70 Jahre nach dem Raub durch die Nazis - Gusenbauer und Häupl bei Eröffnung des jüdischen Sportvereins HAKOAH

Gusenbauer: "An erfolgreiche Ära in 20er und 30er Jahren anknüpfen"

Wien (SK) - "Ich bin überzeugt, dass der Traditionsverein HAKOAH
an seine erfolgreiche Ära in den zwanziger und dreißiger Jahren anknüpfen kann - die Bundesregierung jedenfalls unterstützt diese Sportstätte, die offen für Menschen jedweden Glaubens ist", erklärte Bundeskanzler Alfred Gusenbauer am Dienstag im Wiener Prater anlässlich der Wiedereröffnung des jüdische Sportvereins HAKOAH 70 Jahre nach dem Raub der Sportstätte durch die Nazis. Gusenbauer bezeichnete die Wiedererrichtung dieses Sportzentrums als "große Bereicherung unseres Lebens", schließlich habe HAKOAH stets die Verbindung von Intellektuellen und Sport ausgemacht. "Wir müssen uns unserer Pflicht gegenüber der Vergangenheit bewusst sein", erläuterte der Wiener Bürgermeister Michael Häupl, warum die Stadt Wien das neue S.C. HAKOAH Karl Haber Sport- und Freizeitzentrum finanziell unterstützt hat. ****

"Nur wenige Sportler konnten vor dem Nationalsozialismus fliehen. Der Name HAKOAH ist daher unzertrennlich mit der systematischen Vernichtung der Juden verbunden; nach dem zweiten Weltkrieg haben dann jedoch Heimgekehrte einige Sektionen dieses Vereins, der einmal der größte Universal-Sportverein der Welt war, wieder aufgebaut", schilderte Gusenbauer den Weg zur Wiedererrichtung von HAKOAH.

Der Bundeskanzler befand auch das Datum der Wiedereröffnung der Sportstätte "siebzig Jahre nach dem Einmarsch der deutschen Truppen" als gut gewählt. "Viele unserer Landsleute haben sich aktiv an den Verbrechen des Nationalsozialismus beteiligt", erinnerte er, wenngleich auch "tausende Österreicher mit Waffen gegen das NS-Regime gekämpft haben". "Wir haben aber viel zu spät mit der Wiedergutmachung begonnen", betonte Gusenbauer, obwohl er wisse, dass "keine Restitution das Geschehene abgelten kann".

"Heute ist ein schöner Tag: Spät aber doch können wir erfüllen, was fünfzig Jahre früher erfüllt werden hätte sollen", so der Wiener Bürgermeister. Er möchte "jungen jüdischen Sportlern ein Zusammenleben in Freiheit und Demokratie ermöglichen". "Ich lehne es ab, zwischen Freiheit und Sicherheit wählen zu müssen", merkte Häupl zu modernen Gefahren für die Demokratie - wie den Terrorismus - an.

"Ich wünsche mir, dass wir mit HAKOAH einen Teil jener Wiener Kultur zurückholen, die wir hier vor der NS-Barbarei hatten", ist Häupls Anliegen. In der Wiedererrichtung dieser Sportstätte sieht er demnach die "Begleichung einer historischen Schuld". "Allerdings sind auch heute Mut und Zivilcourage von Nöten, um Ausgrenzung und Rassismus zu verhindern", war des Bürgermeisters abschließende Botschaft. (Schluss) re

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