vernichtung der Juden verbunden; nach dem zweiten Weltkrieg haben
dann jedoch Heimgekehrte einige Sektionen dieses Vereins, der einmal
der größte Universal-Sportverein der Welt war, wieder aufgebaut",
schilderte Gusenbauer den Weg zur Wiedererrichtung von HAKOAH.
Der Bundeskanzler befand auch das Datum der Wiedereröffnung der
Sportstätte "siebzig Jahre nach dem Einmarsch der deutschen Truppen"
als gut gewählt. "Viele unserer Landsleute haben sich aktiv an den
Verbrechen des Nationalsozialismus beteiligt", erinnerte er,
wenngleich auch "tausende Österreicher mit Waffen gegen das NS-Regime
gekämpft haben". "Wir haben aber viel zu spät mit der
Wiedergutmachung begonnen", betonte Gusenbauer, obwohl er wisse, dass
"keine Restitution das Geschehene abgelten kann".
"Heute ist ein schöner Tag: Spät aber doch können wir erfüllen, was
fünfzig Jahre früher erfüllt werden hätte sollen", so der Wiener
Bürgermeister. Er möchte "jungen jüdischen Sportlern ein
Zusammenleben in Freiheit und Demokratie ermöglichen". "Ich lehne es
ab, zwischen Freiheit und Sicherheit wählen zu müssen", merkte Häupl
zu modernen Gefahren für die Demokratie - wie den Terrorismus - an.
"Ich wünsche mir, dass wir mit HAKOAH einen Teil jener Wiener Kultur
zurückholen, die wir hier vor der NS-Barbarei hatten", ist Häupls
Anliegen. In der Wiedererrichtung dieser Sportstätte sieht er demnach
die "Begleichung einer historischen Schuld". "Allerdings sind auch
heute Mut und Zivilcourage von Nöten, um Ausgrenzung und Rassismus zu
verhindern", war des Bürgermeisters abschließende Botschaft.
(Schluss) re
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