- 11.03.2008, 09:00:00
- /
- OTS0021 OTW0021
Die Forschungs- und Entwicklungsintensität im österreichischen Unternehmenssektor
Wien (WIFO) - Die F&E-Ausgaben der Unternehmen sind eine
maßgebliche Determinante des Wachstumspotentials einer
Volkswirtschaft. Das WIFO hat im Rahmen eines EU-Projektes den Anteil
der F&E-Ausgaben an der Bruttowertschöpfung (die F&E-Intensität) des
österreichischen Unternehmenssektors strukturbereinigt und mit
anderen OECD-Ländern verglichen. Zwischen 1998 und 2004 erhöhte sich
die F&E-Intensität demnach in den meisten Branchen, und einige
Branchen mit international hoher F&E-Intensität gewannen in
Österreich an Bedeutung. Vor allem in der Sachgütererzeugung
konzentrieren sich die F&E-Ausgaben auf wenige Branchen, was auf ein
sehr enges Spezialisierungsprofil hindeutet. Den höchsten Beitrag zur
F&E-Intensität des Unternehmenssektors leisten einige
Dienstleistungsbereiche; aufgrund statistischer Zuordnungsprobleme
ist eine Bewertung der Entwicklung der F&E-Ausgaben im
Dienstleistungssektor jedoch nicht möglich.
Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) sind, gemeinsam
mit der Bildung von Humankapital und nicht F&E-bezogenen
Innovationsaktivitäten, zentrale Determinanten des langfristigen
Wachstums von Volkswirtschaften. Unternehmen betreiben F&E mit dem
Ziel, neue Produkte zu entwickeln oder aber die Produktionskosten zu
senken. So besteht z. B. ein enger Zusammenhang zwischen der Höhe der
F&E-Ausgaben und den Umsätzen, die mit neuen Produkten erzielt
werden. F&E-Aktivitäten sind häufig auch eine Voraussetzung dafür,
dass wissenschaftliche Erkenntnisse und komplexere technologische
Entwicklungen rezipiert und in der Folge als wirtschaftliche Chance
genutzt werden können. Aus diesem Grund sind die F&E-Ausgaben ein
sehr zuverlässiger Indikator für die Innovationsfähigkeit von
Unternehmen.
Das WIFO hat im Rahmen eines Forschungsprojektes im Auftrag der
Europäischen Kommission die Struktur der Ausgaben für Forschung und
Entwicklung im Unternehmenssektor untersucht und die Ergebnisse in
seinem jüngsten Monatsbericht publiziert. In Österreich ist demnach
die Forschungsintensität in den letzten Jahren erheblich gestiegen.
Dazu trug die stetige Zunahme der F&E-Intensität des österreichischen
Unternehmenssektors maßgeblich bei: Der Anteil der F&E-Ausgaben an
der Bruttowertschöpfung erhöhte sich zwischen 1998 und 2004 von 1,4%
auf 1,85%.
Eine Zerlegung dieser Werte in einen strukturspezifischen und
einen länderspezifischen Teil zeigt, dass im Jahr 2004 1,34
Prozentpunkte der F&E-Intensität (von 1,85%) durch die Struktur des
österreichischen Unternehmenssektors bedingt sind, während rund 0,51
Prozentpunkte auf einen Ländereffekt zurückzuführen sind. Dieser
Ländereffekt wird dadurch hervorgerufen, dass in nahezu allen
Branchen die F&E-Intensität leicht über dem OECD-Mittelwert liegt (um
rund 0,5 Prozentpunkte) und zugleich einige F&E-intensive Branchen
stärker als im OECD-Durchschnitt zur Wertschöpfung des
österreichischen Unternehmenssektors beitragen (um rund 0,1
Prozentpunkte).
Rund 25% des Ländereffektes gehen auf die überdurchschnittlich
hohen F&E-Ausgaben und die überdurchschnittliche Bedeutung der
Branche "Rundfunk-, Fernseh- und Nachrichtentechnik" zurück (rund
0,15 Prozentpunkte). Weitere 40% sind auf die überdurchschnittliche
F&E-Intensität in einigen Dienstleistungsbranchen zurückzuführen
(vornehmlich "Erbringung unternehmensbezogener Dienstleistungen"
sowie "Forschung und Entwicklung"). Dieser hohe Beitrag einiger
weniger Branchen zum Ländereffekt ist einerseits ein Hinweis auf ein
sehr enges Spezialisierungsprofil. Andererseits ist der bedeutende
Anteil der angeführten Dienstleistungsbranchen an der F&E-Intensität
des Unternehmenssektors teilweise durch die international
unterschiedliche statistische Zurechnung öffentlich finanzierter
Forschungs- und Fördereinrichtungen bedingt: In Österreich werden
diese dem Unternehmenssektor zugerechnet, in etlichen OECD-Ländern
(z. B. Deutschland) hingegen nicht.
Eine Betrachtung der Veränderung der F&E-Intensität über die Zeit
stützt die Einschätzung, dass das "österreichische Strukturparadoxon"
fortbesteht, wonach österreichische Unternehmen besonders in
traditionellen, in den meisten OECD-Ländern bereits schrumpfenden
Branchen sehr wettbewerbsfähig sind.
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
2/2008
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=31385&typeid=8&
display_mode=2)!
Rückfragehinweis:
Dr. Andreas Reinstaller
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-305 * Fax. +43 1 798 93 86
mailto:[email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WFO






